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1.5. Alpen-Heimat (Bernhard Tschofen)[4]

Tipp

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1.5.1. Historische Sicht und Entdeckung

Die Rede von der „Entdeckung der Alpen“ lässt den Eindruck einer Polarität entstehen: einerseits der moderne Entdecker und andererseits das entdeckt Authentische. Das Bild der vormodernen Alpen glich einer unberührten, abgeschlossenen, statischen Idylle.

Mit dem 19. Jahrhundert begann die Ausstattung der Alpen als moderner Erlebnisraum, sie wurden zur „Selbsterfahrungslandschaft“ des Bürgertums. Bürgerliche Tugenden wurden dort erprobt, und es stellte sich ein neues Natur- und Körperverständnis ein. Doch das „Unberührte“ nutzte sich besonders schnell ab und bald begann die Suche nach exklusiven Erlebnisräumen.

Die ästhetische Eroberung der Alpen und das Motivrepertoire umfassten immer Land und Leute, Berge und Menschen. In der Heimatschutzbewegung findet man dieses doppelte Interesse in dem vielfach zitierten Bild der „Zweisäuligkeit“ („Schutz der heimatlichen Natur“ und „Schutz des heimatlichen Menschenwerkes“). Die Fixierung von Haustypen begann mit den frühen forschenden Interessen und fand ihre Fortsetzung in einer „Bilderflut“, die das alpine Haus im Laufe des 20. Jahrhunderts für die unterschiedlichsten Sparten der Gebrauchskunst aufbereitete.

1.5.2. „Wegmarken der Sehnsucht“ – Alpenheimat im Flachland

„Die Alpen strahlen aus“ – weit ins flache Land haben sie ihre Fühler ausgestreckt und „Wegmarken der Sehnsucht“ in die Landschaft gesetzt. Zum Beispiel sind die Neubaugebiete in Niederösterreich ein anschauliches Feld, um „Alpinisierung“ zu studieren.

An den Rändern der Ortschaft trifft man auf Malerei, deren Ästhetik aus dem 19. Jahrhundert zu kommen scheint. Die naturgetreuen Malereien stellen eine Verbindung zum Weltbild der Bewohner/innen her. Mitten im Tullnerfeld z. B. hat sich eine Familie gleich zwei Gemälde an die Hauswand malen lassen. Alpine Motive zeigen beide, der Wunsch nach einer schönen Landschaft führte offensichtlich ins Gebirge.

Fast immer kommen die Beweggründe, die zu einem Alpenbild führen, aus einer allgemeinen Ästhetik, nur selten knüpft die Motivwahl an die engere Familiengeschichte an. Unverbindlich – wie das im Umgang mit kollektiven (gemeinschaftlichen) Schönheiten offensichtlich zu sein hat – ist in den Bildern der Bezug zur konkreten Umwelt. Die Auftraggeber/innen jener Malereien scheinen sich gegen das vermeintliche Defizit an „echter Bergkultur“ zu wenden und wohl auch gegen andere als Verlust und Defizit wahrgenommene Erscheinungen der Moderne.



[4] Kurzfassung von Ilona Lindenbauer, Langtextversion HIER.

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