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3.17. Seeprozessionen in Oberösterreich (Gerhard Gaigg)

3.17.1. Eine Fronleichnamsprozession zu Wasser

Von den Fronleichnamsprozessionen stechen jene von Hallstatt und Traunkirchen besonders hervor. Sie werden nicht zu Lande, sondern zu Wasser auf dem Hallstätter- bzw. Traunsee abgehalten. Eingeführt wurde diese Art der Fronleichnamsprozession von den Jesuiten Anfang der 30er-Jahre des 17. Jahrhunderts. Als Gründe spielen die Segnung der wirtschaftlichen Grundlage – vor allem in Hallstatt, wo der Salzberg nur vom See aus sichtbar ist –, aber auch das von den Jesuiten ganz bewusst zur Glaubensverkündigung eingesetzte Schauspiel eine Rolle.

Die beteiligten Boote sind feierlich geschmückt, wobei die „Himmelsfuhr“ mit der Geistlichkeit und dem Allerheiligsten sowie die „Gegenfuhr“ mit Vertretern anderer kirchlicher Organisationen den Hauptteil bilden.

Diese Seeprozessionen bildeten mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs im Salzkammergut ab der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Anziehungspunkt für auswärtige Besucher. Sie sind auch heute noch – neben dem religiösen Inhalt – eine Touristenattraktion. Friedrich Simony (1813–1896) berichtete bereits 1867, dass in Hallstatt alle Balkone der am See gelegenen Gasthäuser vor Fremden wimmelten.[112] Den größten Zustrom verzeichneten die Prozessionen Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Zeitungsberichte aus diesem Zeitraum sprechen von bis zu 25.000 und 30.000 Schaulustigen für Traunkirchen und rund 10.000 für Hallstatt. Heute bewegen sich die Besucherzahlen in beiden Orten zwischen 6.000 bis etwa 10.000.[113]

3.17.2. Eine Einführung der Jesuiten im 17. Jahrhundert

Die in Österreich spätestens seit dem 14. Jahrhundert belegten Fronleichnamsprozessionen[114] erfuhren in den oberösterreichischen Orten Hallstatt und Traunkirchen eine besondere Ausformung. Sie werden seit dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts als Seeprozession auf dem Hallstätter- bzw. Traunsee abgehalten. Initiiert wurde dies von den Jesuiten, die 1622 das ehemalige Nonnenstift Traunkirchen übernahmen und hier nicht nur als Grundherren tätig, sondern auch in kirchlicher Hinsicht für das ganze Salzkammergut bestimmend waren. Für Hallstatt wird das Jahr der Einführung der Seeprozession mit 1623 angegeben, in Traunkirchen findet sie seit 1632 in dieser Form statt.[115]

Die Gründe für die Einführung dürften nicht, wie mancherorts in Berichten über die Seeprozessionen vermerkt, in der räumlichen Enge der Orte begründet sein, sondern vor allem in den wirtschaftlichen Gegebenheiten. Das für Hallstatt bestimmende Salzbergwerk liegt oberhalb des Orts und ist von diesem nicht sichtbar, wohl aber vom See aus, sodass die Segnung von hier aus möglich ist. Dementsprechend wurde 1628 – mit der Übernahme des Kirchenpatronats durch das Salinenärar – die Fronleichnamsprozession als immerwährende Stiftung des Salzbergbaus festgelegt. Für die später eingeführte Traunkirchner Prozession scheiden derartige Überlegungen aus. Hier dürfte die Vorliebe der Jesuiten für eine theatralisch aufbereitete Glaubensverkündigung – die wohl auch in Hallstatt eine Rolle spielt –bestimmend gewesen sein.[116] Die Auffassung, wonach die besondere Bedeutung der Seen – etwa im Bereich des Verkehrswesens etc. – für diese Orte zur Fronleichnamsprozession zu Wasser geführt haben sollte, vermag nicht zu überzeugen.[117]

3.17.3. Die Fronleichnamsprozession in der Literatur des 19. Jahrhunderts

Als Beispiel für diese, meist romantisierenden Darstellungen sei jene von Pater Lambert Guppenberger (1839–1907) im Band „Oberösterreich und Salzburg“ der „österreichisch-ungarischen Monarchie in Wort und Bild“ zitiert: „Die Orte Traunkirchen und Hallstatt haben auf dem Festlande kein Terrain, um dort die theophorische Procession zu halten; dagegen hat hier und dort der See Raum über Raum dazu. Die Geistlichkeit im Festornat, die weißgekleideten Mädchen, die Sänger und Musiker, die Schützen und die ganze katholische Gemeinde schreiten in feierlichem Zuge dem Seeufer zu, um die bereitstehenden bekränzten und beflaggten Schiffe zu besteigen. Unter Pöllerknall, der von den Bergwänden ringsherum wiederhallt, unter feierlichem Glockenklang, unter lauten Gesängen und Gebeten fährt die Procession hinaus in den See, dessen wogende Silberfläche silberglänzend leuchtet. Oben azurblauer Himmel und Sonnenglanz und ringsherum die gewaltigen Berge, zwischen welche der See sich hingelagert hat, dazu die betende Menge des frommen Volkes, aus dessen Mitte die feierlichen Klänge des Lauda Sion erschallen – wahrhaftig ein Bild, das kaum in der ganzen Welt seines Gleichen hat.“[118]

3.17.4. Die Fronleichnamsprozession in Hallstatt

Der Ablauf der Fronleichnamsprozession ist im Wesentlichen bis heute gleich geblieben. In Hallstatt findet um 8 Uhr ein Hochamt in der Pfarrkirche statt. Um ca. 9 Uhr beginnt die Prozession mit der ersten Station auf dem Marktplatz. Ab ca. 9:45 Uhr beginnt die eigentliche Seeprozession, die in etwa zwei Stunden dauert. Die zweite Station befindet sich in der Mitte des Sees, von wo aus der Salzberg sichtbar ist und diesem der Segen erteilt wird. Die dritte Station wird in der Nähe des Sudhauses gehalten, wo der Segen für die Arbeiter und seit 1968 auch für den Fremdenverkehr gespendet wird. Als vierte Station gilt die Kriegergedächtnisstätte. Eine Messe, wiederum in der Pfarrkirche, beschließt die Prozession.

Eine Besonderheit bilden in Hallstatt die eigenen Fronleichnamslieder. Es handelt sich hierbei um vier eigens komponierte volkstümliche Barocklieder zu den einzelnen Segensstationen, die nur von Frauen gesungen werden. Bestimmend für die Gestaltung sind auch die Hallstätter Fronleichnamsschützen, die mit ihren Prangerstutzen durch jeweils drei Schüsse vor dem Evangelium und jeder Station die Wichtigkeit der Geschehnisse ankündigen.

Die Hauptschiffe, vor allem das Altarschiff und das Musikschiff, werden von Hand gerudert. Begleitet werden diese von einer großen Anzahl von kleineren Booten, sogenannten „Fuhren“, die entweder gerudert oder von Elektromotoren angetrieben werden und wie die Hauptboote mit Buchenlaub oder Tannengirlanden geschmückt sind.[119]

3.17.5. Die Fronleichnamsprozession in Traunkirchen

Von den Fronleichnamsprozessionen stechen jene von Hallstatt und Traunkirchen, die zu Wasser auf dem Hallstätter- bzw. Traunsee abgehalten werden, besonders hervor. Eingeführt wurde diese Art der Fronleichnamsprozession von den Jesuiten Anfang der 30er-Jahre des 17. Jahrhunderts. Als Gründe spielen die Segnung der wirtschaftlichen Grundlage – vor allem in Hallstatt, wo der Salzberg nur vom See aus sichtbar ist –, aber auch das von den Jesuiten ganz bewusst zur Glaubensverkündigung eingesetzte Schauspiel eine Rolle.

Der Ablauf der Prozession ist im Wesentlichen gleich geblieben und verläuft in Hallstatt wie in Traunkirchen ähnlich. In beiden Orten gibt es eine „Himmelsfuhre“, das Altarschiff, und eine „Gegenfuhre“ mit dem gläubigen Volk. Früher war auch eine „Prangerfuhre“ mit weiß gekleideten, unverheirateten Mädchen, Jugendvertretern etc. üblich.

In Traunkirchen werden die Hauptschiffe nicht wie in Hallstatt gerudert, sondern bestehen aus umfunktionierten und geschmückten Motorbooten, etwa auch Transportschiffen der Solvay-Werke. Neben kleineren Booten hat die Traunseeschifffahrt einen „Zubringerdienst“ von den anderen Ufergemeinden (Gmunden, Altmünster, Ebensee) eingerichtet. Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche beginnt die Seeprozession mit drei Stationen auf dem See, die vierte Station ist wieder auf dem Land.



[113] [Oberösterreichische Nachrichten] (1959-05-29) und (1962-06-23). – [Salzkammergut-Zeitung] (1993-06-17).

[117] [Fochler 1971], S. 115 f.

[118] [Guppenberger 1889], hier S. 154.

[119] [Fochler 1971], S. 115 f. – [Original Ischler Wochenrundschau] (2002-05-30), S. 18.

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