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4.15. Das Salzburger Adventsingen (Karin Schamberger)

4.15.1. Kurztext[982]

4.15.1.1. Lebensstationen Tobi Reisers d. Ä. (1907–1974)

Der Begründer des Salzburger Adventsingens, Tobi Reiser, wurde 1907 in St. Johann im Pongau geboren. Wenngleich Musik und Gesang im Elternhaus einen hohen Stellenwert innehatten, musste Tobi Reiser eine Fleischerlehre antreten, was seinem Interesse für traditionelle musikalische Formen keinen Abbruch tat. Tobi Reiser setzte sich insbesondere für die Förderung der Musik in den Salzburger Umlandgemeinden ein. Die 1934 gegründeten „Flachgauer Musikanten“ (Klarinette, Hackbrett, Geige, Bassgeige, Gitarre) waren als Tanzmusik selbst in Oberbayern gefragt.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das „großdeutsche Reich“ im Jahr 1938 wurde Tobi Reiser „Volksmusikpfleger“ der „Landesbauernschaft Alpenland“. Während des Zweiten Weltkriegs – 1941 wurde er zur „deutschen Luftwaffe“ einberufen – hat Tobi Reiser seine Arbeit im Bereich der Volksmusik weitergeführt. 1948 wurde Reiser offiziell entlastet.[983]

Ins Jahr 1953 fällt die Gründung des Tobi Reiser Quintetts (Gitarre, Zither, Hackbrett, Harfe, Bass). Diese Musizierweise war Vorbild für viele Volksmusikgruppen im deutschsprachigen Raum. Nach Kriegsende wurde Reiser 1946 zum Geschäftsführer des „Salzburger Heimatwerks“ bestellt. Von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 1974 hat Tobi Reiser d. Ä. das Salzburger Adventsingen geleitet.

4.15.1.2. Anfänge des Adventsingens

Am Beginn des traditionellen Salzburger Adventsingens steht eine weihnachtliche Singstunde, die Tobi Reiser d. Ä. 1946 im Gemeinschafterheim am Rudolfskai initiiert hatte. Bereits 1950 übersiedelte die Veranstaltung aus Platzgründen in den Kaisersaal der Residenz.

Im Mittelpunkt des Salzburger Adventsingens unter Tobi Reiser d. Ä. stand das Singen und Musizieren. 1952, im Jahr der Übersiedelung in die Große Aula der Universität , trägt Karl Heinrich Waggerl (1897–1973) erstmals eigene Texte beim „Salzburger Adventsingen“ vor; zudem wurde die Herbergsuche in das Programm aufgenommen. Seit 1960 wird das Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus abgehalten, wobei der „eiserne Vorhang“ die Kulisse prägt.

4.15.1.3. Familiäre Großveranstaltung

In den 1960er-Jahren ist aus dem intimen, vorweihnachtlichen Salzburger Adventsingen der Anfangszeit ein Ereignis von nationalem und internationalem Interesse geworden. Zum einen kam das Publikum nach Salzburg, um die vorweihnachtliche Veranstaltung zu besuchen; zum anderen ging das Salzburger Adventsingen „hinaus in die Welt“:

1961 war die erste Schallplatte des Salzburger Adventsingens erhältlich; 1963 wurden erstmals Ausschnitte der Veranstaltung im Fernsehen ausgestrahlt. Im selben Jahr ging das Salzburger Adventsingen auch auf „Tournee“ nach Wien.

Während die einen von einer gelungenen Verbindung von Adventstimmung und kommerzieller Großveranstaltung sprechen und den familiären Charakter betonen, erheben andere kritische Stimmen und warnen vor einer Dominanz des Kommerzes.

Die 1970er-Jahre bringen personelle Veränderungen mit sich: Karl Heinrich Waggerl, der mit seinen Lesungen zum fixen Bestandteil des Salzburger Adventsingens geworden ist, stirbt 1973. Der Tod Tobi Reiser d. Ä. fällt in das Jahr 1974. Im Advent 1975 beginnt die Ära von Tobias Reiser d. J., welcher die Organisation der Veranstaltung bis 1999 innehat.

4.15.1.4. Tobias Reiser d. J. (1946–1999)

Nach dem Tod des Vaters übernimmt Tobias Reiser d. J. die Leitung des Salzburger Adventsingens. Die Produktion von 1974 – dem Todesjahr von Tobi Reiser d. Ä. – war der Idee des Vaters verpflichtet. Von 1975 bis 1999 verleiht Tobias Reiser d. J. dem Salzburger Adventsingen seine persönliche Note und setzt neue Akzente.

Das Publikum akzeptiert den Nachfolger; insbesondere als Interpret der Waggerl-Texte findet Tobias Reiser Anklang. Mit seinen Neuerungen – wie dem Einbau von zeitkritischen Texten – durchbricht Tobias Reiser d. J. Gemütlichkeit und Altbewährtes; er fühlt sich aber trotzdem der Tradition verpflichtet. Mit der Betonung der szenischen Darstellung erhält das Salzburger Adventsingen ein zeitgenössisches Gesicht.

Nach dem Dunklen im ersten Oratorium ist 1983 „a Liacht aufkemma“; es folgen die Oratorien „Sonst bliebe es ein Traum“, „Es ward der Engel Gabriel“ und „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“. In die Ära Tobias Reiser fällt die Gründung des Vereins „Freunde des Salzburger Adventsingens“ (1984); seit 1991 wird jährlich der „Tobi-Reiser-Preis“ für volkskulturelle Sonderleistungen vergeben.

4.15.1.5. Ausblick

Als Tobias Reiser d. J. 1999 kurz vor Weihnachten stirbt, war das Publikum verunsichert; die Medien richteten ihr Augenmerk auf die zukünftige Leitung des Salzburger Adventsingens. Die Aufführung „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“ im Jahr 2000 – deren Überarbeitung zum Teil noch auf Tobias Reiser d. J. zurückgeht – wurde gut aufgenommen.

Mit Spannung wurde das Salzburger Adventsingen 2001 unter der Leitung des künstlerischen Teams um Hans Köhl erwartet. Ein positives Medienecho[984] zeugt von einem geglückten Übergang, einer „Symbiose aus Volkskultur und Kunst“.[985] Das Publikum zeigte sich von der „Premiere“ begeistert: „ein rundum ausgezeichnet gelungenes Werk, das auch religiös Fernstehenden oder Gleichgültigen etwas verkündet vom Wunder der Weihnacht.“[986] Das Salzburger Adventsingen 2001 hat verwirklicht „was Tobi d. J. immer in seinen Vorstellungen hatte und letztlich nie auf diese (!) wundervolle Weise einlösen konnte.“[987]

Im Blickpunkt des Adventsingens 2001 – „Siehe, ich bin des Herrn Magd“ – stand die Figur der Maria. Der Regisseur Charly Rabanser bringt das Anliegen, den weiblichen Rollen mehr Aktionsraum zu verschaffen, auf den Punkt: „Wir wollen Maria nicht nur als Mitgehende, Mitgeschliffene zeigen.“[988] Elisabeth Promeggers Darstellung der Mutter Jesuhat große Anerkennung gefunden: „Sie vermittelt Zaudern, später Entschiedenheit und in allen Gemütslagen vor allem eins: Würde.“[989]

4.15.1.6. Der Volksliedchor und die Salzburger Hirtenkinder

Von 1950 an wirkte der von Sepp Dengg ins Leben gerufene Salzburger Volksliedchor mit Unterbrechungen beim Salzburger Adventsingen mit. Ab 1972 hatte Harald Dengg die Leitung des Chors inne, bis er diese 2001 an seine Tochter Burgi Vötterl übergab. Der Salzburger Volksliedchor beeindruckt das Publikum sowohl mit der Interpretation von Volksliedern als auch mit musikalisch sehr anspruchsvollen Kompositionen aus der Feder von Wilhelm Keller, Klemens Vereno, Shane Woodborne u. a.

Tobi Reisers Hirten machten sich erstmals 1951 aus verschiedenen Gauen des Landes Salzburg mit ihren Instrumenten auf die Suche nach dem neugeborenen Jesuskind: der Lungauer mit der Bassgeige, der Pongauer mit dem Hackbrett, der Pinzgauer mit der Harfe, der Tennengauer und der Gaisberghirt mit der Flöte. Jahr für Jahr kamen neue „Typen“ zum Spiel hinzu; der Aberseer z. B. brachte den „Schleunigen“, eine Musikform aus dem Salzkammergut.

Seit dem ersten Auftritt sind die Hirtenkinder – seit 1990 zählen auch Mädchen zu den „Buam“ – ein Highlight des Salzburger Adventsingens. Die ganzjährige schauspielerische Ausbildung der Buben und Mädchen wird durch musikalischen Unterricht ergänzt.

4.15.1.7. Aus dem großen Kreis der Mitwirkenden

In der langjährigen Geschichte des Salzburger Adventsingens haben eine Vielzahl[990] von Gesangsgruppen und Solisten bzw. Instrumentalensembles mitgewirkt, wobei Tobi und Tobias Reiser immer auf die volksmusikalisch-freundschaftliche Verbindung zur bayerischen Nachbarschaft Wert gelegt haben.

Langjährige Begleiter aus Bayern waren die Fischbachauer Sängerinnen, die Roaner Sängerinnen sowie der Röpfl Dreigesang. Begeistert haben die vielen Zuhörer auch die Riederinger, die Brüder Rehm, die Weildorfer Sängerinnen und die Geschwister Guggenberger aus Matrei. Jahrelang mitgewirkt hat auch der Pongauer Viergesang. Nach wie vor dabei sind der Salzburger Dreigesang und die Walchschmied-Sänger.

Bei den Instrumentalensembles beeindruckte die Familie Derschmidt mit ihren Weisen sowie auch die Bläserensembles unter der Leitung der Professoren Sepp Dorfner, Fritz Krammer, Fritz Unterberger und Horst Hofer.

Stellvertretend für die vielen Solisten seien erwähnt: Adolf Dengg, Franz Hafner sowie Bertl Göttl als Josef, Friedl Christof, Christl Klappacher und Michaela Maier als Maria, Hans Stadler und Charly Rabanser in den verschiedensten Rollen. Das Salzburger Adventsingen hat viele Wirte, Engel, Hirten ... erlebt, die alle zum Gelingen des Adventsingens beigetragen haben und beitragen. Nicht zu vergessen seien auch die Tresterer und die Wilde Jagd mit ihren Stampftänzen sowie das Treiben der Finsteren Mächte.

4.15.2. Langtext

4.15.2.1. Einleitung

Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben bis heute das Salzburger Adventsingen, die kulturelle Großveranstaltung, die jeweils an den ersten drei Adventwochenenden insgesamt 18-mal über die Bühne des Großen Festspielhauses geht, besucht. Den Veranstaltern geht es in erster Linie um die Darbietung von „alten Traditionen“, die Vorstellung von alpenländischen Weihnachtsbräuchen, eingebettet in die biblische Menschwerdungsgeschichte Jesu Christi, wobei die Veranstaltung inzwischen selbst zur kulturellen Tradition geworden ist, versteht man darunter „die Gesamtheit der Kulturelemente einer sozialen Gruppe, die unter dauernden Wandlungsvorgängen von einer Generation auf die andere überliefert wird“.[991]

Seit der ersten Aufführung eines „Salzburger Adventsingens“ im Jahre 1946 ist der Publikumserfolg bis heute stetig gewachsen. Nie gab es Einbrüche im Kartenverkauf; das Salzburger Adventsingen ist die einzige kulturelle Großveranstaltung im Land Salzburg, die immer ohne öffentliche Subventionen durchgeführt wurde. Das Publikum begleitete sämtliche Entwicklungsschritte und Veränderungen des Salzburger Adventsingens. Inwieweit Tradition im Wandel sein kann, wird an dieser Veranstaltung besonders deutlich.

Ein langjähriger Mitwirkender des Salzburger Adventsingens, Sepp Wimmer,[992] hat seine musikalische Karriere mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Briefen usw. dokumentiert und dieses Material unter dem Motto „Ein Leben für die Volksmusik“ in drei stattlichen Ordnern zusammengestellt. Anhand dieser gesammelten Presseberichte und Zeitdokumente wird versucht, sowohl die Entwicklung als auch die Rezeption des Adventsingens in der Öffentlichkeit darzustellen.[993]

4.15.2.2. Von den Anfängen bis zur Übersiedelung ins Große Festspielhaus

4.15.2.2.1. Der Musikantenkreis um Tobi Reiser d. Ä.

Der Begründer des Salzburger Adventsingens, Tobi Reiser d. Ä., wurde am 1. März 1907 in St. Johann im Pongau als Sohn von Tobias und Anna Reiser, Wirtsleute des Gasthofs „Zum Schwarzen Adler“, geboren. In seinem Elternhaus wuchs er in einer musikalischen Tradition auf, die geprägt war durch die Pflege ländlicher Musikformen. Sowohl der Gesang als auch das gemeinsame Musizieren wurden von den Eltern intensiv gefördert.[994] „Es gelingt wohl leicht, ein Musikant zu werden, wenn in der Familie Musik und Gesang zum täglichen Brot gehören“,[995] erzählte Tobi Reiser rückblickend über seine Kindheit. Mit elf Jahren übersiedelte Tobi für den Besuch einer Bürgerschule nach Hallein, wo auch der Musikunterricht eine wesentliche Rolle spielte. Elementare Kenntnisse im Geigen-, Zither- und Gitarrespiel wurden ihm damals vermittelt.[996] Sein größter Wunsch, Musiker zu werden, blieb ihm allerdings vorerst verwehrt: Nach dem Willen seines Vaters musste er eine Fleischerlehre im Heimatort machen. Damals stellte er mit anderen Handwerksburschen sein erstes Quintett zusammen, das aus zwei Violinen, zwei Zithern und einer Gitarre bestand.[997] In dem Tanzmusikanten Georg Windhofer fand er einen prägenden Lehrmeister, von dem er auch viele Musikstücke für seine späteren Ensembles übernahm.[998]

Während seiner Zeit als Selchergehilfe in Salzburg knüpfte er zahlreiche musikalische Kontakte. Kurzfristig, zwischen 1931 und 1932, übernahm er den elterlichen Gasthof, den er allerdings mehrmals in Pacht gab und schließlich verkaufte.[999] In Salzburg wurde er Mitglied der „Original Salzburger Sänger“, wo er seine spätere Ehefrau Christl Schlögl kennenlernte. Mit Berufskollegen gründete er den „1. Salzburger Volkslied-Vierklang“, dem außer ihm Hubert Franz Grabner, Josef Pommer und Franz Peyer, der spätere Hackbrettspieler im Tobias-Reiser-Ensemble, angehörten.[1000] Reisers Bestreben um die Wiederentdeckung traditioneller Kulturformen fand 1934 seinen Ausdruck: Gemeinsam mit dem Salzburger Instrumentenbauer Heinrich Bandzauner entwickelte Tobi Reiser nach verschiedenen älteren Vorbildern das chromatische Salzburger Hackbrett.[1001] Als besonders begabter Musikant erwies sich Franz Peyer. Das Spielen auf dem bis dahin unbekannten diatonischen Osttiroler Hackbrett hatte er von Sepp Wimmer, dem Zitherspieler der „Heimatgruppe Jung Salzburg“, erlernt.[1002]

Ein Ziel Reisers war es, das Singen und Musizieren im Umland der Stadt Salzburg, vorrangig im Flachgau, zu fördern. 1934 gründete er die Tanzmusik „Flachgauer Musikanten“ in einer Besetzung mit Klarinetten, diatonischem Hackbrett, Geige, Bassgeige und Gitarre, die bald zur begehrtesten Vorspiel- und Tanzmusik im Land Salzburg und im benachbarten Oberbayern aufstieg.[1003] Im Rahmen eines Auftritts in Wörnsmühl knüpfte Tobi Reiser Kontakte zu Kiem Pauli, den er schon 1932 bei einem Pongauer Preissingen kennengelernt hatte, als dieser als Wertungsrichter tätig war.[1004] Reiser bemühte sich ständig um Erweiterung seines volkstümlichen Repertoires, wobei er Unterstützung bei seinem ehemaligen Lehrer, dem Sammler Otto Eberhard fand. 1936 wurden die beiden für besondere Tätigkeiten im Bereich des Volksgesanges als „Mitglieder und Berater für Volksliedpflege im Verbandsausschuß“ des Landesverbandes der Trachten- und Schützenvereine aufgenommen.[1005]

1938 erwarb Tobi Reiser die Berechtigung, einen eigenen Fleischerbetrieb in der Kaigasse 13 führen zu dürfen.[1006] Doch schon ein halbes Jahr später wurde er als Volksmusikpfleger zur „Landesbauernschaft Alpenland“ berufen. Unbeirrt von der Intention des neuen Regimes, volkskulturelle Inhalte für politische Zwecke zu missbrauchen, schuf Reiser ein Liedrepertoire, das er einer Vielzahl von Sängern und Sängerinnen, Musikanten und Musikantinnen vermittelte, organisierte große volksmusikalische Zusammenkünfte und baute somit ein landesweites Singen und Musizieren auf. Unterstützt wurde er unter anderem von Jolanda Claus-Ruprecht, die insgesamt 40 Mädchensinggruppen gründete und schulte.[1007] 1941 wurde Reiser zur Deutschen Luftwaffe einberufen, und – in Abwesenheit – 1942 zum „Beauftragten für die Volksmusik“ ernannt.[1008]

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Reiser im Sommer 1945, seine Tanzmusik offiziell zu reaktivieren. Dies wurde ihm jedoch nicht ermöglicht, da er als „belastet“ galt.[1009] Trotzdem formierte er ohne Bewilligung der Behörden die „Flachgauer“ neu. Seine Arbeit für das Nazi-Regime versuchte er dahingehend zu rechtfertigen, dass er mit der Musik nur dem „Österreichischen“ gedient hatte.[1010] Nachdem er ohne Auftrag Volksmusikabende organisiert hatte, bat ihn schließlich der Salzburger Landeshauptmann, den Aufbau der Lied- und Musikpflege zu übernehmen. Offiziell entlastet wurde er allerdings erst 1948.[1011]

4.15.2.2.2. Von der Adventstunde zum Adventsingen

„Als sich im Advent 1946, mitten in der Not und Armut der Nachkriegszeit, eine Handvoll Spielleute und Sänger zu einer Adventstunde zusammenfanden, ertönten neben Musik und Lied auch Worte des Trostes und der Hoffnung“,[1012] so beschrieb der Begründer des Salzburger Adventsingens, Tobi Reiser d. Ä., in seinen Memoiren den Anfangspunkt der nun zu einem fixen Bestandteil der Vorweihnachtszeit in Salzburg gewordenen volksmusikalischen Großveranstaltung. Das gemeinsame Musizieren und das Gedenken an gefallene Kameraden in einem trostlosen Nachkriegswinter, weniger eine Unterhaltung für die knapp 40 Zuhörer, die sich im ungeheizten Gemeinschafterheim am Rudolfskai[1013] eingefunden hatten, war die Hauptintention Tobi Reisers, als er zu dieser Singstunde einlud. Die Hirten- und Krippenlieder kamen von Tobi Reisers Freund Georg Windhofer aus St. Johann, der gemeinsam mit Christl Reiser auftrat und diese Lieder zur Gitarrenbegleitung von Tobi Reiser darbot.[1014] Dazwischen trug Reiser eigene Texte vor.

Nachdem in den darauffolgenden Jahren die Zahl der Zuhörer stetig angewachsen war, übersiedelte man zuerst in den kleinen Saal des Mozarteums, schließlich, im Jahre 1950, in den Kaisersaal der Residenz. Die ersten Plakate wurden gedruckt, die ersten offiziellen Einladungen verteilt, auf denen die Veranstaltung nun auch als „Advent Singen“ angekündigt wurde.[1015] Als Veranstalter trat gemeinsam mit der Heimatpflege des Landes Salzburg das Salzburger Heimatwerk auf.[1016] Dieses war am 26. November 1946 unter Auftrag des damaligen Landeshauptmannes vom Leiter der kulturellen Heimatpflege, Alexander Negrelli, als Genossenschaft vorerst provisorisch gegründet worden.[1017] Zu dieser Genossenschaft unter der Geschäftsführung von Tobi Reiser schlossen sich die damals nicht besonders zahlreichen bäuerlichen Handwerker und Gewerbetreibenden zusammen.[1018]

Auch eine das Programm betreffende Änderung fällt bereits in das Jahr 1950: Waren zuvor nur musikalische Stücke dargeboten worden, so wurden diese nun durch Lesungen der Rundfunksprecherin Christl Reisinger ergänzt, die Texte der bayerischen Heimatdichterin Annette Thoma vortrug. Auch szenische Elemente wurden in den Ablauf des Programms eingefügt. Längst vergessene Bräuche, aus denen diese Szenen entnommen wurden, fanden so durch Tobi Reiser eine Wiederbelebung.[1019] Erstmals trat die Perchtentanzgruppe der Alpinia mit dem Stampftanz der Pinzgauer Tresterer auf, auch kleine Spielszenen wurden eingeschoben, die durch Anklöpfler und Sternsing-Kinder, später die „Salzburger Hirtabuam“, gestaltet wurden.[1020] Vier Aufführungen fanden im Advent dieses Jahres statt.

1950 von Sepp Dengg[1021] gegründet, wurde der Salzburger Volksliedchor bereits im selben Jahr eingeladen, am Salzburger Adventsingen mitzuwirken. Der Volksliedchor stellt seit dieser Zeit mit Unterbrechungen[1022] ein wesentliches Element in der musikalischen Umrahmung des Adventsingens[1023] dar. Zu seinen Aufgaben gehört nicht nur die Interpretation der Volkslieder, sondern auch der Kompositionen von Wilhelm Keller oder später von Klemens Vereno, die hohe musikalische Ansprüche stellen. Ab 1972 wurde der Salzburger Volksliedchor von Harald Dengg,[1024] dem Neffen Sepp Denggs, geleitet. Die Zusammenarbeit mit Chordirigenten wie Kurt Prestel,[1025] Klemens Vereno und Albert Anglberger wirkte als große Bereicherung für den Chor.[1026] Ab 1994 unterstützte der am Mozarteum Salzburg ausgebildete Chordirigent Mãrtanda Jost die Arbeit Harald Denggs. Bis 2001 war der organisatorische Leiter Hans Berner. Im Jahr 2001 hat die Tochter Harald Denggs, Burgi Vötterl, die Leitung des Volksliedchores übernommen und wird beim Adventsingen durch den ausgebildeten Orchesterdirigenten Herbert Böck unterstützt.

Im Jahre 1951 fügte Tobi Reiser d. Ä. ein Hirtenspiel in das Salzburger Adventsingen ein. Seine „Hirtabuam“, die vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurden, stammten aus verschiedenen Gauen des Landes Salzburg und machten sich nach der Verkündigung durch den Engel mit ihren Instrumenten auf den Weg, das neugeborene Jesuskind zu suchen: der Lungauer mit der Bassgeige, der Pongauer mit dem Hackbrett, der Pinzgauer mit der Harfe, der Tennengauer und der Gaisberghirt mit der Flöte.[1027] Jahr für Jahr kamen neue „Typen“ zum Spiel hinzu; der Aberseer brachte den „Schleunigen“, eine Musikform aus dem Salzkammergut, die Innviertler brachten den typischen „Landler“. Fast 40 Jahre lang betreute Sepp Seewald die „Hirtabuam“,[1028] wobei die schauspielerische Ausbildung immer auch durch einen musikalischen Unterricht ergänzt wird.[1029]

Im Jahre 1952, als bereits wieder aus Platzgründen ein Umzug – diesmal in die Große Aula der Universität – nötig wurde, schloss sich der Dichter Karl Heinrich Waggerl[1030] dem Kreis der Mitwirkenden an. „Das Salzburger Adventsingen und Karl Heinrich Waggerl – sie gehörten für Hunderttausende Besucher so fest zusammen, daß sie sich’s anders gar nicht vorstellen konnten“,[1031] schrieb Tobi Reiser d. Ä. Die Texte, die Waggerl vortrug, riefen allerdings auch eine Reihe von kritischen Stimmen hervor. Als neues Spielelement erschien 1952 erstmals eine Herbergsuche, die später zu einem zentralen Thema des Adventsingens wurde.[1032]

Ein Jahr später erfolgte die Gründung des Tobi-Reiser-Quintetts. Im Zuge einer Rundfunkaufnahme in München, bei der eine nicht vorgesehene Liedbegleitung gewünscht wurde, stellte Tobi Reiser spontan eine Instrumentalbesetzung zusammen, bestehend aus Gitarre, Zither, Hackbrett, Harfe und Bass.[1033] Da der Zusammenklang dieser recht ungewöhnlichen Besetzung sehr harmonisch war, blieb es auch dabei, und Tobi Reiser schrieb eine Reihe von Stücken für sein Quintett. In dieses wurde nach Karl Ritzler Franz Schwab als Zitherspieler aufgenommen, der bereits um 1950 zu Tobi Reiser gestoßen war.[1034] Er wurde 1954 durch Sepp Wimmer abgelöst, der über den Tod Tobi Reisers hinaus bis 1980 dem Ensemble treu blieb.[1035] Heute hat Herbert Lagler seine Stelle übernommen. Die Harfenistin Maria Müller-Willroider blieb von der Gründung bis 1980 dem Ensemble Tobi Reiser treu. Ihre Stelle hat heute Regina Czifra inne. Das Hackbrett spielte Franz Peyer, der zunächst als Kontragitarrist tätig gewesen war (seit 1963 Pepi Wimmer jun.). Als Gitarrist fungierte Tobias Reiser d. J., nach dessen Tod wurde Egmont Hugl in das Quintett aufgenommen. Als Kontrabassist war bis 1980 Sepp Baier im Einsatz, nach ihm Sepp Radauer. Ab Ende der 60er-Jahre kam auch eine Geigenmusik zum Quintett dazu, heute vertreten durch August Kothbauer und Elmar Oberhammer. Unterstützt wird das Ensemble heute auch durch die Flötistin Christine Brandauer, nachdem Irmi Nußdorfer 1998 aus dem Ensemble ausgeschieden ist.

In den Presseberichten aus dieser Zeit wird vor allem die besinnliche und schlichte Note des Salzburger Adventsingens hervorgehoben. „[...] eine unverfälschte heimatliche Brauchtumsveranstaltung“, hieß es 1958; 1959 wurde die „Botschaft“ des Adventsingens folgendermaßen zusammengefasst:

„Elf Jahre sind es her, seit eine Handvoll Idealisten, die den Glauben an die Kräfte der Heimat nicht verloren hatten, an einem trüben Novemberabend des Nachkriegsjahres 1948 zum ersten weihnachtlichen Singen und Musizieren zusammenkamen – heuer, beim 12. Adventsingen, besteht das Auditorium aus Tausenden, für die sieben Vorführungen noch immer nicht ausreichen, und der Kreis der Mitwirkenden aus dem Salzburger und dem benachbarten bayrischen Land ist zu einer großen Familie zusammengewachsen. Darin liegen die Stärke und der unverwechselbare Reiz des Adventsingens, das auch die treuesten Gäste jedes Jahr neu beglückt, weil es als etwas lebendig Gewachsenes auch wiederum den Hauch des Lebendigen ausstrahlt.“[1036]

Im September 1960 erhielt Pepi Wimmer als Mitwirkender beim Adventsingen folgenden Brief von Tobi Reiser: „[...] Heuer haben wir eine ganz grosse Aufgabe zu erfüllen. Unser Herr Landeshauptmann stellt uns erstmalig für unser Singen das neue Festspielhaus zur Verfügung und er selbst übernimmt den Ehrenschutz für das Adventsingen 1960 [...]“.[1037]

Das Angebot von Landeshauptmann Dr. Josef Klaus, das Adventsingen in das neu erbaute Festspielhaus zu verlegen, hatte Tobi Reiser mit Freuden angenommen, wohl bewusst, welch große Herausforderung darin lag. Nicht nur der Zuschauerraum, der Platz für 2.000 Besucher bot, musste gefüllt werden, die Mitwirkenden standen auch noch vor der schweren Aufgabe, jene Atmosphäre des Adventsingens, an der das Publikum Gefallen gefunden hatte, auf einer viel größeren Bühne zu erhalten.

Die Idee von Tobi Reiser, die Veranstaltung vor dem „eisernen Vorhang“ direkt auf dem überdeckten Orchestergraben abzuhalten, bewährte sich: „Adventsinger bezwangen das neue Festspielhaus“, hieß es am 6. Dezember 1960 im „Demokratischen Volksblatt“. Dass es „einer Gruppe von Laienschauspielern“ gelungen war, „dem modernen Superbau des neuen Hauses Atmosphäre zu geben [...] darüber dürfte niemand mehr überrascht gewesen sein als die Veranstalter des Adventsingens selbst, die dem Auftreten auf der Monsterbühne vor dem kalt schimmernden eisernen Vorhang wie einem gewagten Experiment mit einigem Bangen entgegensahen.“[1038] Beim Adventsingen 1999 und 2000 sollte sich dieser eiserne Vorhang als einmalige Neuerung heben.

Einzig „die möglichen Gefahren einer Routine“, die sich nach 14 Jahren wohl ein wenig bemerkbar machte, veranlassten den Verfasser des Artikels im „Demokratischen Volksblatt“ 1960 zu einer negativen Anmerkung. Die „Salzburger Nachrichten“ vom 3./4. Dezember bestätigten die überwiegend positive Bewertung der Veranstaltung: „Die in den letzten Jahren vorgenommene Übersiedlung der Adventsinger [...] vermochte erfreulicherweise den intimen Charakter dieser Veranstaltung, die wertvolles Kulturgut vermittelt, nicht zu schmälern.“ Hervorgehoben wurde immer wieder die Besinnlichkeit, die sich Salzburg in einer Welt allzu großer Geschäftigkeit durch diesen gelebten Brauch in der Gegenwart bewahrt hatte.

Trotz des vergrößerten Platzangebots im Zuschauerraum und der mittlerweile sechs Aufführungen im Advent 1960 mussten immer noch 4.000 Kartenbestellungen abgewiesen werden.[1039] Längst war das Adventsingen international bekannt, aus ganz Europa kamen die Zuhörer angereist. Das ursprüngliche „Musizieren im kleinen Kreis zur Adventszeit“ war zu einer kulturellen Großveranstaltung geworden.

„Was haben sie bloß gegen das Adventsingen“, so der Kommentar von Karl Heinrich Waggerl, „warum beschäftigen sie sich nicht einmal in einem Seminar der Universität mit der Frage, warum in der heutigen Zeit so viele zu uns kommen? Andere versuchen vergeblich, die Leute in die Theater zu bringen, uns laufen sie ohne Aufforderung zu.“[1040]

4.15.2.3. Bis zum Tod Tobi Reiser d. Ä.

1961 wurde das Salzburger Adventsingen erstmals auf Schallplatte aufgenommen. Unter dem Titel „Salzburger Adventsingen – Umrahmt von Lesungen Karl Heinrich Waggerls“ erschien das Programm geringfügig gekürzt beim Verlag Herder.[1041] Und obwohl im selben Jahr Max Kaindl-Hönig in den „Salzburger Nachrichten“ den Wunsch äußerte, dass das Salzburger Adventsingen niemals „der Versuchung der Filmleute nachgeben“[1042] sollte, weil es sich um „eines der ganz seltenen Kulturdinge, das wirklich nicht automatisiert werden kann“, handelt, meldete das „Salzburger Volksblatt“ schon 1963: „Adventsingen heuer im Fernsehen“.[1043] Im Münchner Fernsehstudio wurde ein Herbergsuchen und ein kleines Spiel der Hirtenbuben aufgezeichnet. Außerdem wurden bei der Sendung „Was gibt es Neues?“ von Heinz Conrads etwa 10 Minuten Probenarbeiten für das neue Programm gezeigt. Die Ausstrahlung längerer Passagen, geschweige denn des gesamten Adventsingens, hatte Tobi Reiser immer abgelehnt, die beiden besinnlichen Stunden sollten nicht zur „Schau“ werden.

1963 ging das Adventsingen „auf Tournee“ nach Wien. In der Wiener Stadthalle wurden fünf Vorstellungen vor jeweils 6.000 Personen gezeigt. Die Kritiken waren unterschiedlich. Von einer „argen Enttäuschung“ für die Bewunderer Waggerls wurde gesprochen, weil drei Viertel des Abends ohne den Dichter bestritten wurden.[1044] Anders Martina Rohner in einem Zeitungsartikel: Für sie war der „Salzburger Advent“ „[...] Volkskunst, wie man sie im Zeitalter des Massentourismus kaum mehr so echt erleben kann. Da singen vier Männer zur Klampfen und schauen aus wie vom Egger-Lienz gemalt, wie vom Holzschlagen weggeholt. Da spielt ein Quintett Hausmusik, als ob sich der Lehrer, der Küster und sein Bub zusammengesetzt hätten.“[1045]

Neue musikalische Akzente setzte ab 1964 der Komponist und Musikerzieher Professor Wilhelm Keller[1046], der in diesem Jahr nach seiner Lehrtätigkeit in Deutschland nach Salzburg zurückgekehrt war. Sieben Jahre lang gestaltete der Volksliedsingkreis Landa Ruprecht das Adventsingen mit, bis dieser 1971 in den Salzburger Volksliedchor integriert wurde.

In den Zeitungsberichten wird besonders das Familiäre, das dem Salzburger Adventsingen anhaftet, hervorgehoben. Max Kaindl-Hönig schrieb 1967: „Dieses große Adventsingen im Festspielhaus [...] versammelt bei zwölf Aufführungen über 25.000 Menschen aus nah und fern. Dennoch hat es sich eine fast familiäre Note bewahrt, die es vor dem Show-Charakter von Massenveranstaltungen ähnlicher Größe abhebt.“ „Es ist wie beim Treffen einer großen Familie. Man freut sich, daß alle wieder da und die Alten geblieben sind.“[1047] „Das Familienhafte der Adventfeiern im Festspielhaus tritt in den letzten Jahren mehr und mehr hervor.“[1048] 1970: „Salzburger Adventsingen schuf eine Familie im Großen Festspielhaus und in der Altstadt.“[1049] Dies geht auch aus den Berichten derjenigen hervor, die als „Hirtabuam“ angefangen haben und dem Adventsingen auch in späteren Jahren treu geblieben sind, wie zum Beispiel Bernhard Strobl, der 1967 einen Rückblick auf sein Mitwirken bei den „Hirtabuam“ verfasst hat: „Ein unsichtbarer Bann fesselt mich an die Mitwirkenden, an den Chor, an die verschiedenen Singgruppen und an Tobi Reiser. Und ich glaube, es wird sicherlich allen so gehen, die einmal dabei gewesen sind [...].“[1050]

Dennoch mussten sich die Organisatoren des Adventsingens auch mit dem Vorwurf der Kommerzialisierung auseinandersetzen. Franz Endler meinte 1965 in der Presse: „Obgleich sich nun sogar in Salzburg selbst schon Stimmen melden, die meinen, Kommerz und Adventstimmung gingen in diesen Veranstaltungen eine Vereinigung ein, die eben dem Kommerz doch schon recht viel Mitspracherecht einräumt, ist ein Nachlassen des Interesses nicht zu merken.“[1051] Endler richtete ein warnendes Wort an die Adventsinggemeinde: Das Ansteigen der Popularität des Adventsingens hatte längst zu einem vorweihnachtlichen Salzburg-Tourismus geführt, wobei die Gefahr groß war, dass sich andere Festivals an den Erfolg anzuhängen versuchen würden. „Man hat es im Salzburger Heimatwerk noch nicht zur Kenntnis genommen, wird aber zweifellos bald beginnen müssen, hier Grenzen zu errichten, über die hinaus keiner mehr von Brauchtum oder Advent sprechen darf.“

Eine wesentliche Änderung trat 1972 ein, als sich Karl Heinrich Waggerl aufgrund eines Schwächeanfalls außerstande sah, seinen Platz am Lesetisch einzunehmen. Spekuliert wurde schon ein Jahr zuvor, wer im Falle von Waggerls Abtreten sein Ersatz sein sollte. In der Zeitung war am 30. Dezember 1970 zu lesen: „ Durch Salzburg schleicht ein grausliches Gerücht. [...] Heinzi Conrads soll im nächsten Jahr beim Adventsingen von Tobias Reiser mitspielen [...], den Platz von Karl Heinrich Waggerl einnehmen und Weihnachtsgeschichten lesen.“[1052] Tobi Reiser dementierte zwar im selben Zeitungsartikel, dass Waggerl die Lust verloren hätte, dennoch zwang diesen 1972 seine Krankheit zum Aufhören.

Als Ersatz schlug Tobi Reiser den erst 18-jährigen Gustl Ségur vor, der aufgrund seines jugendlichen Alters gar nicht erst mit Waggerl verglichen werden konnte. Diese Idee fand auch Anerkennung: Elisabeth Effenberger vermerkte in den „Salzburger Nachrichten“: „[...] der da an seinem Platz saß vor der Kerze, war kein Lückenbüßer, er war herausgewachsen aus den Bubenhosen der Hüatabuben, zu denen er lang gehört hatte und er füllte die Lücke aus mit seinen jungen Kräften, Gustl Ségur, ein wenig unsicher noch, aber so haben sie ja alle angefangen einmal.“[1053]

Die Hoffnung, dass Karl Heinrich Waggerl sich wieder erholen würde, erfüllte sich nicht. Am 4. November 1973 verstarb der Dichter an den Folgen eines Autounfalls.[1054] Nicht einmal ein Jahr später folgte ihm der „Schöpfer“ des Salzburger Adventsingens, Tobi Reiser d. Ä. Da sich dieser aufgrund von Herzproblemen bei den Vorbereitungen für das Adventsingen 1974 sehr hatte zurücknehmen müssen, hatte ihm Tobias Reiser d. J. bereits viele Pflichten abgenommen. Das erste Adventsingen, das ohne Tobi Reiser d. Ä. über die Bühne ging, fand in der Presse wiederum allgemein Anerkennung. Dennoch stellte man sich die bange Frage, wie es in Zukunft weitergehen könne. „Die Feuerprobe des Nachfolgers“,[1055] übertitelten die Salzburger Nachrichten einen Bericht am 30. November 1974. „Und in memoriam Tobi Reiser lief das Aufgebot der Sänger und Musikanten, der Hirtenbuben und Herbergsucher, der Tresterer-Tanzperchten und des Lesers geschlossen und stimmungsvoll ab wie eh und je.“ Als logischer Schluss stand für Elisabeth Effenberger, die Verfasserin eines Zeitungsartikels in den „Salzburger Nachrichten“, fest: „Das Adventsingen wird weitergehen.“

4.15.2.4. Bis zum Tod Tobias Reiser d. J.

Mit größter Spannung wurde das Adventsingen 1975 erwartet. Als wichtigste Neuerung hatte Tobias Reiser d. J. dem Intendanten der Münchner Kammerspiele, Hans-Reinhard Müller, den Platz am Lesepult zugewiesen und auch erstmals wieder Stücke von Karl Heinrich Waggerl vortragen lassen, was ein sehr positives Echo fand: „[Hans-Reinhard Müller] fügt sich in den Kreis, als gehörte er seit langem dazu – vielleicht gerade deshalb, weil er es klug vermeidet, wie Waggerl zu lesen“.[1056] Michael Martischnig stellte in seiner Kritik in den „Salzburger Nachrichten“ eine „gewisse Einförmigkeit der Stimmung“[1057] durch die Abfolge der Lieder und Instrumentalstücke fest, das Hirtenspiel wiederum sollte auf seine Ursprünge zurückgeführt und die Texte von „treuherziger Sozialkritik“ gereinigt werden.

Daran musste man sich allerdings ab sofort gewöhnen: Nicht nur Altbewährtes, „Gemütliches“, wurde den Besuchern des vorweihnachtlichen Spiels vorgesetzt, sondern das Publikum musste sich durchaus auch zeitkritische Inhalte gefallen lassen. Die Auswahl der Texte wurde 1976 in einem Zeitungsartikel negativ hervorgehoben. Das Eigentliche, die Vorbereitung des Menschen im Advent auf die Geburt des Erlösers, sei dabei zu kurz gekommen, so hieß es hier.[1058] Grundsätzlich gab man Reisers Ideen allerdings recht. Die Suche nach neuen Akzenten, bei denen das Stammpublikum nicht vergrault werden, aber auch keine Langeweile und Routine aufkommen durfte, war eine Gratwanderung.

Tobias Reiser d. J. bemühte sich um eine Weiterentwicklung, die zwar Neues brachte, das sich aber auf eine „alte Tradition“ berufen konnte. So hatte er 1975 eine neue Herbergsuche gestaltet, bei der Maria alleine auf der Suche nach Herberge war, wie dies in alten Siezenheimer Aufführungen dargestellt worden war. Auch beim Hirtenspiel griff er auf eine ältere Fassung zurück. Von Gastspielen in Wien oder Linz hielt er nicht viel. Allerdings wurde ein unter dem Titel „Salzburger Advent“ eigens zusammengestelltes Programm – bereichert um Adventbräuche rund um Salzburg und Wien und bereichert um Mitwirkende wie dem Wiener Jeunesse-Chor – im Wiener Konzerthaussaal aufgeführt. Die Kritiker waren begeistert. Weniger angetan war man vom Interpreten der Waggerl-Texte, Walter Reyer, und von einem Ensemble in Schrammel-Besetzung, das nicht besonders gut ins Programm und zu den übrigen Mitwirkenden passte.[1059]

Auch das Publikum in Salzburg blieb Tobias Reiser treu: Für das Salzburger Adventsingen 1978 wurden beispielsweise 90.000 Karten vorbestellt, somit mussten 60.000 Kartenbestellungen abgewiesen werden.[1060] Schon 1976 wurde das Adventsingen im ORF übertragen.[1061]

Nach vier Jahren übernahm Tobias Reiser selbst die Rolle des Lektors am Pult, wie es sich schon Karl Heinrich Waggerl selbst gewünscht hatte.[1062] Besonders Waggerl-Texte wurden von ihm auf sehr eindringliche und besondere Art und Weise interpretiert. 1979 stieß Siegwulf Turek[1063] zum Kreis der Mitwirkenden. Die Gestaltung des Bühnenraumes und der Lichtregie wurde von diesem Zeitpunkt an seine Aufgabe. Die Zusammenarbeit mit Wilhelm Keller wurde von Tobias Reiser intensiviert.

In den folgenden Jahren wuchs in Tobias Reiser der Wunsch nach einer engeren Verknüpfung von Musik und szenischer Darstellung. Die historischen Szenen, insbesondere die Herbergsuche, sollten mit Gegenwartsbezügen angereichert werden. 1980 wurde das Adventgeschehen erstmals zu einem Oratorium zusammengefasst, bei dem zwar einige traditionelle Szenen und Lieder aufgegeben werden mussten, grundsätzlich aber so trefflich in das Gesamtgeschehen eingefügt wurden, dass ein harmonisches Ganzes entstand, das der Zeit besser entsprach als das gemeinschaftliche Musizieren der früheren Tage.[1064] Tobias Reiser setzte vor allem das Dunkle, das die Menschen bedroht, stärker in Szene.

Zu ernst und kritisch geriet für die Zuschauer insbesondere das Adventsingen 1982. „Das Salzburger Adventsingen 1982 hinterlässt ein irritiertes Publikum“,[1065] übertitelte die Salzburger Volkszeitung ihre Kritik. Das Volkslied trat gegenüber der künstlerischen Komposition zurück, die jahreszeitlich bedingten Bräuche verloren sich in diesem Jahr („Besinnlichkeit wird hier zum Spektakel“[1066]). Eine immer größer werdende Anzahl an altgedienten „Adventsing-Besuchern“ vermisse das „alte“ Adventsingen, das „einst so stimmungsvolle Singen und Spielen“.[1067] „Allein, wer die Leserbriefe zu diesem Thema verfolgt, sieht, daß die Zustimmung im Publikum nicht einhellig war“,[1068] so ein Zeitungsartikel von 1982. Nach 28 Jahren beim Adventsingen verließen in diesem Jahr die Riederinger Sänger den Kreis der Mitwirkenden.

Im Jahr 1983 inszenierte Reiser das Oratorium „A Liacht is aufkemma“, das mit neuen Liedern von Tobias Reiser und einer Handlungsstruktur, die ebenfalls seiner Feder entstammte, aufwarten konnte. Neu hinzu kamen Vokal- und Instrumentalgruppen wie das Hofhaimer Consort unter Rainer Straub, das Flötenensemble Jutta Oberrauch, die Brüder Walchschmied und die Weildorfer Sängerinnen.[1069] Dieses Oratorium wurde drei Jahre hintereinander mit kleineren Verbesserungen aufgeführt. „Abgleiten wurde verhindert, die ‚Show‘ zeigt wieder echtes, unverfälschtes Brauchtum“,[1070] so der „Kurier“. Das „neue“ Adventsingen war nun allgemein, bei Presse und Publikum, anerkannt worden. Das nächste Oratorium, „Sonst bliebe es ein Traum“, mit Liedern von Tobias Reiser d. Ä. und d. J., fand hauptsächlich positive Aufnahme. Die Libretti wurden von Klemens Vereno[1071] vertont.

1984 wurde der Verein „Freunde des Salzburger Adventsingens“ gegründet. Ziel ist die Förderung von Musikanten, Laienspielern, Amateur-Theaterschauspielern und insbesondere von volksmusikalischem Nachwuchs.[1072] Weiters sollen Arbeiten unterstützt werden, die der Erforschung und der Verbreitung des heimischen Volkskulturgutes dienen. 1991 wurde der Tobi-Reiser-Preis als Anerkennung für volkskulturelle Sonderleistungen gestiftet. Dieser wird jährlich am Geburtstag von Tobi Reiser d. Ä. im Kaisersaal der Salzburger Residenz vergeben. Der Verein hat heute bereits um die 1.000 Mitglieder. Sie haben die besondere Vergünstigung, bei Kartenbestellungen vorgezogen zu werden, Subskriptionspreise bei Büchern und Tonträgern zu bekommen und an „Adventsingen-Matineen“, einer 1992 gegründeten Veranstaltungsreihe, teilnehmen zu dürfen. Die Schriftenreihe „Freunde des Salzburger Adventsingens“ informiert über das Vereinsleben.

Die Jahre 1992 und 1993 brachten „Altbewährtes und Vertrautes“ in der Tradition des Adventsingens von Tobi Reiser d. Ä. An das Mitwirken Karl Heinrich Waggerls sollte insbesondere das Salzburger Adventsingen 1993 erinnern, da sich in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal der Todestag Waggerls jährte. Dennoch wurde nicht der Eindruck eines „Rückfalls“ in die „gute alte Zeit“ erweckt, die Professionalität der Mitwirkenden und die Neuarrangierung durch Tobias Reiser d. J. ließen einen positiven Eindruck bei Kritikern und Publikum zurück.[1073] Mit der Neuaufnahme von „A Liacht is aufkemma“ 1994 und „Sonst bliebe es ein Traum“ 1995 bekräftigte Tobias Reiser die Entwicklung des Adventsingens vom gemeinschaftlichen Singen und Musizieren zum szenischen Oratorium.[1074]

Zum 50-Jahr-Jubiläum 1996 bot Tobias Reiser seinem Publikum keine leicht verdauliche Kost: „Es ward der Engel Gabriel“ hieß sein neues Oratorium, dessen Handlung sich auf mehreren Ebenen abspielt. Parallel zur Geschichte um Maria und Josef wurden mit den Auftritten von Schulammith und ihrem Geliebten Szenen aus dem Hohelied Salomos dargestellt.

Musikalisch verpflichtete Tobias Reiser 1996 hochkarätige Salzburger Ensembles wie Juvavum Brass oder das Ensemble Il Dolcimelo, die bis heute das Adventsingen mittragen. Der Salzburger Volksliedchor wurde durch das Collegium Musicum verstärkt, da die diffizilen Kompositionen eine professionelle Interpretation verlangten. Als Komponisten konnte er wiederum Wilhelm Keller gewinnen. Für die Texte und die Inszenierung zeichnete Charly Rabanser[1075] verantwortlich, der auch die Rolle des Josef übernahm. Auch 1997 und 1998 wurde dieses Oratorium in leicht modifizierter Form geboten.

1999 fand die letzte Arbeit Tobias Reisers, „Da hat vorm Stall da Äpfibam bliaht“, mediale Anerkennung, bevor er kurz vor Weihnachten unerwartet verstarb. Als neue Verantwortliche standen nun Hans Köhl[1076] als Obmann und Stefan Sperr[1077] als Obmannstellvertreter an der Spitze, die schon seit dem Jahre 1989 gemeinsam mit Tobias Reiser sowohl das Heimatwerk als auch das Adventsingen leiteten. Bei ihnen liegt heute die Hauptverantwortung sowie die organisatorische und wirtschaftliche Kompetenz für Heimatwerk und Adventsingen. Im Jahr 2000 entschieden sich die Veranstalter für eine Teamlösung in der künstlerischen Umsetzung.[1078] Das letzte Werk Tobias Reisers wurde in einer überarbeiteten Form nochmals aufgeführt.

4.15.2.5. Ausblick: Das Adventsingen unter neuer Leitung (2000 und 2001) und Möglichkeiten der Weiterentwicklung[1079]

Großes Interesse hatten die Medien nach dem Adventsingen 1999 an der Frage: „Wie wird es weitergehen?“. Nach dem Tod von Tobias Reiser d. J. war die Verunsicherung beim Publikum groß, die Kartenvorbestellungen für das Adventsingen 2000 liefen zu Jahresbeginn nur mäßig an, da viele Besucher, insbesondere aber Reiseveranstalter, die große Kontingente buchten, nicht einschätzen konnten, ob es die Veranstaltung in Zukunft noch geben würde. Tobias Reiser war eben doch der Inbegriff des Salzburger Adventsingens gewesen. Aufgrund der Pressemeldungen, dass das Adventsingen 2000 doch stattfinden würde, wurde der Kartenverkauf im Laufe des Jahres wieder ausgeglichen.

Die von der Presse mit Spannung erwartete Neuauflage des Oratoriums „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“ wurde mit gestraffter Handlung und einigen szenischen Umstellungen auf die Bühne gebracht. Die Überarbeitung, die in den Grundzügen noch mit Tobias Reiser abgesprochen war, gelang bestens und wurde in der Presse sehr gelobt.[1080] „Dem Reiser-Erbe würdig erwiesen“, titelte beispielsweise Willi Sauberer von der „Salzburger Volkszeitung“ am 2. Dezember 2000. In jeder Hinsicht seien die Verbesserungen gelungen. Besonders überzeugte die Lichtregie von Siegwulf Turek. Auch die Kantaten von Shane Woodborne,[1081] die sich perfekt in den Ablauf einfügten, wurden hochgelobt.

Gerüchte um eine Uneinigkeit in der Führungsspitze wurden nach dem Adventsingen 2000 laut, besonders als Siegwulf Turek aufgrund von Kontroversen mit dem neuen Gesamtleiter Hans Köhl nach 22 Jahren seine weitere Mitarbeit beim Adventsingen aufkündigte. An seiner Stelle wurde Dietmar Solt als neuer Bühnenbildner verpflichtet. Der Kartenvorverkauf lief aber dennoch sehr gut, die Ankündigung eines „neuen“ Adventsingens unter neuer Leitung war akzeptiert worden.

Das Adventsingen 2001 wurde zur Nagelprobe für die neuen Verantwortlichen, das Führungsteam um Hans Köhl. Bei der Ausarbeitung der Szenen griff man zurück auf das Jahr 1980, da Tobias Reiser selbst noch kurz vor seinem Tod den Wunsch geäußert hatte, dieses Adventsingen neu zu überarbeiten.[1082] Der Titel lautete: „Siehe, ich bin des Herrn Magd“. Maria sollte als zentrale Figur der Weihnachtsgeschichte auch im szenischen Ablauf in den Mittelpunkt gestellt werden. Ihre Interaktion mit der Umwelt, insbesondere die Verbindung der jungen Frau mit dem älteren Josef, wurde auf einer zweiten Ebene durch das positive Aufeinander-Zugehen von Alt und Jung – dargestellt durch das Verhältnis eines jungen zu einem alten Hirten – gespiegelt.[1083] Das Schauspiel erhielt einen stärkeren Schwerpunkt, den Veranstaltern lag besonders daran, eine Ausgewogenheit zwischen szenischer Darstellung und Musik zu erreichen. Die zentrale Funktion der musikalischen Darbietungen rückte damit in Vergleich zum Adventsingen der früheren Jahre in den Hintergrund.

Beim Publikum kam diese Form des Adventsingens sehr gut an, auch die Kritiken in den Zeitungen waren durchwegs positiv.[1084] Die erste Neuinszenierung nach dem Tod Tobias Reisers wurde mit Interesse erwartet. „Tradition und Kontinuität“ im Ablauf wurden ebenso festgestellt wie eine „Symbiose aus Volkskultur und Kunst“ (Pinzgauer Nachrichten, 6. 12. 2001). In keinem Zeitungsartikel wurde auf die Hervorhebung der „Hirtabuam“ als „akustischer und visueller Höhepunkt“ vergessen. Besonders gelobt wurde die Darstellung der Maria durch Elisabeth Promegger, deren bisherige musikalische Tätigkeit vor allem im Bereich der Barockmusik lag. Sowohl ihr schauspielerisches Talent als auch ihre ausdrucksstarke Stimme vermochten die Kritiker zu begeistern.

Für das nächste Adventsingen 2002 ist eine überarbeitete Form von „Siehe, ich bin des Herrn Magd“ geplant. Als Ergänzung bzw. Ersatz für Kompositionen von Wilhelm Keller sollen von Shane Woodborne neue kompositorische Aspekte eingebracht werden. Der Aufbau des Adventsingens mit der Aufwertung des Schauspiels soll beibehalten werden, da er sich als zeitgemäße Form erwiesen hat.

4.15.2.6. Das Salzburger Adventsingen als „Wirtschaftsfaktor“

Wie jede andere Kulturveranstaltung war und ist das Salzburger Adventsingen auch interessant für die Wirtschaft der Stadt Salzburg, da durch die Besucher auch Ausgaben im Handels- und Dienstleistungssektor mitgetätigt werden. Bei einer Befragung von Gastronomie- und Handelsbetrieben im Advent 1991 bezeichnete mehr als die Hälfte aller Gastronomiebetriebe das Adventsingen als sehr wichtig.[1085]

Schon 1983 und 1991 wurden im Auftrag des Salzburger Heimatwerks durch das Institut für Grundlagenforschung Besucherbefragungen beim Salzburger Adventsingen durchgeführt. Die Besucherstruktur wurde nach soziodemografischen Daten wie Herkunft, Alter und Beruf der angereisten Besucher, Art und Dauer ihres Aufenthalts und der Art ihrer Ausgaben im Rahmen ihres Aufenthalts beim Adventsingen erhoben.

Im Jahr 2001 wurde am Institut für Kultursoziologie eine Dissertation mit dem Titel „Ökonomische und wirtschaftliche Auswirkungen des Kulturtourismus am Beispiel des Salzburger Adventsingens“ von Manfred Grill eingereicht, der sich ebenfalls mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Salzburger Adventsingens auf die Stadt Salzburg auseinandergesetzt hat. Untersucht wurde in der vom Salzburger Heimatwerk unterstützten Studie das Adventsingen 2000.

Manfred Grills Methode unterscheidet sich von den vorangegangenen Besucherbefragungen dahingehend, dass nun nicht direkt vor und nach den Veranstaltungen Interviews durchgeführt, sondern lediglich Fragebögen mit Rückantwortkuverts durch die Billeteure an die Besucher ausgegeben wurden. Auf diese Weise wurden 5.342 Fragebögen unter den Besuchern verteilt und somit wesentlich mehr Menschen erreicht als durch direkte Befragung.[1086]

Die Rücklaufquote betrug 21,85 % (1.167 Stück),[1087] wobei bei dieser Methode allerdings im Dunkeln bleibt, ob nicht eine Besuchergruppe (wie z. B. Pensionisten) vielleicht eher als eine andere Gruppe (wie z. B. Berufstätige) bereit war, die Fragebögen zu Hause auszufüllen und zurückzuschicken.

Einige signifikante Ergebnisse der Studie sollen hier zusammengefasst werden:

Nur etwa 15 % der Besucher des Adventsingens 2000 kamen aus Stadt oder Land Salzburg, während der größte Besucheranteil mit über 50 % aus Deutschland kam.[1088] Letzteres wurde auch schon 1983 und 1991 festgestellt. Der Anteil der Einheimischen aus Stadt und Land Salzburg ist allerdings seit 1983 kontinuierlich gesunken.[1089]

Über 50 % der Besucher sind Pensionisten, der Anteil der älteren Besucher ist im Laufe der Jahre wesentlich angestiegen.[1090] Der Anteil der weiblichen Besucher ist seit jeher höher als der der männlichen.[1091] Etwa 52,7 % der Besucher waren im Advent 2000 zum ersten Mal Zuhörer beim Salzburger Adventsingen.[1092] Der Anteil des Stammpublikums war relativ hoch.

Interessant war besonders die Frage, ob auch andere Veranstaltungen in Salzburg besucht wurden und inwieweit im Zuge dessen auch Geld ausgegeben wurde. Über 43 % der Besucher blieben im Rahmen des Adventsingens einen oder mehrere Tage in Salzburg und nächtigten infolgedessen auch in der Stadt.[1093] Geld wurde besonders für Essen und Geschenke von fast 93 % der Befragten ausgegeben.[1094] Über 50 % der Befragten hatten vorher den „Salzburger Christkindlmarkt“ besucht.[1095]

Die Befragten hatten Gelegenheit, ihre Meinung zum Salzburger Adventsingen sowie auch Kritik zu äußern. Der Gesamteindruck war bei allen sehr positiv, besonders zufrieden zeigte man sich über Organisation, Beginnzeiten und die musikalischen Darbietungen, zufrieden war man mit den Kartenpreisen und weniger zufrieden mit den Werbeinformationen über die Veranstaltung.[1096] Auch 1983 haben über 75 % der Befragten die Veranstaltung mit „sehr gut“ bewertet, am kritischsten urteilten die Stadt-Salzburger.[1097] Auch „Wiederholungsbesucher“ urteilten kritischer als Erstbesucher.

Im Vergleich zu den Studien von 1983 und 1991 fiel besonders auf, dass der Anteil der Reisegruppen aus Deutschland stark zugenommen hat. Während 1991 nur 16 % der deutschen Besucher in einer Reisegruppe nach Salzburg kamen, waren es 2000 schon über 63 %![1098] Da solche Reisegruppen oft nur speziell wegen des Adventsingens anreisen und unmittelbar nach der Veranstaltung die Stadt wieder verlassen, hat diese Entwicklung sicherlich nachteilige Auswirkungen auf die Nächtigungszahlen in der Stadt.[1099]

4.15.2.7. Anhang: Biografien

Karl Heinrich Waggerl

Geb. 1897, Badgastein. Als Sohn eines Zimmermanns bäuerlicher Herkunft stammte Waggerl aus einfachen Verhältnissen. Er besuchte das Lehrerseminar in Salzburg und war kurze Zeit als Lehrer tätig. Ab 1920 arbeitete er als freier Schriftsteller, Zeichner und Kunsthandwerker in Wagrain. Die Themen seiner Erzählungen, Romane und Gedichte stammen vorrangig aus dem Dorf- und Bauernmilieu, also aus dem eigenen Herkunftsbereich. Geschildert werden Mühsal und alltägliches Geschehen, wobei die harmonisierende Darstellung durch humorvolle und lebensnahe Schilderung vor einem Abgleiten ins allzu Idealisierende bewahrt bleibt. Die autobiografischen Züge und der Hang zur Besinnlichkeit verstärkten sich nach dem Zweiten Weltkrieg. 1952 konnte ihn Tobi Reiser als Mitwirkenden für das Salzburger Adventsingen gewinnen, an dem er bis 1971 als Lektor mitwirkte. Waggerl starb am 4. November 1973 in Wagrain.

Sepp Wimmer

Geb. 1917, Thomasroit. Beruflich war er in Salzburg in der Sparkasse am Alten Markt tätig. Im Jahr 1954 trat er als Zitherspieler in das Tobi-Reiser-Quintett ein, das er im Jahr 1981 verließ. Er starb im März 2000.

Wilhelm Keller

Geb. 1920, Wels. Studium an der Musikhochschule Mozarteum, anschließend Lehrer für Tonsatz und Liedkorrepetition. Nach 12 Jahren Lehrtätigkeit in Deutschland kehrte er 1962, auf Ruf von Carl Orff, nach Salzburg zurück und wirkte hier am Aufbau des Orff-Institutes mit. Ab 1964 war er als Komponist für das Salzburger Adventsingen tätig und schrieb insgesamt 10 Kantaten.

Klemens Vereno

Geb. 1957, Salzburg. Studium Komposition, Gesang und Dirigieren an der Musikhochschule Mozarteum, besonders bei Prof. Cesar Bresgen und Prof. Kurt Prestel, durch die er seinen Zugang zur sakralen Volksmusik fand. Seit 1978 ist er als Dozent für Partiturspiel, Generalbass und Instrumentation tätig. Von 1983 bis 1987 war Vereno Dirigent an der Salzburger Kammeroper. Zum Salzburger Adventsingen stieß er als Nachfolger von Kurt Prestel, nach dessen Tod 1988 er bis 1993 hier tätig war. Für den Volksliedchor schrieb er berührende Kantaten, die den Sängern auch technisch einiges abverlangen.

Kurt Prestel

Geb. 1915, Augsburg. Studium u. a. Klavier und Dirigieren an Musikhochschulen in München, Nürnberg und den USA. Nach Salzburg kam er durch seinen Freund Carl Orff. Hier wurde er Leiter der Abteilung für Musiktheorie und Komposition am Mozarteum. Bis zu seinem Tod 1988 war er für das Salzburger Adventsingen tätig, indem er zunächst dem Volksliedsingkreis Landa Ruprecht und später auch dem Salzburger Volksliedchor beim Einstudieren der Kantaten und Chorwerke behilflich war.

Sepp Dengg

Geb. 1910, Sohn von Otto Dengg, Sammler und Herausgeber von Volksliedern. 1931 Matura am Humanistischen Gymnasium in Salzburg; 1931 bis 1935 Studium der Philosophie in Innsbruck, Abbruch wegen Mittellosigkeit. 1932 bis 1935 Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck. Nach dem Zweiten Weltkrieg Lehrer an der Volksschule St. Andrä in Salzburg. Sepp Dengg gründete 1950 den Salzburger Volksliedchor, den er bis 1968 leitete.

Harald Dengg

Geb. 1940, Mauterndorf. Erstmals 1950 als „Hirtabua“ beim Adventsingen. Er wurde Hauptschullehrer in Saalfelden und setzte dort zahlreiche volkskulturelle Akzente wie die Gestaltung des „Pinzgauer Adventsingens“. 1968 übersiedelte er nach Salzburg und übernahm die Leitung des Salzburger Volksliedchores, die er 2001 an seine Tochter Burgi Vötterl abtrat. Von 1975 bis 2000 war er Leiter des Referats Volkskultur bei der Salzburger Landesregierung.

Siegwulf Turek

Geb. 1950, Salzburg. Studium an der Musikhochschule Mozarteum bei Prof. Galleé in der Klasse für Bühnenbild und Kostüm nach einer Ausbildung zum Technischen Zeichner. Er beendete sein Studium 1975 mit dem Diplom und arbeitete danach als Assistent von Prof. Günther Schneider-Siemssen. Als Bühnenbildner, Licht-, Projektions- und Kostümdesigner war er in zahlreichen Opernhäusern im In- und Ausland sowie für Spielfilmproduktionen, TV- und Bühnenshows tätig. Von 1979 bis 2000 war Siegwulf Turek für das Bühnenbild, Lichtdesign sowie für die Kostüme des Salzburger Adventsingens verantwortlich. Seit 1984 arbeitet er auch als Regisseur an Opernhäusern im In- und Ausland. 1989 wurde er Lektor und 1994 Professor für Bühnenbild, Lichtdesign und Projektion an der Universität von Tampere in Finnland.

Hellmut Hölzl

Geb. 1952, Rauris. Schneiderlehre, danach Tätigkeit in der Schneiderei der Festspiele bei Prof. Gstrein. Seit 1983 ist er für die Kostüme beim Salzburger Adventsingen verantwortlich. Er arbeitete eng mit Siegwulf Turek zusammen, dessen spezielle Entwürfe er in die Wirklichkeit umsetzte. 1990 wurde er Leiter der Herrenschneiderei bei den Festspielen.

Charly Rabanser

Geb. 1954, Bad Gastein. War in Neukirchen am Großvenediger als Lehrer tätig. Dort gründete er die Theatergruppe „m2 kulturexpress“, die 1987 von Tobias Reiser für das Salzburger Adventsingen entdeckt wurde und die er heute hauptberuflich leitet. Die Darstellung der „Finsteren Mächte“ liegt heute bei dieser Theatergruppe. Rabanser selbst wirkt in verschiedenen Rollen (Josef, Wirt) als Schauspieler beim Adventsingen mit. 1992 initiierte er das Neukirchner Adventspiel.

Shane Woodborne

Geb. 1963, Kapstadt. Mit 21 Jahren kam er, ohne dass er ein Wort Deutsch sprechen konnte, nach Salzburg, um am Mozarteum das Cello-Studium fortzusetzen. Heute ist er Orchestermitglied der Camerata Academica. Zum Salzburger Adventsingen fand Woodborne durch Sepp Radauer. Dort sprang er 1992 für Florian Keller als Organist ein und spielte 2001 bereits zum zehnten Mal am Orgelportativ. Obwohl sich Shane Woodborne in erster Linie als Musiker versteht, nahm er das Angebot von Tobias Reiser, die Kompositionen für das szenische Oratorium „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“ zu schreiben, an. Für Woodborne, der bereits eine Reihe von Auftragswerken verfasste, ist dies die bisher größte Aufgabe. Bei seiner Arbeit ließ er sich durch die alten Adventlieder inspirieren.

Sepp Radauer

Geb. 1963, Salzburg. Seit früher Kindheit ist er mit dem Salzburger Adventsingen verbunden. Schon als sechsjähriger „Hiatabua“ strich er als Lippei die Saiten der Bassgeige. Seit 1981 spielt Radauer, der das Musikstudium am Mozarteum absolvierte, Kontrabass im Ensemble Tobias Reiser, schrieb diverse Arrangements und wurde zu Reisers musikalischem Berater. Seit dessen Tod fungiert er als musikalischer Leiter. Der vielseitige Musiker ist auch Orchestermitglied der Camerata Academica und Kapellmeister der Trachtenmusikkapelle Aigen. Auf der Suche nach in Vergessenheit geratenen Weihnachts- und Adventliedern für das szenische Oratorium „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“ durchforstete er mit seinem Freund Shane Woodborne lose Notenblätter und Liederbücher und stieß dabei auf ungeahnte Schätze, unter anderem aus dem Archiv des Stiftes Nonnberg. Dass diese Lieder durch das Salzburger Adventsingen wieder den Weg zurück ins Volk finden, ist Radauers Wunschvorstellung.

Hans Köhl

Geb. 1956, Haus im Ennstal. Kaufmännische und gastgewerbliche Ausbildung. Bereits in Jugendjahren großes Interesse an verschiedenen Bereichen der Volkskultur. 1989 Nominierung als Vorstand und Geschäftsführer des Salzburger Heimatwerks. Das breite volkskulturelle Betätigungsfeld dieser Salzburger Kulturinstitution (Salzburger Adventsingen, Tracht, Gestaltendes Handwerk, Musik, Brauch) wird zum zentralen Lebensinhalt des Steirers in Salzburg. Hans Köhl ist seit 2000 Obmann und geschäftsführender Vorstand des Salzburger Heimatwerks und hauptverantwortlich für das Salzburger Adventsingen. Volkskultur in ihren vielfältigen Ausprägungen wurde ihm zu einem wichtigen Lebensinhalt. Diese ideellen Grundzüge und eine fundierte kaufmännische Ausbildung ergaben die Basis für sein Wirken bei Heimatwerk und Adventsingen.

Stefan Sperr

Geb. 1963, Salzburg. Absolvierte die Handelsakademie und ist seit 1983 für das Finanz- und Rechnungswesen des Salzburger Heimatwerks zuständig. 1989 Nominierung als Vorstand und Leiter des Rechnungswesens. Stefan Sperr ist seit 2000 Obmann-Stellvertreter und geschäftsführender Vorstand des Salzburger Heimatwerks. Er ist für die administrativen Bereiche des Salzburger Adventsingens verantwortlich.

Literaturverzeichnis

[DeutschW 1997] Deutsch, Walter: Tobi Reiser. 1907–1974. Eine Dokumentation. Wien 1997.

[Fuchs-Heinritz 1994] Fuchs-Heinritz, Werner [u. a.] (Hg.): Lexikon zur Soziologie. 3. Aufl. Opladen 1994.

[Grill 2002] Grill, Manfred: Ökonomische Auswirkungen des Kulturtourismus am Beispiel des Salzburger Adventsingens. Eine empirische Studie zur Erfassung demographischer Parameter, Einflußfaktoren und Strukturen der Besucher, sowie der Umwegrentabilität auf dem Kultursektor. Diss. Salzburg 2002.

[IFG 1984] Institut für Grundlagenforschung (IFG): Besucher- und Unternehmensbefragung zum Salzburger Adventsingen. Salzburg 1984.

[IFG 1992] Institut für Grundlagenforschung (IFG): Besucher- und Unternehmensbefragung zum Salzburger Adventsingen. Salzburg 1992.

[Karner 1997] Karner, Claudia: „Ein wunderbares Miteinander“. Der Verein „Freunde des Salzburger Adventsingens stellt sich vor“. Reiser, Tobias: Salzburger Adventsingen. Salzburg [u. a.] 1997, S. 121–130.

[Köhl 1996] Köhl, Hans: Heimatwerk im Wandel. In: Haas, Walburga (Hg.): Volkskunde und Brauchtumspflege im Nationalsozialismus in Salzburg. Referate, Diskussionen, Archivmaterial. Bericht zur Tagung am 18. und 19. November 1994 in der Salzburger Residenz. Salzburg 1996 (Salzburger Beiträge zur Volkskunde 8), S. 193–199.

[Krisch 1997] Krisch, Laurenz: Der Bad Gasteiner Karl Heinrich Waggerl. In: Salzburg Archiv 23 (1997), S. 155–172.

[LippF 1974] Lipp, Franz: Tobi Reiser und das Salzburger Heimatwerk. In: Dengg, Harald [u. a.] (Red.): Tobi Reiser. Ein Leben für die Volksmusik. Salzburg 1974, S. 25–28.

[Mein Freund Heiner 1984] „Mein Freund Heiner“. Aus den Aufzeichnungen von Tobi Reiser d. Ä. In: Reiser, Tobias; Vössing, Kurt (Hg.): Das Salzburger Adventsingen. Salzburg [u. a.] 1984, S. 28–29.

[Reiser 1984] Reiser, Tobias: Auf der Suche nach dem Stern. Vom schlichten Musizieren zum szenischen Oratorium. In: Reiser, Tobias; Vössing, Kurt (Hg.): Das Salzburger Adventsingen. Salzburg [u. a.] 1984, S. 31–59.

[Reiser 1996] Reiser, Tobias: Es ward der Engel Gabriel. Szenisches Oratorium unter Verwendung von Bibeltexten ... in Verbindung mit alpenländischem Musik- und Liedgut. Salzburger Adventsingen 1996. Salzburg 1996.

[Reiser 1997] Reiser, Tobias: Salzburger Adventsingen. Salzburg [u. a.] 1997.

[Sager 1966] Sager, Helmut: Salzburger Adventsingen. Eine Bildfolge. Freiburg im Breisgau 1966.

[Schickhaus 2001] Schickhaus, Karl-Heinz: Das Hackbrett. Geschichte & Geschichten. 2 Bde. St. Oswald 2001–2002.

[Strobl 1984] Strobl, Bernhard: Die „Ehemaligen“ des Tobi-Reiser-Quintetts. In: Reiser, Tobias; Vössing, Kurt (Hg.): Das Salzburger Adventsingen. Salzburg [u. a.] 1984, S. 171–179.



[982] Kurzfassung von Melanie Wiener-Lanterdinger und Josef Wimmer.

[983] Vgl. [DeutschW 1997], S. 116, Anm. 6.

[984] Pressespiegel 2001, zusammengestellt von Andrea Anglassinger im Auftrag des Salzburger Heimatwerks.

[985] [Tennengauer Nachrichten] (2001-12-06), S. 8 und S. 9.

[986] Dr. Irmgard Schmidt-Sommer/Stuttgart an Hans Köhl (23. 12. 2001).

[987] Dr. Karl Müller/Salzburg an Hans Köhl (30. 11. 2001).

[988] Aussage von Charly Rabanser, zit. nach: [Salzburger Nachrichten] (2001-11-29), S. 12.

[989] [Salzburger Nachrichten] (2001-12-01), S. 15.

[990] Vgl. [Reiser/Vössing 1984], S. 188–199. – [Reiser 1997], S. 115–120.

[992] Geb. 1917, Thomasroit. Beruflich war er in Salzburg in der Sparkasse am Alten Markt tätig. Im Jahr 1954 trat er als Zitherspieler in das Tobi-Reiser-Ensemble ein, das er im Jahr 1981 verließ. Er starb im März 2000.

[993] An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an Pepi Wimmer jun., der mir die Ordner seines Vaters Sepp Wimmer nicht nur zur Verfügung gestellt hat, sondern mir auch während der Arbeit an diesem Artikel jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand.

[994] Vgl. [DeutschW 1997], S. 16 f.

[995] Tobias Reiser erzählt vom Adventsingen in: [Sager 1966], S. 5.

[996] Vgl. [DeutschW 1997], S. 22 f.

[997] Vgl. [DeutschW 1997], S. 27.

[998] Vgl. [DeutschW 1997], S. 180 f.

[999] Vgl. [DeutschW 1997], S. 36.

[1000] Vgl. [DeutschW 1997], S. 40.

[1001] Vgl. [Schickhaus 2001], Bd. 1, S. 59–67.

[1002] Freundlicher Hinweis von Pepi Wimmer, vgl. auch [DeutschW 1997], S. 60.

[1003] Vgl. [DeutschW 1997], S. 107.

[1004] Vgl. [DeutschW 1997], S. 169 f.

[1005] Vgl. [DeutschW 1997], S. 49.

[1006] Vgl. [DeutschW 1997], S. 55.

[1007] Vgl. [DeutschW 1997], S. 90.

[1008] Vgl. [DeutschW 1997], S. 102.

[1009] Vgl. [DeutschW 1997], S. 111.

[1010] Vgl. [DeutschW 1997], S. 115.

[1011] Vgl. [DeutschW 1997], S. 116.

[1013] Heute befindet sich hier das Institut für Gesellschaftswissenschaften der Universität Salzburg.

[1014] Vgl. [DeutschW 1997], S. 142.

[1015] Vgl. [DeutschW 1997], S. 143.

[1017] Vgl. [Köhl 1996], hier S. 196.

[1018] [LippF 1974], hier S. 25.

[1019] [Reiser 1984], hier S. 34.

[1020] [Reiser 1997], S. 17 f.

[1021] Geb. 1910, Sohn von Otto Dengg, Sammler und Herausgeber von Volksliedern. 1931 Matura am Humanistischen Gymnasium in Salzburg; 1931 bis 1935 Studium der Philosophie in Innsbruck, Abbruch wegen Mittellosigkeit. 1932 bis 1935 Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck. Nach dem Zweiten Weltkrieg Lehrer an der Volksschule St. Andrä in Salzburg. Sepp Dengg gründete 1950 den Salzburger Volksliedchor, den er bis 1968 leitete.

[1022] In den Jahren 1962 bis 1964 sang der Salzburger Lehrersingkreis unter der Leitung von Anton Dawidowicz (1910–1993) beim Salzburger Adventsingen. Es folgte der Salzburger Volksliedsingkreis unter Landa Ruprecht.

[1023] Obwohl die „Hauptarbeit“ des Salzburger Volksliedchores beim Adventsingen liegt, werden zusätzlich auch Passions- und Mariensingen in den Wallfahrtskirchen Großgmain sowie Maria Plain aufgeführt. Bei den Pfingstfestspielen 2001 trat der Chor im Rahmen der Aufführung des szenischen Oratoriums „Salzburg im Jahr des Herrn“ von Tobias Reiser auf.

[1024] Geb. 1940, Mauterndorf. Erstmals 1950 als „Hirtabua“ beim Adventsingen. Er wurde Hauptschullehrer in Saalfelden und setzte dort zahlreiche volkskulturelle Akzente wie die Gestaltung des „Pinzgauer Adventsingens“. 1968 übersiedelte er nach Salzburg und übernahm die Leitung des Salzburger Volksliedchores, die er 2001 an seine Tochter Burgi Vötterl abtrat. Von 1975 bis 2000 war er Leiter des Referats Volkskultur bei der Salzburger Landesregierung.

[1025] Geb. 1915, Augsburg. Studium u. a. Klavier und Dirigieren an Musikhochschulen in München, Nürnberg und den USA. Nach Salzburg kam er durch seinen Freund Carl Orff. Hier wurde er Leiter der Abteilung für Musiktheorie und Komposition am Mozarteum. Bis zu seinem Tod 1988 war er für das Salzburger Adventsingen tätig, indem er zunächst dem Volksliedsingkreis Landa Ruprecht und später auch dem Salzburger Volksliedchor beim Einstudieren der Kantaten und Chorwerke behilflich war.

[1028] Die Ausbildung der Hirtenbuben und -mädchen läuft heute in zwei getrennten Gruppen ab: eine Innergebirg (Leitung Kaspar Fischbacher) und eine Außergebirg (Leitung Rupert Pföss). Etwa 20 Kinder zwischen fünf und elf Jahren haben jährlich die Chance, eine musikalische und sängerische Ausbildung zu bekommen. Die schauspielerische Leitung liegt heute bei Charly Rabanser. Geprobt wird das ganze Jahr über, wobei es jeweils Anfang September einige „Intensivtage“ gibt, an denen gemeinsam gearbeitet wird.

[1030] Geb. 1897, Badgastein. Als Sohn eines Zimmermanns bäuerlicher Herkunft stammte Waggerl aus einfachen Verhältnissen. Er besuchte das Lehrerseminar in Salzburg und war kurze Zeit als Lehrer tätig. Ab 1920 arbeitete er als freier Schriftsteller, Zeichner und Kunsthandwerker in Wagrain. Die Themen seiner Erzählungen, Romane und Gedichte stammen vorrangig aus dem Dorf- und Bauernmilieu, also aus dem eigenen Herkunftsbereich. Geschildert werden Mühsal und alltägliches Geschehen, wobei die harmonisierende Darstellung durch humorvolle und lebensnahe Schilderung vor einem Abgleiten ins allzu Idealisierende bewahrt bleibt. Die autobiografischen Züge und der Hang zur Besinnlichkeit verstärkten sich nach dem Zweiten Weltkrieg. 1952 konnte ihn Tobi Reiser als Mitwirkenden für das Salzburger Adventsingen gewinnen, an dem er bis 1971 als Lektor mitwirkte. Waggerl starb am 4. November 1973 in Wagrain.

[1031] Vgl. [Reiser 1984], hier S. 31.

[1032] Vgl. [Reiser 1984], hier S. 34.

[1033] [Strobl 1984], hier S. 171.

[1034] Vgl. [DeutschW 1997], S. 122.

[1035] Vgl. [DeutschW 1997], S. 127.

[1036] Zeitungsartikel aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1037] Brief vom 07. 09. 1960 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1038] Zeitungsartikel aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1039] Zeitungsartikel aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1041] Zeitungsartikel 1961 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1042] Zeitungsartikel 1961 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1043] Zeitungsartikel 20. 11. 1963 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1044] Zeitungsartikel 1963 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1045] Zeitungsartikel 1963 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1046] Geb. 1920, Wels. Studium an der Musikhochschule Mozarteum, anschließend Lehrer für Tonsatz und Liedkorrepetition. Nach 12 Jahren Lehrtätigkeit in Deutschland kehrte er 1962, auf Ruf von Carl Orff, nach Salzburg zurück und wirkte hier am Aufbau des Orff-Institutes mit. Ab 1964 war er als Komponist für das Salzburger Adventsingen tätig und schrieb insgesamt 10 Kantaten.

[1047] Zeitungsartikel 1968 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1048] Zeitungsartikel Max Kaindl-Hönig, [Salzburger Nachrichten], aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1049] Zeitungsartikel 1970 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1050] [Salzburger Volkszeitung] 1967 aus: Ordner Sepp Wimmer. Freundlicher Hinweis von Bernhard Strobl.

[1051] Zeitungsartikel 1965 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1052] Zeitungsartikel 30. 12. 1970 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1053] Zeitungsartikel [Salzburger Nachrichten] (1972-12-02) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1054] [Krisch 1997], hier S. 170.

[1055] Zeitungsartikel [Salzburger Nachrichten] (1974-11-30) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1056] Zeitungsartikel 1975 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1057] Zeitungsartikel [Salzburger Nachrichten] (1975-11-29) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1058] Zeitungsartikel 27. 11. 1976 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1059] Zeitungsartikel 1977 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1060] Zeitungsartikel 1978 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1061] Zeitungsartikel von Edgar Breuss, [Salzburger Nachrichten] (1976-11-2/) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1063] Geb. 1950, Salzburg. Studium an der Musikhochschule Mozarteum bei Prof. Galleé in der Klasse für Bühnenbild und Kostüm nach einer Ausbildung zum Technischen Zeichner. Er beendete sein Studium 1975 mit dem Diplom und arbeitete danach als Assistent von Prof. Günther Schneider-Siemssen. Als Bühnenbildner, Licht-, Projektions- und Kostümdesigner war er in zahlreichen Opernhäusern im In- und Ausland sowie für Spielfilmproduktionen, TV- und Bühnenshows tätig. Von 1979 bis 2000 war Siegwulf Turek für das Bühnenbild, Lichtdesign sowie für die Kostüme des Salzburger Adventsingens verantwortlich. Seit 1984 arbeitet er auch als Regisseur an Opernhäusern im In- und Ausland. 1989 wurde er Lektor und 1994 Professor für Bühnenbild, Lichtdesign und Projektion an der Universität von Tampere in Finnland.

[1065] Zeitungsartikel von Willi Sauberer, [SVZ] 1982 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1066] Zeitungsartikel [Salzburger Tagblatt] (1982-11-29) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1067] Z. B. Leserbrief [Salzburger Nachrichten] (1982-12-21) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1068] Zeitungsartikel 1982 aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1070] Zeitungsartikel [Kurier] (1983-11-27) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1071] Geb. 1957, Salzburg. Studium Komposition, Gesang und Dirigieren an der Musikhochschule Mozarteum, besonders bei Prof. Cesar Bresgen und Prof. Kurt Prestel, durch die er seinen Zugang zur sakralen Volksmusik fand. Seit 1978 ist er als Dozent für Partiturspiel, Generalbass und Instrumentation tätig. Von 1983 bis 1987 war Vereno Dirigent an der Salzburger Kammeroper. Zum Salzburger Adventsingen stieß er als Nachfolger von Kurt Prestel, nach dessen Tod 1988 er bis 1993 hier tätig war. Für den Volksliedchor schrieb er berührende Kantaten, die den Sängern auch technisch einiges abverlangen.

[1072] [Karner 1997], hier S. 121.

[1073] Zeitungsartikel von Karl Heinz Ritschel, [Salzburger Nachrichten] (1992-11-28) aus: Ordner Sepp Wimmer.

[1075] Geb. 1954, Bad Gastein. War in Neukirchen am Großvenediger als Lehrer tätig. Dort gründete er die Theatergruppe „m2 kulturexpress“, die 1987 von Tobias Reiser für das Salzburger Adventsingen entdeckt wurde und die er heute hauptberuflich leitet. Die Darstellung der „Finsteren Mächte“ liegt heute bei dieser Theatergruppe. Rabanser selbst wirkt in verschiedenen Rollen (Josef, Wirt) als Schauspieler beim Adventsingen mit. 1992 initiierte er das Neukirchner Adventspiel.

[1076] Geb. 1956, Haus im Ennstal. Bereits mit sechs Jahren spielte er die kleine Trommel bei der Musikkapelle seines Heimatortes Gröbming. Durch seine außergewöhnliche Kinderstimme wurde ihm eine Ausbildung bei den Wiener Sängerknaben in Aussicht gestellt, die Kosten dafür waren für seine Eltern jedoch nicht verkraftbar. Die kräftigen Jodler und vitalen Volkslieder sind dem naturverbundenen Sänger und Musikanten jedoch bis heute ein großes Anliegen. Gleichzeitig wurde ihm die Beschäftigung mit Volkskultur in ihren vielfältigen Ausprägungen zu einem wichtigen Lebensinhalt. Diese ideellen Grundzüge und eine fundierte kaufmännische Ausbildung ergaben die Basis für sein Wirken bei Heimatwerk und Adventsingen.

[1077] Geb. 1963, Salzburg. Absolvierte die Handelsakademie und ist seit 1983 im Salzburger Heimatwerk für das Finanz- und Rechnungswesen zuständig. Ein weiterer Verantwortungsbereich ist die EDV, die natürlich auch im Kartenbüro des Salzburger Adventsingens im Einsatz ist. Dies bereits seit dem Beginn der langjährigen Zusammenarbeit mit Tobias Reiser, der diese Entwicklungen stets interessiert unterstützte. Die nächste Aufgabe in diesem Bereich wird die Auseinandersetzung mit dem Medium Internet sein.

[1078] Freundlicher Hinweis von Hans Köhl: Die musikalische Leitung übernahm Josef Radauer, die Schauspielregie Charly Rabanser. Für die Kostüme zeichnete Hellmut Hölzl, für das Bühnenbild und die Lichtregie Prof. Siegwulf Turek verantwortlich. Die Gesamtleitung übernahmen Hans Köhl und Stefan Sperr.

[1079] Die Unterlagen für dieses Kapitel stellte mir freundlicherweise Stefan Sperr vom Salzburger Heimatwerk zur Verfügung. Ich danke ihm und besonders Hans Köhl für zahlreiche Hinweise.

[1080] Pressespiegel 2000, zusammengestellt von Andrea Aglassinger im Auftrag des Salzburger Heimatwerks.

[1081] Geb. 1963, Kapstadt. Mit 21 Jahren kam er, ohne dass er ein Wort Deutsch sprechen konnte, nach Salzburg, um am Mozarteum das Cello-Studium fortzusetzen. Heute ist er Orchestermitglied der Camerata Academica. Zum Salzburger Adventsingen fand Woodborne durch Sepp Radauer. Dort sprang er 1992 für Florian Keller als Organist ein und spielte 2001 bereits zum zehnten Mal am Orgelportativ. Obwohl sich Shane Woodborne in erster Linie als Musiker versteht, nahm er das Angebot von Tobias Reiser, die Kompositionen für das szenische Oratorium „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“ zu schreiben, an. Für Woodborne, der bereits eine Reihe von Auftragswerken verfasste, ist dies die bisher größte Aufgabe. Bei seiner Arbeit ließ er sich durch die alten Adventlieder inspirieren.

[1082] Radiointerview mit Charly Rabanser, Treffpunkt Salzburg, 06. 12. 2001.

[1083] Radiointerview mit Charly Rabanser, Treffpunkt Salzburg, 06. 12. 2001.

[1084] Pressespiegel 2001, zusammengestellt von Andrea Aglassinger im Auftrag des Salzburger Heimatwerks.

[1085] [IFG 1992], S. 32.

[1089] 1983 kamen 14 % der Besucher aus der Stadt Salzburg ([IFG 1984], Anhang, Tab. 1), 1991 waren es 7 % ([IFG 1992], Anhang, Tab. 1) und 2000 betrug der Anteil der Stadt-Salzburger nur noch 5,8 % ([Grill 2002], S. 40, Abb. 3).

[1097] [IFG 1992], S. 18.

[1099] Diese beliefen sich allerdings im Jahr 2000 durch das Adventsingen immer noch auf 23.530 Nächtigungen!

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