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7.4. Gespräch mit Erwin Eder

Erwin Eder (Landesobmann der Salzburger Heimatvereinigungen bis 2009) im Gespräch mit Verena Trifich

Welche Rolle haben die Heimatvereinigungen in der tanzfreien Zeit vor Weihnachten? Treten in dieser Periode die Vereinskontakte zugunsten der Familie in den Hintergrund?

Nicht in den Hintergrund. Natürlich tritt die Familie in den Vordergrund. Grundsätzlich ist diese Zeit nicht so sehr die ruhige Zeit, sondern genauso aktiv, aber die Familie steht im Vordergrund.

Welche Bräuche und Traditionen der Weihnachtszeit liegen Ihnen als Landesobmann der Salzburger Heimatvereinigungen besonders am Herzen?

Mir liegt sehr am Herzen, dass wieder Ordnung in das Krampus- und Perchtenbrauchtum hinein kommt, allein von den Zeitfenstern – wann was an welchem Ort wie passieren sollte. Wichtig ist es, zu erklären und zu hinterfragen, was der Sinn hinter diesem Brauch ist. Man muss das Perchten- und das Krampusbrauchtum voneinander trennen, da es zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet. Ganz wichtig sind mir das Herbergsbrauchtum und das Adventsingen. Quantität ist nicht entscheidend, sondern nur die Qualität!

Sie haben persönlich sehr intensiv mit Bräuchen und kulturellen Inhalten zu tun. Wie hat sich das ergeben?

Ich komme von einem Bauernhof. Meine Eltern haben den Jahreskreis immer gelebt, darüber bin ich sehr froh. Brauchleben ist für mich etwas sehr Schönes und die einzelnen Abschnitte, Zeitfenster sind mir sehr wichtig. Der Advent ist eigentlich tanzfreie Zeit, aber heutzutage haben überall Discos offen, auch zu Weihnachten – man kann sich so nicht mehr darauf freuen. Das ganze Jahr über ist Fasching und die ruhige Zeit gibt’s nicht mehr, das geht ab! Advent und Weihnachten sind für mich eigentlich die schönste Jahreszeit.

Verstehen Sie sich eher als Hüter, Bewahrer, Weiterentwickler oder Neubegründer von Bräuchen, oder spielen – je nachdem – alle diese möglichen Zugänge bei Ihnen eine Rolle?

Ich verstehe mich schon eher als Hüter. Man muss mit neuem Brauchtum sehr vorsichtig sein. Es muss in die Zeit passen und hinterfragt werden. Für die Authentizität sind Wurzeln wichtig. Bei Bräuchen geht es darum, etwas weiter zu erzählen. Man muss die „Ware“ so präsentieren, dass sie gut ankommt. Es soll und darf sich was verändern, aber es muss immer noch stimmen.

Wie verbringen Sie persönlich die Weihnachtszeit und Weihnachten?

Angesichts meiner Aufgaben ist für mich die Weihnachtszeit sehr ausgefüllt, der Zeitfaktor spielt immer mit. Für intensive Vorbereitungen habe ich nur in der letzten Woche vor dem Heiligen Abend Zeit. Der 8. Dezember ist mir sehr wichtig. Da gehe ich Herbergsuchen. Ungefähr um den 18. Dezember herum beginnen für mich der Advent und die Weihnachtszeit, die dauert dann bis Neujahr. Da habe ich Zeit für die Familie und Zeit für die Vorbereitung auf Weihnachten. Vorbereitung und Brauch sind immer etwas Schönes, ich darf das nicht als Arbeit betrachten, das wäre falsch. Weihnachten ist für mich eine der schönsten Zeiten: Die Natur hält Winterschlaf, das Licht geht zu Ende. Aber ein neues Licht beginnt und das ist sehr wichtig für den Menschen. Man muss immer wieder ein Licht am Horizont finden. Und das ist in der Weihnachtszeit der Sinn.

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