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4.14. Das Weisenblasen und die Weisenbläser (Willi Sauberer)

Tipp

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4.14.1. Das heutige alpenländische Weisenblasen: Wesen, Wurzeln, Wandel

Das alpenländische Weisenblasen hat zwar eine lange Vorgeschichte, bildete sich in der heutigen Form aber erst in der Mitte der 1970er-Jahre heraus. Ohne seine lebendige Vielfalt und seinen regionalen Variantenreichtum durch eine inflexible Definition einengen zu wollen, kann man das heutige alpenländische Weisenblasen als mehrstimmiges, getragenes Spielen von Volksliedern und Jodlern auf Blechblasinstrumenten in kleinen Gruppen im schlichten Satz des Volksgesanges beschreiben.

Das heutige alpenländische Weisenblasen entwickelte sich völlig absichtslos zu einer eigenständigen Kategorie der Volksmusik, der es seinem Wesen gemäß nähersteht als der traditionellen Blasmusik. In seinem zufälligen Werden liegt der Grund, dass bis zu einer Veröffentlichung in der Publikation „Salzburger Volkskultur“ im Mai 2002 das Quellenmaterial zu diesem Thema dürftig blieb und eine umfassende Darstellung überhaupt fehlte. Im genannten Beitrag (siehe im Langtext) werden vorerst die Wurzeln, dann der so bezeichnete „große Wandel“ in den 1970er-Jahren und schließlich die heutige Praxis des Weisenblasens erfasst, das der Musikschulleiter und Bläser Hans Rindberger als „eine sehr schöne und angenehme Art des Musizierens“ versteht, mit der man seinen Zuhörern eine große Freude bereiten kann.

4.14.2. Der „große Wandel“ des Weisenblasens in den 1970er-Jahren

Der „große Wandel“ des aus vielfältigen Vorformen entstandenen Weisenblasens vollzog sich zwar auf der Grundströmung allgemeiner Entwicklungen, seine Bewusstwerdung wäre aber ohne die hilfreiche Rolle der Medien – zumindest in einem so kurzen Zeitraum – kaum denkbar gewesen. Mit der Bestellung Peter Mosers zum Leiter der Abteilung Volksmusik des ORF-Landesstudios Tirol 1973 begann, ausgehend von seinen Alpbacher Bläsern, den „lupenreinen Vorgängern“ der heutigen Praxis, die Präsenz des Weisenblasens in der Welt der Tonträger.

Der „große Wandel“ in den 1970er-Jahren: Das Weisenblasen, einst nur unter freiem Himmel üblich, erhielt bei nunmehr konkreten Anlässen eine Fülle neuer Aufgaben. Die Weisenbläser wurden im Gegensatz zu früher in den Medien, auf Plakaten und Programmzetteln auch als solche bezeichnet, sie gingen erstmals „unter Dach“, fanden Eingang in Kirchenräume und repräsentative Veranstaltungen und wurden fester Bestandteil volksmusikalischer Zusammenkünfte. Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen akzeptierten das Weisenblasen als neue volksmusikalische Kategorie, und es entstanden immer mehr Gruppen von immer besser ausgebildeten Musikanten, für die erstmals Notenmaterial gedruckt wurde. In ganz Österreich gibt es heute die bis 1986 völlig unbekannte Veranstaltungsform der „Weisenbläsertreffen“.

4.14.3. Die Vorformen des heutigen Weisenblasens und ihre Funktionen

Das heutige alpenländische Weisenblasen wurzelt in zahlreichen Vorformen. Das Blasen auf (Blech-)Blasinstrumenten erfüllte abgekommene und immer noch aufrechte Funktionen.

1. Signalgebung im militärischen und zivilen Bereich: Zapfenstreich, Jagd, Schließen der mittelalterlichen Stadttore, Ankunft von Fremden, Feuer.

2. Verständigungsmittel: bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts im Alm- und Dorfbereich der Gebirgsregionen.

3. Repräsentation weltlicher und geistlicher Obrigkeiten, wobei Höfe und Städte einander zu übertrumpfen suchten.

4. Brauchtum: Mit einem Blasinstrument wurden im alten Rom Hochzeitspaare ins Brautgemach begleitet. Heute wird die Hochzeitsgesellschaft „über die Gass“ gespielt, das junge Paar mit einem Brautlied verabschiedet. Auch bei Begräbnissen wird geblasen.

5. Geselligkeit und Landschaft: Am Sonntag auf der Alm, am Heimweg von der Orchesterprobe – der Konzertsaal der Bläser lag unter freiem Himmel. Das Blasen diente der Geselligkeit. Andreas Feller, „Erfinder“ der Weisenbläsertreffen, blies bei Bergtouren Lieder und Jodler ins Tal.

Verwandte Formen des Weisenblasens – mit teilweise unterschiedlichem Spielgut – sind Jodlerblasen, Arienblasen, Echoblasen, Turmblasen, Adventblasen und Weihnachtsblasen.

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