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11.17. Hans Moser: Die Pumpermetten

11.17.1. Dr. Dr. h. c. Hans Moser 11. 04. 1903–24. 10. 1990 (Ulrike Kammerhofer-Aggermann)

Hans Moser [4169] hat für viele Jahre nicht nur die Bayerische Landesstelle (heute Institut für Volkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften) und das Bayerische Jahrbuch für Volkskunde geprägt, sondern auch entscheidende Impulse für die Fachgeschichte und Methodik der Volkskunde gesetzt. Die Brauchgeschichte wie der Folklorismus gehörten – neben anderen wie etwa Volksschauspiel und Handwerk – zu den Schwerpunkten seiner Arbeit und er zeigte darin auf, dass „die Trennung von gewohnten, aber offenbar allzu pauschalen Vorstellungen vonnöten“ ist. So legte Moser den Grundstein zur „Münchner Schule“ der „historischen Quellenforschung“ bzw. der „Historisch-archivalischen Methode“ in der Volkskunde, in der archivalische, literarische und bildliche Belege zu sozial und zeitlich differenzierten Wahrnehmungen von Erscheinungen führten (Hans Moser ab 1954, Karl-Sigismund Kramer ab 1961, der auch Rechtssatzungen einbezog). Diese bedeutenden Leistungen für die Neupositionierung der Nachkriegsvolkskunde in Deutschland und Österreich wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt.

Hans Moser war es, der die Bedeutung der Arbeiten des aufgeklärten Münchner Akademieprofessors Lorenz Westenrieder (1784–1829) erkannte, in denen erstmals in der Frühgeschichte der Volkskunde zwei zentrale Erörterungszusammenhänge – „Volkscharakter“ und Statistik – in Zusammenhang gebracht wurden. Damit ergab sich der Blick auf das Lebensumfeld.[4170]

Moser wurde 1938 zum wissenschaftlichen Leiter der neu gegründeten Bayerischen Landesstelle für Volkskunde und blieb auch im NS-Regime integer – ohne Parteimitgliedschaft und in „Immunität gegenüber nationalsozialistischer Ideologie und Propaganda.“[4171] Nach der Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft übernahm er daher wieder 1950 die Leitung. Dort begann nun die umfassende Weiterarbeit an der von ihm und Karl Sigismund Kramer seit den frühen 1930er-Jahren aufgebauten archivalischen Quellenkartei.[4172]

Ab 1954 begann die Arbeit der „Münchner Schule“; sie „räumte mit dem mythischen Kram in der Volkskunde [Anm. Kammerhofer: der NS-Zeit] säuberlich auf. Mit strenger Quellenkritik wurde vor allem methodisch den Ursprünglichkeits- und Ewigkeitsvorstellungen der traditionellen Volkskunde der Giftzahn gezogen. Das Volksleben wurde angemessen in Betracht gezogen, das Volkstum zeigte sich nicht mehr als das Gegenüber der Geschichte, sondern als Teil von ihr, ihren Bewegungen untergeordnet und eingefügt. Diese Arbeit hat auf vielen Feldern des Faches Enttäuschung und dadurch entfachte Aggression bedeutet, die Sinnhuberei vieler Dilettanten, die in Bräuchen noch immer die Anfänge wesen [sic!; Anm. Kammerhofer: bezieht sich auf die von den Wurzelsuchern verwendeten „Wesen-“ wie „Wesenheit“-Begriffe, die ein ungeschichtliches, statisches Weiterdauern beschworen] hörten und sahen, wurde empfindliche gestört, als man anfing, nicht mehr in Jahrtausenden, sondern in Jahrzehnten zu rechnen.“ „[...] die Nazis waren es ja vor allem, die jene Pseudo-Volkskultur erfunden, eingesetzt und betrieben hatten, ganz nach ihrem Belieben und politischem Verlangen. Mosers Verdikt über solche Talmikultur war ein wichtiger Anstoß, der das Fach aus seiner Verquickung in kulturpolitische Zusammenhänge löste und eine theoretische Diskussion über die Fragen des Folklorismus ermöglichte, die vielleicht nicht so sehr durch die Ergebnisse als durch ihre Methode von bleibender Bedeutung sein wird.“[4173] Der hier zitierte Grundriss der Volkskunde ist auch allen Laien sehr zu empfehlen, da er eine kurze und spannende Einführung sowohl in die Fachgeschichte wie auch in die heutigen Methoden und Arbeitsbereiche gibt.

Im folgenden Text wird anhand der Pumpermette und des Karwochenratschens die Bedeutung der vergleichenden historischen Quellenforschung für Erkenntnisse der Volkskunde deutlich.

11.17.2. Hans Moser: Die Pumpermetten. Ein Beitrag zur Geschichte der Karwochenbräuche[4174]

Unter dem Titel „Pompa diaboli“ brachte vor nicht langer Zeit Kurt Ranke „Etymologisches und Volkskundliches zur Wortfamilie Pump(er)“.[4175] Es ist das ein Aufsatz, der vor allem vom Methodischen her Beachtung verdient, weil er über die reine Wortforschung hinaus zu den jeweiligen Kulturschichten und soziologisch begrenzten Lebensbereichen der untersuchten Wörter und Begriffe vordringt. Er gelangt so zu einigen gut begründeten neuen Ergebnissen und regt, auch wenn man nicht allen Folgerungen zustimmen will, von der gegebenen Basis aus zu weiteren Überlegungen an.

Dieser Wortfamilie gehören einige Bezeichnungen und Namen zu, deren Herkunft und Zusammengehörigkeitsverhältnis bisher, obwohl Kulturgeschichte und Volkskunde sich schon viel mit ihnen beschäftigt hatten, noch recht unklar geblieben waren. Die Untersuchung geht aus von dem mehrdeutigen Begriff „Pumpernickel“.

Während die früheren Bemühungen um die Frage seiner Entstehung und seiner Bedeutungswandlungen ziemlich allgemein in der jedermann geläufigen Brotbezeichnung die Grundschicht und in den sonstigen Bedeutungen jüngere Ableitungen sahen, kommt Ranke aufgrund des im Laufe der Zeit stark angewachsenen historischen und mundartlichen Wortmaterials zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung umgekehrt verlaufen sein muss. Der Gesamtbestand an Bezeugungen des Wortes ergibt folgende Sinngruppen: A) Brot- oder Kuchengebäck; B) kleine, gedrungene Person;[4176] C) vermutlich verloren gegangenes obszönes Lied; D) Redensart: „den Pumpernickel singen“ für Schläge austeilen; E) Kinderlied. Die Bedeutungen A und E sind weitverbreitet, B ist rein süddeutsch, C und D gehören einem süd- und mitteldeutschen Bereich an. Was das Alter anbelangt, so ist das Wort an sich nicht vor dem 17. Jahrhundert nachzuweisen.

Ranke versucht, hinter der Vielfalt der Bedeutungen eine primäre kulturgeschichtliche Gemeinsamkeit aufzudecken. Da die P.-Bedeutung Schwarzbrot, genauer zunächst Soldaten- oder Bauernbrot, vor 1635 bis 1640 nicht belegt ist, deutet alles darauf hin, dass sie der Soldatensprache des Dreißigjährigen Krieges entstammt. Die wenigen (nur knapp) älteren Wortbelege[4177] aber gehören anderen und nach Ansicht des Verfassers vermutlich urtümlicheren Bedeutungsbereichen an. Da erscheint P. einerseits als der Teufel oder als dessen dämonische oder auch irdische Gefolgschaft, andrerseits als ein liederliches, unzüchtiges Lied, als obszöne Farce, als lasziver Tanz. Ranke vermutet danach einen alten Tanzlaich vor allem asozialer Kreise, aus dem ein personifizierter Pumpernickel wurde, eine komisch-liederliche, unflätige Figur, der Welt der Volksposse nahestehend und so eng verwandt mit dem Hanswurst. Von diesem aus zieht Ranke eine Verbindungslinie zum Spaßmacher der alten Brauchtums- und Volksspiele, der seinerseits auf den durch kirchliche Edikte lange verfolgten histrio, saltator, mimus zurückgeht.

So ergeben sich zwei Gestalttypen: ein dämonischer (Teufel, Hexe, Zauberer) und ein groteskkomischer. Im Aspekt der mittelalterlichen Kirche und ihrer Polemik gegen Teuflisches, Zauberisches, Vegetationskultisch-Obszönes, gegen Maske und Mimus, gehörten beide mit zum Widerchristlichen, Heidnischen, Diabolischen, zum Sammelbegriff der Pompa diaboli. Aus ihm sei ein Pompteufel und in Verbindung mit dem Teufelsnamen Nickel der Pumpernickel entstanden. Wie dann sekundäre Weiterbildungen zu den übrigen Bedeutungsgruppen führten, braucht hier nicht verfolgt zu werden. Kurt Ranke, der eine außerordentliche Fülle von Beweismaterial sehr sorgfältig verarbeitet hat, ist sich bewusst, dass dieser Interpretation noch etwas Konstruiertes anhaften muss.

Die folgenden Ausführungen, die ein weiteres Glied der Wortfamilie Pumper behandeln werden, gehen nicht von der Absicht aus, die geistreichen und auf jeden Fall fesselnden Interpretationen Rankes zu widerlegen (oder auch zu bestätigen). Sie wollen von einer anderen Entwicklungslinie her eine weitere Möglichkeit für die Betrachtung des Gesamtkomplexes zur Diskussion stellen, wobei sich da und dort Berührungspunkte mit Rankes Darstellung ergeben. Diese Entwicklungslinie geht von einem anderen Funktionsbereich, nämlich dem des Brauchtums, und von einer älteren Schicht, der mittelalterlichen, aus. Sie betrifft die Pumpermette, eine aus kirchlichen und volkstümlichen Elementen seltsam gemischte Erscheinung, für die eine nicht geringe Zahl weit verstreuter Einzelzeugnisse, aber noch keine zusammenfassende Behandlung vorliegt.[4178] Es lohnt sich, dieser Erscheinung einmal genauer nachzugehen, ihren Überlieferungsbestand zu überprüfen – wobei eine Reihe bisher unbeachteter und auch neuer, aus archivalischen Quellen gewonnener Belege zugefügt werden kann –, Funktion und Trägerschichten des Brauches sowie seine Sinndeutungen ins Auge zu fassen, zeitgeschichtliche Wandlungen festzustellen und einzelne brauchtümliche Elemente des komplexen Begriffes für sich zu verfolgen. Das lohnt sich deshalb, weil dabei über das Brauchmonographische und über die Bezüge zu Rankes Darlegungen hinaus einige generell für die Brauchtumsgeschichte bedeutsame Beobachtungen gemacht werden können.

1855 schrieb Friedrich Panzer:[4179] „Die Pumpermetten, chorgesang, der jetzt an den vorabenden des donnertags, freytags und samstags in der charwoche statt hat, ursprünglich aber in den horae matutinae gehalten zu werden pflegte. nach jedem psalme, der abgesungen ist, wird immer eine von fünfzehn an einem dreyeckigten gestelle aufgesteckten kerzen ausgelöscht. ehmals sollen hierauf die kirchgänger mit stöcken, hämmern, steinen etc. an die bänke und wände geschlagen, und dieser lärm dem verräther Judas gegolten haben.“

Was Panzer als noch lebendig erwähnt, sind die kirchlichen Finster- oder Düstermetten. Das Moment, das ihnen den volkstümlichen Namen Pumpermetten gegeben hatte, ist in ungewisse Vergangenheit gerückt.

Als älteres Zeugnis ist die kurze Schilderung des viel zitierten Sebastian Franck bekannt, der in seinem Weltbuch von 1534 in reformatorischer Polemik gegen „der römischen Christen Fest, Feier [...] und Breuch durch das gantz Jar“ folgendes sagt:[4180] „Da fahet man an drey nacht vor Ostern zu nachts metten zu singen, darein kumpt ein gross volck mitt hämmeren, steyn, schlegel, klüpffel, kolben, stecken, und klopffen zu bstimpter zeit über den armen Judas, machen zuvor finster und löschen alle liecht im tempel auss, man hat auch eygen instrument zu disem schertz [...] Vil bosheit geschicht in disen metten, die leut werden an die stul genagelt, etlich geschlagen, offt etlich geworffen und geschossen.“

Bei Sebastian Franck wie auch bei seinen Nachfolgern tritt die Tendenz des Kampfes gegen die „papistischen Mißbräuche“ so deutlich hervor, dass an der Glaubwürdigkeit der Berichte gezweifelt werden könnte.

Den jüngsten und bis jetzt stoffreichsten, eine Menge einzelner Zeugnisse allerdings nur lose aneinanderknüpfenden Beitrag zum Thema gab 1949 Gustav Gugitz.[4181] Er stellt einen bestimmten (in den letzten Jahrzehnten allgemein sehr beliebten) Deutungs- und Herkunftsbereich voran, nämlich Dämonenabwehr und Lärmzauber.

So findet sich dort, noch vor der Wiedergabe historischen Materials, der Satz: „In der Pumpermette, im Karfreitagsratschen hat die Kirche noch lange die letzten Reste uralten indogermanischen Volksbrauches mit dem christlichen Kult vereinigt, bis schließlich der Hohn des flachen Rationalismus mehr als theologisches Bedenken das zur kirchlichen Zeremonie gewordene Volksbrauchtum in die Rumpelkammer des Aberglaubens warf.“

Mit diesen drei Literaturproben ist einiges von den Problemen angedeutet, die zu klären heute eine auf sehr wesentlich vermehrtem Unterlagenbestand begründete entwicklungsgeschichtliche Betrachtung versuchen muss.

11.17.2.1. Liturgiegeschichtliche Zeugnisse

Innerhalb der Liturgie der katholischen Kirche handelt es sich um die Matutinae tenebrarum an den drei letzten Tagen der Karwoche, dem Triduum sacrum, die dem Gedächtnis des Leidens und Sterbens Christi galten. Ihr Name rührt, wie Joseph Lechner darlegt,[4182] „davon her, daß man sie in Rom im frühen Mittelalter gänzlich im Dunkeln hielt. Das allmähliche Auslöschen der Kerzen auf dem Triangelleuchter, eine fränkisch-gallikanische Gewohnheit und in Rom noch im 9. Jahrhundert unbekannt, stellt nach allgemeiner Auffassung der mittelalterlichen Symbolik den Abfall der Jünger des Herren dar, das Verbergen der letzten Kerze hinter dem Altar und ihr Hervorholen den Tod und die Auferstehung des Erlösers. Welches immer der wirkliche Ursprung des Brauches gewesen sein mag, so steht fest, daß schon seine erste Erwähnung im 8. Jahrhundert eine symbolische Deutung verrät. Der am Schluß der Mette mit einem Klapperinstrument verursachte Lärm (fragor), symbolisch auf den Schrecken oder auf das Erdbeben beim Tode Christi gedeutet, ging aus dem Zeichen (Klopfen) hervor, mit welchem der Schluß der Gebetstunde angezeigt wurde. Dieses Pochen wiederholten die im Chor Anwesenden und selbst die Gläubigen im Schiffe der Kirche.“

Zu diesem an bestimmten Stellen der Liturgie befohlenen Pochen sagt das römische Brevier: „Finita oratione fit fragor et strepitus aliquantulum“.[4183] Für den heutigen Brauch in Klöstern bietet Gugitz ein Beispiel, wonach im niederösterreichischen Seitenstetten die Mönche mit den Brevieren laut auf die Chorbänke schlagen.

Die ihrer Verbreitung nach wichtigste mittelalterliche Quelle sowohl für das Ritual der Liturgie wie auch für die symbolisch-allegorische Deutung der einzelnen Riten gibt das Rationale divinorum officiorum des bedeutenden Kanonisten und Liturgikers Guilelmus Durantis (Durandus, 1237–1296).[4184] In seinem 6. Buch behandelt es die Riten der Karwoche. Es besagt – die folgenden Zitate sind einem Nürnberger Druck von 1494 entnommen –, dass die Kirche an den letzten drei Tagen die „matutinas in tenebris“ begeht (zur Erinnerung an die dreitägige Grabesruhe Christi); es schweigen die Glocken (weil die Apostel und Propheten zum Schweigen gekommen waren) und man gebraucht an ihrer Stelle eine hölzerne Tafel (tabula) mit einem hölzernen Hammer (ligneus malleus), (das Holz als Symbol von Christi Demut). Die tenebrae, die in den drei Nächten gefeiert werden, bedeuten die dreistündige Dunkelheit, während Christus am Kreuze hing. Beim Beginn der Metten brennen Kerzen, deren es 72, 24, zwölf, elf oder neun sein können, wobei für jede Zahl eine symbolische Erklärung gegeben ist. Die Feier vollzieht sich in großer Stille, auch die Lektionen werden in silentio gebetet. Nach ihnen aber erfolgt ein geräuschvoller symbolischer Akt: „Sed fit tunc sonitus per tactum ligni cum manu, quia et Christus in ligno crucis pendens voce magna clamavit.“ Darauf werden die Kerzen, eine nach der anderen, gelöscht, bis auf eine einzige; diese versinnbildlicht die Jungfrau Maria, die Christus allein die Treue gehalten hat, oder auch Christus, das Licht der Welt, selbst.

Was nun folgt, gibt den entscheidenden Ansatz für die später zum Namen Pumpermette führende Ausgestaltung, wobei der erste Satz die Begründung für den seit dem Spätmittelalter festzustellenden Anteil von Schülern und deren besondere Funktion bringt. „Hoc officium triduanum potius a minoribus celebratur in typo minorum discipulorum et mulierum qū dominum sequebantur. Vociferatio ad benedictus [Anm.: die Antiphone zum Benedictus-Gesang lautet hier: ‚Traditor autem dedit eis signum, dicens: Quem osculatus fuero, ipse est; tenete eum!‘] et tumultus popularis qui tunc fit concrepatio est Jude proditoris et tumultus cohortis quem cum gladiis et fustibus Judas contra Christum adduxit, vel ceci discipuli salutatio dicentis: Ave rabi. Tertio canticum ipsum tunc alta voce dicitur ad notandum quod multi interfecto antichristo gaudebunt. Clangor canentium kyri heleyson. Est tumultus dominum persequentium et eum ironice adorantium, vel significat lamenta sanctarum mulierum quae sequebantur dominum [...] Postea fit cum manu vel alio instrumento sonitus ante luminis revelationem qui sonitus representat terroris eorum incussionem vel ex tumultu cohortis vel ex terremotu [...]“

In einer handschriftlichen oberdeutschen Übersetzung des Rationale aus dem 15. Jahrhundert[4185] beginnt der betreffende Abschnitt mit dem „antlos abent, das ist der mitwochen da got verkaufft wart von Juda“. Darauf folgt mit dem Antlass-Pfinztag das Triduum. „Dye kyrchn helt dyse drey tag mit vynster vnd endet dy metten mit der vynster.“ Die Tabulae, als Ersatz der Glocken, sind mit „taveln“ übersetzt, der hölzerne Klöppelhammer heißt „der chlächel damit man dye tavel schlecht“. Die Stelle, da die allgemeine Stille unterbrochen wird, lautet da: „Man tut aynen don mit der hant an eyn holcz wann da Christus hyng an dem kreucz da rufft er mit lauter stym.“ Nach dem Auslöschen der Kerzen heißt es weiter: „Das ampt der dreyr Tag singent dy klaynen und dy jungen vnd pedewt dy klaynen jungen vnd dy frawen dy vnserm herrn nachfolgten. Das geschray nach dem Benedictus pedewt das verraten Jude und dy schar dy er mit swerten vnd mit stecken fürt wyder Christum, auch pedewt das des Judas gruß da er sprach pys gegrüst mayster. Item das geschray und das hoch gesanck pedewt der krysten frewd nach des änterkrystes tod. Das hoch geschray des kyreleyson pedewt die schar dy wyder Christum was vnd in anpett mit spot. Auch mag man damit pedewten dy klag der heyligen frawn dy nach volgten dem herren [...] Darnach schlecht er mit der hant in ayn pret ee das man dy kerczen her für tue, das pedewt dy schrecken das dye frawen hetten von dem schatten [Anm.: wohl statt: den scharen] vnd von dem erpyden [Anm.: Erdbeben].“

Charakteristisch für die Trauermetten ist also, dass die Andachtshandlung im Finstern begangen und dass die vorherrschende Stille an bestimmten Stellen durch Erheben der Stimmen sowie durch ein mehrmaliges Schlagen auf Holz unterbrochen wird.

Das frühe deutsche Volksbuch Lucidarius,[4186] in dem ein Jünger und ein Meister in Frage und Antwort göttliche und irdische Dinge erörtern, wobei im zweiten Buch kirchliche Einrichtungen allegorische Ausdeutungen erfahren, enthält ein Kapitel „Von vinster metin“, das sich deutlich an Durantis anlehnt. Die folgenden Zitate sind einer von Felix Heidlauf herausgegebenen niederalemannischen Handschrift um 1300 entnommen.[4187] Darin fragt u. a. der Jünger: „Waz betüet daz ambt daz wir zu vinster metin begant“. Antwort: Den Ausdruck der Trauer – mit den Klageworten des Jeremias –, der Not in den Banden des Teufels und schließlich der tröstlichen Zuversicht durch die Marter des Herrn. Auf die weitere Frage „war umbe lüte wir niht in den drien dagen“, antwortet der Meister im Sinne des Durantis mit dem Schlußsatz: „da von slahe wir an die tafele, wen der helige Crist an das crüce genegilt unde erhangin wart“. Dann wird erläutert, weshalb im Triduum die Tagzeiten „so stille“ gesungen werden, und der Jünger fragt weiter: „sit wir die dagezit so stille singent, warumbe singe wir die metin so lute?“ Und der Meister antwortet: „In der metin betüte wir die martile der heiligen wizsagen, die wurdent alle schriende erslagen; an den dageziten bitüten wir unsern Herren, der wart als ein lamp swigende erslagen.“ Vom Ritus des Klopfens ist hier nicht die Rede.

Auch drei zeitlich folgende chronikalische Erwähnungen der Finstermetten sprechen nur vom Auslöschen der Lichter.[4188] Für das Jahr 1307 erwähnt die Düringische Chronik des Johannes Rothe die „dinstermettin, an deme gudin fritage, do man die lichte noch der gewonheid der heiligen christinheid leschete“. 1403 heißt es im Stadtrecht von Neuenbürg: „in der karwochen die drige tagt als man gewonlich vinster metti singet.“ Zum Jahr 1431 berichtet die „Nürnberger Chronik aus Kaiser Sigmunds Zeit“: „Itm in demselben jar was der kunig bey den vinstermetten alle gancz und an dem osterobent da furt man in umb das feyr auf dem kirchof, als man es segent, und was bey dem ampt der mess und an dem ostertag auch bey dem ampt der mess.“

Von tumultuarischen Auftritten bei den Finstermetten fand sich vor der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bisher kein Zeugnis. Der Ausdruck „Pumpermette“, der den rituellen Akzent entscheidend verschiebt, tritt innerhalb des einstweilen zur Verfügung stehenden Materials erstmals 1507 in einer Kirchenrechnung von Laufen an der Salzach auf (siehe S. 86) [Anm. Kammerhofer: S. 86 bezieht sich auf den Originaltext; hier betrifft es den Absatz im Unterkapitel Archivalische Zeugnisse, beginnend mit „Neutrale Zeugnisse, lediglich für das Bestehen des Pumperbrauches und für ein wichtiges Brauchrequisit bieten die Kammerrechnungen von Laufen an der Salzach.“ sowie die zugehörige Anmerkung].

Zwischen den beiden letztgenannten Datierungen liegt nun noch ein anderes Zeugnis aus Crailsheim, in dem die Erscheinungen, die dann der Finstermetten neue Namen gaben, (wieder einstweilen) zum ersten Mal klar belegt sind.[4189] Die dortige Schulordnung vom Jahre 1480 nämlich enthält folgende Anweisung: „Item in mattutinis tenebrarum, videlicet ante diem pasce, nullus scolaris debet secum habere magnum vel malleum sive asciam magnam i. schlegel, sec tantum parvum, cum quo moderate percutiat; ymo debet quilibet scolaris adtendere ne longius percutiat quam rector compleat ant (iphonam) ‚domine miserere‘ etc. vel super ‚benedictus dominus‘; eciam non debent suis percussionibus frangere sedes vel pulpita, sed solum ante altaria circa scabella, et super hoc debet constituere lupum veracem etc.“

Diese Anordnung ist zweifellos dadurch notwendig geworden, dass Übertreibungen des Pochens mit großen Stöcken, Hämmern und Schlegeln und auch ungebührliche Ausdehnungen über die stichwortgebenden Textstellen vorgekommen waren. Nun also wurde befohlen, dass man nur mit kleinen Stäben maßvoll und zur rechten Zeit klopfen dürfe, und darüber sollte ein eigener Aufpasser, nach dem Schulterminus ein „Wolf“, wachen. Die den Brauch Ausübenden sind hier also die Discipuli der Schule; sie übernahmen die Aufgabe der bei Durantis erwähnten minores discipuli der Kirche in ihrer sinnbildlichen Beziehung auf die discipuli Christi, die Apostel und die heiligen Frauen.

Eine genauere Schilderung der Finstermetten in katholischer Zeit gibt für die ehemalige Reichsstadt Biberach eine bald nach Einführung der Reformation (dort 1531) geschriebene Zusammenstellung der Kirchenzeremonien:[4190] „Von der Finstern Mettin / Ittem ahm grüenen Donnerstag zue nacht, ettwan nach dem Ainen“ – kurz vorher hieß es bei sonst ziemlich gleichem Wortlaut: „Ahn der guetten Mittwoch zue nacht nach den Zwelffen [...]“ – „hat man vor Jahren ein fünster Mettin gehabt vnd in der Statt umbher Tafflet, aber jezunder ettwann lang hat man sie zue Abendt gehabt vnd darzue tafflet, ettwan vff der Maur vnd ettwann in der Stadt vmbher / Ittem zue der Mettin hat man dreyzehen Kerzen vff ainer staine(rn) saull vorm Choralltar, ist aine imerdar vber die ander gestanden, haben die Zwelffbotten bedeüth, vnd die aller höchste hat bedeüth vnnser Liebe Fraw. Sendt ahn jeglichem orth aber vil Kerzen gestanden. Allso hat man zue ettlichen gesang allweeg ein Kerz hinweeg genommen vnd gelöscht. Allso hat man den Zwelff Kerzen allen thon, vnd zum Letsten so hat man die Mittle hohe Kerz allso brünnendt hinweeg Tragen vnd nit gelöscht; hat Vnnser L. Fraw bedeüt, die nie erloschen gegen Gott, Ihrem Lieben Kindt. / Ittem. Zue Letst so hat man die fünster Mettin gehabt, hat man alle Liedhter gelösst bis ahn Vnnser L. Frawen Kerz, die hat man brünnendt hinweg in die Tristcammer Tragen vnd den die anndere Liechter von Vnnser L. Frawen Kerz wider ahnzündt. / Ittem. Man hat allweg hüpsche gesang in der Fünster Mettin gesungen von clainen und großen Schuolern wider einander; sendt ein thaill Klainschuoler beim Chor Alltar gestanden, ein thaill vff dem bredigstuohl, ein thaill beim Schnöckhen dahinden, ein thaill vorm Chor, die große Schuoler im Chor, die Andechtig haben gesungen Teutsch und Latinische gesang. In der fünster Mettin hat man auch gerumplet, ettwann nuhn die Schuoler im Chor, ettwann Jedermann in der Kirchen zue bedeütnus, wie die Juden mit vngestimme vnnsern herrgott füengen.“ In der Schilderung für den Mittwoch weicht der Schluss etwas ab: „Vnd die grose Schuoler haben auch ettliche gesang im Chor gesungen, auch die Schuoller all mit einander im Cohr gesungen, auch zue ettlichen gsangen die schuoler im cohr Klopffet, auch ettwan die leüth in der Kirchen vmb vnd vmb.“

Auch hier ist also wieder in erster Linie die Schülerschaft, gruppenweise in der Kirche verteilt, beteiligt, dazu aber auch „jedermann“, die Gemeinschaft der Kirchenbesucher.

Leider sind die sonstigen Aufzeichnungen alten Kirchenzeremoniells selten so genau. Für den Dom in Brixen hat kürzlich Karl Wolfsgruber einen Auszug aus einer Agende des Dommessners vom Jahre 1550 veröffentlicht.[4191] Sie besagt, dass bei der ersten Pumpermetten am „Krumpmittwoch“,[4192] die abends um 5 Uhr begann, vor und nach dem Benedictus sowie nach der Antiphon auf der Empore „mit der Ratsche gerumpelt“ wurde. Für Nürnberg hat zu Anfang des 17. Jahrhunderts der Stadtschreiber Joh. Müllner eine auf älteren Vorlagen beruhende „Kurze Beschreibung derer Cerimonien, so in den Kirchen und Clöstern zur Zeit des Bapstthums in Nürnberg seyn gehalten worden“, überliefert. Darin heißt es u. a., „am Grünen Donnerstag und am Charfreytag auf den Abend sang man Metten, die Finster Metten genannt, mit einem Großen Gerumpel in der Kirchen, damit des Herrn Gefängnus und der Juden ungestüm anzudeuten“. Dazu habe man vom Kirchturm aus „mit einer großen Klappern Taffel“ gerufen.[4193]

Von einer Eindämmung des Finstermetten-Rituals hören wir nach der Mitte des 16. Jahrhunderts aus Wien. 1559 wurde dort „das Mettenklopfen und Pumpern“ in der Stephanskirche und in St. Michael verboten.[4194] Eine Kirchenordnung für St. Stephan vom Jahre 1580 spricht wohl von den „drey also genannten Pumpermetten“, erwähnt aber nur das symbolische Löschen der Lichter und nichts von den charakteristischen Lärmbräuchen.[4195] Weitere Hundert Jahre später besagt die Schilderung der Pumpermette durch einen Kanonikus Testarello nichts anderes.[4196] Zeugnisse des 17. Jahrhunderts aus anderen Gebieten bestätigen den Eindruck einer Rückkehr zu den wieder strenger an das liturgische Ritual gebundenen Formen.

11.17.2.2. Reformationszeitliche polemische Zeugnisse

Gegenüber dem bisher gebrachten Belegmaterial von katholischer Seite, in dem die liturgisch bestimmten Elemente der Finstermette dominieren, ist in einer dem Grundtenor nach recht einheitlichen Gruppe von Zeugnissen reformationsschichtlicher Herkunft ausschließlich das ungebärdige Element der Pumper- oder Rumpelmette durch die Beteiligung des Volkes in den Vordergrund gerückt. Es erklärt sich das zunächst einleuchtend aus der Tendenz, auch in dieser Erscheinung einen der bekämpften und verspotteten „papistischen Mißbräuche“ festzustellen.

An der Spitze dieser polemischen Reformationsliteratur gegen Zeremonienwesen und Volksbrauch in den Gebieten der alten Kirche steht dem Entstehungsjahr nach wie auch im Hinblick auf seinen lang nachwirkenden Einfluss das Weltbuch des Sebastian Franck von 1534. Die dem Thema geltende Stelle nahmen wir (S. 81) [Anm. Kammerhofer: S. 81 bezieht sich auf den Originaltext; hier betrifft der Verweis den Absatz beginnend mit „Als älteres Zeugnis ist die kurze Schilderung des viel zitierten Sebastian Franck bekannt [...].“ sowie die zugehörige Anmerkung.] bereits voraus. Im Gegensatz zu den meisten seiner Braucherwähnungen geht sie nicht auf Johannes Boemus zurück,[4197] da dessen Übersicht über das fränkische Jahresbrauchtum nichts zur Karwoche enthält, sondern entsprang möglicherweise persönlichem Erleben. Der Passus hat noch einen Nachsatz, der für später zu behandelnde Zusammenhänge von Wichtigkeit ist: „Darnach sterben die drey Tag die glocken, da fert man mit einem klopffenden karren und vil tafeln in der statt herumb, berufft das volck in die kirchen zum passion. Auff disen tag sagt man dem volck von dem leiden Christi, werden fast zornig über die Juden.“

Die Schilderung der Jahresfestbräuche des Sebastian Franck ist so gut wie wörtlich in das von Anton Birlinger bekanntgemachte anonyme „Papistenbuch“ übergegangen, das deshalb keinen selbstständigen Zeugniswert hat.[4198] Weiters hat aus Sebastian Franck, aber doch wohl auch aus eigener Kenntnis heimischer Bräuche, der Niederbayer Thomas Kirchmayer (Naogeorgus) in seinem „Regnum Papisticum“ von 1553 geschöpft.[4199] Darin heißt es:

„Campanis primum triduana silentia cunctis
Mandantur, tabulis pulsant de turribus altis.
Percurrunt etiam pueri plateasque forumque
Et crepitus edunt magnos, ad templa vocantes.
Noctibus inde tribus nocturna ad cantica surgunt
Malleolis sumptis saxisve auf fustibus omnes.
Omnia ubi paulatim exstinguit lumina custos
Sacrificique altum rauco de gutture clamant.
Tum vero exoritur saevus crudusque tumultus:
Pulpita contundunt et sedes, scamna, cathedras.
A furiis dicas agitari, et pneumate tristi
Bassaridum. multis clavis figuntur ad ipsas
Sedes, nonnulli lapidum exanimantur ab ictu.
Ast alii plagas referunt, aut vulnera, caesi
Fustibus. his factae possunt seruire tenebrae
Omnium et aequalis funesti insania ritus.
Impius hinc probris multis laceratur Judas,
Et Maria e tenebris puerorum voce citatur,
Ut sit propitia et vitiis medeatur et omni
Noxae ... Nonne haec sunt ludicra mira Papatus?“

Das Werk des Thomas Kirchmayer hat sehr bald einen Übersetzer gefunden in Burkard Waldis. Er gibt 1554 eine erweiterte, noch drastischere und vermutlich von tendenziösen Übertreibungen nicht freie Schilderung:[4200]

„Des dritten tags fürm Osterfest,
Erzeigen sich auffs aller best.
Gottloß vnd lächerlich gesäng,
Heidnisch vnd gar vnnütz gepräng ...
Den Glocken muß der Meßner sagen,
das sie nit leiten in dreyen tagen.
Die halten gehorsam, stille schweigen,
dweil spielen sie auff hültzen Geigen.
Doch auff eim bret einer abher rasselt,
Vom thurn, das weit erschalt vnd brasselt.
Durch die gassen klappern die knaben,
Wie die Störck lange schnäbel haben.[4201]  
Damit die leut ermanen wöllen,
das sie zur Kirchen kommen söllen.
Zu mitternacht von jren betten,
Auffstehn, hin gehn zur finster Metten.
Jeder bringt ein hämmerlein klein,
Ein kurtzen knüttel oder ein stein.
Nach einander werden auß than,
Zwölff liecht wie sie beysammen stan.
Zween Pfaffen rüffen mit heisser stimm,
Laut als werens zween Löwen grimm.
Da hebt sich baldt ein groß getümmel,
In der Kirchen ein wildt gemümmel.
Mit stossen, werffen, schütten, schlagen,
die stül vnd bänck, sessel vnd schragen.
So gar wild, grewlich vnd vermessen,
Als werens mit dem Teuffel besessen.
Als wers des Bach truncken Fest,
dermaß sich jeder hören lest.
Etlich häfftens mit nägeln an,
das sie da müssen bleiben stan.
Etlich mit steinen werden troffen,
das an in mehr kein leben [z] hoffen.
Etlich geschlagen werden funden,
Tragen bluttig striemen vnd wunden.
Vnd wirdt solch vnlust verursacht,
durchs tummeln und die finster nacht.
Das sie zu gleich beid jung vnd alten,
Solch blutig Fest vnd Feyrtag halten.
Des Judas wirdt auch nit verschont,
Gescholten, gelestert vnd verhont.
Auß dem finstern ruffen die knaben,
Maria auff sie wol achtung haben.
Vnd wolt in allen gnedig sein,
Vnd waschens von den sünden rein.
Vnd reimbt sichs frey auffs aller best,
Maria vnd diß finster Fest.“

Einen sehr weitgehenden Gebrauch von den Angaben des Regnum Papisticum machte 1593 der Züricher Rodolphus Hospinianus in seinem Werk „Festa Christianorum“.[4202] Wie für die meisten Partien seiner Festbrauchübersicht bringt er auch für die Pumpermette das ganze Zitat aus Thomas Naogeorgus, und dazu nur einen kommentierenden Satz, in dem er mit Bezug auf Durandus den Brauch auf den Tumult bei der Gefangennahme Christi deutet. Dann aber fügt er noch eine weitere Lesefrucht aus des Antonius Margarita „Liber de Ceremoniis Judaeorum“ bei. Er übernimmt von dort, dass auch bei den Juden im Monat Adar die Geschichte der Hesther gelesen wird, wobei sie jedesmal, wenn der Name Aman erwähnt wird, „in den Synagogen mit Fäusten und Hämmern auf die Schemel schlagen“.

Ob dieser jüdische Ritus des Purimfestes Einfluss auf die Einführung des Pumperns in den christlichen Trauermetten gehabt haben kann, ist m. W. [Anm. Kammerhofer: meines Wissens] noch nicht untersucht worden. Erst Richard Andree[4203] hat diese Parallele wieder erwähnt und von dort ist sie späterhin des Öfteren abgeschrieben worden.

Gleichfalls auf Kirchmayer geht nach Vermutung von E. Haslinghuis die lateinische Beschreibung katholischer Bräuche in und um Leipzig durch den dortigen Chronisten David Pfeiffer zurück, die dann von Jeremias Weber verdeutscht wurde.[4204] Doch ist in diesen Quellen des 17. Jahrhunderts nicht mehr von den Metten in der Kirche, sondern nur von den damit verbundenen Klapperumzügen der Jugend auf den Gassen und einem Spottgesang auf Judas die Rede (siehe S. 90). [Anm. Kammerhofer: S. 90 bezieht sich auf den Originaltext, hier siehe Überschrift: Lärmbräuche um den Judas].

Unmittelbare Anleihen bei Sebastian Franck machten die Formulierungen einiger anderer evangelischer Autoren in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die ebenfalls weniger vom Kirchenbrauch selbst als von seinen Begleiterscheinungen sprechen.

Der in Hof tätige Magister Enoch Widmann schreibt in seiner Stadtchronik:[4205] „Nach einem katholischen brauche, durch welchen man in der marterwoche dem unwillen gegen den schnöden Judas ausdruck gab, jagte man drei abend nacheinander den Judas aus, in der finstern rumpelmetten mit hämmern, steinen, schlagen, klupfeln, kolben, stecken, poltern, stoßen und klopfen so unsinnig, als sturmeten die teufel das fegfewer und wollten alle papisten daraus nehmen und mit sich in nobiskruck[4206] fuhren“. Danach gibt Widmann noch die Erklärung, mit dem Tumult und Gepolter wollte man andeuten, „der Teufel keme leibhaftig und wollte den armen Judas holen“.

Enoch Widmanns Formulierung (bis „Fegfeuer“) findet sich wörtlich auch in Johann Fischarts „Binenkorb des Heyl. roemischen Imenschwarms ...“ von 1581.[4207] Dort ist der Brauch vergleichsweise auch noch an anderer Stelle genannt: „Daran ist nit groß macht gelegen, minder als am Judasjagen in der rumpelmetten“.

Endlich schreibt der Rostoker Nicolaus Gryse 1593 in seinem „Spiegel des Antichristischen Pawestdoms“:[4208] „An den beyden nafolgeden dagen [Anm.: nach dem Palmsonntag] holt men de Rumpelmetten vnd lüdet mit holteren Klocken / den Sekenklappen gelyck / welckere Instrument Raspelen genömet werden. Ock jagen si den Judam mit stöcken vnd steinen stormende herumme, also dulle vnd vulle verblendete lüde.“

1656 berichtet M. Tobias Schmidt in seiner Chronik von Zwickau[4209] zur Neuordnung des Kirchenwesens im Jahre 1525: „In der Marter Wochen hat der Pastor alle Papistische Ceremonien abgeschaffet, als die finster Metten, etc.“. Er erwähnt sie genauer in einer Zusammenstellung der Feste, „die hier nach Päbstischer Art celebriret [...] und aus der massen abergläubisch fürgenommen worden, [...] daraus man sehen künne, wie übel unsere armen Vorfahrer verblendet, und verführet: Hingegen aber wie gnädig Gott uns angesehen.“ „Am Grünen-Donnerstag wurde kein Glocke geläutet: Sonsten wurde auch die also genandte Pumper Vesper gehalten, da iederman mit Stecken, Knütteln, Prügeln, Steinen, Hämmern, Beilen etc. in der Kirchen auff die Stüle und Bäncke, und wo es nur einen starcken Wiederschall gab, schlug, darbey muste sich der arme Judas viel leiden, iederman redete alles übel von ihm, und wolte ihn also zum Teuffel in die Helle jagen.“

11.17.2.3. Archivalische Zeugnisse

Es fragt sich nun, wie die zum Teil stark an gemeinsame literarische Abhängigkeit gebundenen Zeugnisse der Reformationszeit zu bewerten sind, ob man in ihren Berichten etwa nur böswillige Erfindungen oder, wenn auch vielleicht tendenziös übertreibende, so doch im Kern zutreffende Wiedergaben einer vergangenen Wirklichkeit zu sehen hat. Antwort auf diese Frage ist nur aus nicht literarisch-subjektiv gefärbten Zeugnissen zu erwarten.

Solche Zeugnisse können jetzt, einstweilen für Bayern, aus archivalischen Quellen vorgelegt werden. Der bisher früheste Beleg stammt aus der Gegend südlich von München. Unter den Einnahmen an Strafgeldern in der Rechnung des Landgerichts Wolfratshausen vom Jahre 1499 findet sich folgender Fall:[4210]

„Item Hennsel Tümair von Niderhaching hat teydingt darumben, das er mitsamt andern zu Taufkirchen bey den vinstern metten in der kirchen den nachpaurn daselbs ir truchen zerslagen helffn hat, geit zu pus – teydinger Cuntzl Oertl und Seldpaur von Winding – 1 Pf. dl. / Item Hainz, Guntz Smids pub von Niderhaching, Liendl Schusters vetter, Wolfgang, Valtein Sneiders pub, vnd Hörgen Sneiders zwen pubn, all daselbst, haben teydingt darumben, das sy vorgenannten Thümair zu Taufkirchen der nachparn truchen in der kirchen bej den vinstern metten zerslagen haben helffen, geben alle ze pus – teydinger Cuntz Egermair ambtman, Matheis, sein knecht, Valtein und Jörg di Sneider, der vorgenten knabn maister – 10 ß dl.“

Hier war also das Pumpern dahin ausgeartet, dass die Niederhachinger Burschen im Gotteshaus zu Taufkirchen die Gemeindetruhe der dortigen Nachbarschaft zerschlagen haben.

Im gleichen Rechnungsbestand finden sich weiterhin, so nebenher, noch einige Erwähnungen der Karwochenmetten. Zunächst für die letzte, hier am Ostermorgen, zwei einander sehr ähnliche Straffälle: 1509 haben sich zwei Münsinger auf dem dortigen Friedhof „an der osternacht nach der metten“ um eine brennende Laterne gerissen und geschlagen, und 1513 hat der Mesner von Münsing „am ostertag nach der metten“ einen andern wieder mit einer Laterne gestoßen. 1535 stritten sich zwei von Wolfratshausen darüber, „daß der pfarrer geredt hat, er geb vmb des pflegers und ains rhats pott [Gebote] gar nichts [...] als pfleger vnd rat offenlichen berueff haben lassen, das niemants in der heiligen Charwochen mer nach der Metten in den würtzheussern zechen soll“.

Dann 1552 noch einmal ein charakteristischer Beleg, wieder aus Niederhaching: „Wolffgang Lechners, des Michl Stadlers vnd der paderin sun, all drei zu Niderhaching, haben sich bey der Mötten zu Ostern mit schlagen vnd pumppern der stiell [Anm.: Kirchenstühle] gar vngeschickht gehalten, [sind] derhalben eingelegt vnd gewandelt [worden] yeder vmb 5 ß dl. thuet 1 Pf. 7 ß dl.“

Die gleiche Ungebühr war 1517 im Landgericht Weilheim bestraft worden:[4211] „Item des Puchlmaiers sonn zu Ball [Anm.: Pähl] ist abkomen vmb das er bey der Metten zu Ostern ain stuel in der kirchen hat erschlagen, ist durch Marx Schöllenberger abthadingt vmb 3 ß dl. / Item Hanns Schmid, Cuenntz Schaur und Cuentz Schraytt zu Ball sind abkommen vmb das sy sambt obgemelten Puchlmaier den stuel in der kirchen haben erschlagen, abthadingt vmb 4 ß 2 dl. 1 hlr.“

Ähnliches war vermutlich auch in der Münchner Frauenkirche vorgekommen, ehe die Stadtkammerrechnung von 1520 folgende Ausgabe verbuchte:[4212] „1 ß 2 dl. zahlt von ainem einzelegen, [der] hat in der kirchen bey der pumppermetten zu unnser frawen unzucht triben.“

Neutrale Zeugnisse, lediglich für das Bestehen des Pumperbrauches und für ein wichtiges Brauchrequisit bieten die Kammerrechnungen von Laufen an der Salzach.[4213] 1507 und 1511 findet sich dort der Ausgabenposten: „Item den schuelern umb ain vas zu der pumper metten 2 ß“. Dann jeweils etwas anders formuliert, 1517: „umb ain vas den schuelern zu ostern 2 ß 20 dl.“, 1524 in der Osterwoche „umb ain vas so man zu der vinstermetten gebraucht geben 2 ß“, 1527 „umb ain lär vaß in der Carwoch zu der meten geben 2 ß“, 1531 „in verschiener marterwochen umb ain lär vass den schuelern 2 ß 20 dl.“ und 1535 „den schuellern in der carwochen 2 läre vass“. In den späteren Rechnungen kommt dieser Eintrag nicht mehr vor. Auf das leere Fass ließ sich natürlich besonders vernehmlich pumpern; nach der letzten Mette wurde es gänzlich zerschlagen oder zusammengeworfen und dann für das Osterfeuer verwendet. Das wird man sich so vorstellen dürfen, wie es eine kürzlich veröffentlichte Zeichnung zu einer jugoslawischen Pumpermette zeigt.[4214]

Für Wasserburg am Inn enthält das Ratsprotokoll von 1515 eine Neuregelung der Abhaltungszeit für die Karwochenmetten,[4215] aus deren Begründung die allgemeine Beteiligung an diesen Feiern hervorgeht. Der Rat verfügte, „daß man in der martterwochen die metten nimmer bey der nacht sonder am abend vmb 6 h zu singen anfahen und den Passion soll man nach mitternacht umb die dritt ur anfahen, damit die heuser bey der nacht nit gar erödet werden, dan kürtzlich vil stedt und flecken an dem grund [Anm.: aus diesem Grund?] verbronnen sind“.

Von einem offiziellen Mahl nach der Mettenfeier meldet die Pfarrkirchenrechnung von Deggendorf 1543: „Zu zweien metten in der marterwochen mit herrn pfarrer, prediger, gesellen und schulmaister an wein verzert 5 ß 24 d1.“;[4216] ebenso auch 1569 und 1601. In den erhalten gebliebenen späteren Jahrgängen fehlt dieser Eintrag.

Von der Ostermette sprechen wiederholt die Stadtkammerrechnungen von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an in Forchheim.[4217] 1549 sind 12 dl. verrechnet „von der klaper taffel auf den turm zu machen.“ 1562, 1565 und noch öfter heißt es bei Zehrungsausgaben von durchschnittlich 2 Pf. dl. „in der ostermette diejenigen so uf der trinckstuben gewacht“, dann weiterhin Ausgaben für offenbar größere Zehrungen „in der ostermette auf der kleinen trinckstube“. Unschlitt für die „Oestermetten“ verrechnet das Gotteshaus Randersacker 1654.

Zu Geisenfeld im Landgericht Pfaffenhofen haben 1560 ihrer fünf „am haimgeen von der ostermettn“, vielleicht angeregt von ihrem Tumult, schwer gerauft und einander drei Blutrünste und vier Beulen geschlagen.[4218]

Deutlicher wieder zeugt von einem Überschwang des Lärmbrauchs ein Straffall im Landgericht Schwaben bei München[4219] im Jahre 1575: „Georg deß Pfarrers von Oberneuching vnnd Hanns des Zechetmairs daselbst knecht, haben sich in der Martterwochen an der Pumpper Metten inn der kirchen fräventlicher, muetwilliger weis, gannz ungeschirlich, und mit schlagen dermassen gehallten, dardurch ettlich stiel zerbrochen worden, deßwegen jeder gewandelt vmb 5 lb. thuet 10 lb. dl.“ Mittelbar hieher gehört noch ein Straffall in der Rechnung des gleichen Gerichts von 1588: „Georg deß Widmanns knecht, Wolf des Peckhen brueder, Balthasar des Caspar Meiers sohn, Wolf des Würts knecht, alle von Thundenhausen, haben an ainer feyr nacht, in gegenwart etlicher kirchferter [Anm.: Wallfahrer], mit steckhen auf die erdt wie in ainer Pumpermetten zuesamengeschlagen, sich ungebürlich doch ohne schelltwort, lautraißig erzaigt, daneben ainen petler, der sy deßwegen in der guete gestrafft, ainen aufstecher gehaißen, seyen derwegen jeder gewandelt per 72 dl. thuet 2 fl. 2 ß 24 dl.“

Zuletzt noch ein Beleg für den von Sebastian Franck und Kirchmayer-Waldis genannten Brauch des Annagelns, aus der Marktrechnung Eggenfelden[4220] von 1592: „Gotthardt Dändel, obermüller alhie, ist wegen herrn lantrichters Christel, so er in der kirchen vnder der pompermetten ahngenagelt, gestrafft worden per 3 Pf. dl.“ In diesem Fall bleibt die Frage offen, ob die Bestrafung wegen des vielleicht schon verbotenen oder sonst schon nicht mehr üblichen Annagelns an sich erfolgte oder wegen des Mangels an Ehrerbietung vor einem Familienmitglied des Landrichters.

Späterhin sind (bis jetzt) nur noch kirchliche Requisiten archivalisch bezeugt, so in den Kirchenrechnungen von Erding[4221] 1600 „ein pumperbret“, von Peiting[4222] 1601 „aine neue dafel in die pumppermettin“, von Klein-Ochsenfurt[4223] 1734 „ein leüchter zur rumpelmetten“, den der Schreiner zu Ochsenfurt angefertigt hatte.

Diese Gruppe von Zeugnissen, die sich mit dem Fortschreiten der archivalischen Quellenforschung zuverlässig noch vermehren wird, bekundet also, dass Pumpern bei den Karwochenmetten eine offenbar recht verbreitete Kultübung war und dass die in den literarischen Quellen des 16. Jahrhunderts gerügten tumultuosen Formen da und dort tatsächlich bestanden haben, (wenn es dabei auch nicht so wüst zuging, dass es wie bei Kirchmayer-Waldis gar Tote gegeben habe).[4224] Außerdem ist festzustellen, dass die Belege für Pumpermettentumulte sich auf einen bestimmten Zeitraum konzentrieren.

11.17.2.4. Entwicklungsgeschichtliche Probleme

Die letzte Feststellung bedarf nun noch einiger Erörterungen. Es wird vor allem zu fragen sein, welche Schlüsse daraus gezogen werden dürfen. Ist dieser Befund nur vom Quellenbestand abhängig oder dokumentiert er eine bestimmte Zeitschicht für diese Erscheinung? Aus der Beantwortung dieser Frage ergibt sich schließlich, ob das volksbräuchliche Element des sehr ungebärdigen Pumperns nicht auch schon früher, hypothetisch „von jeher“, ein unabtrennbarer, aus den Quellen der Liturgik nur nicht erfassbarer Bestandteil der Karwochenmetten war oder ob er erst später, unter den Voraussetzungen einer einigermaßen deutlich fixierbaren Zeitlage, hinzugekommen ist. Und danach, ob man mit Gugitz hier von uralten indogermanischen Lärmbräuchen im kirchlichen Ritual sprechen kann oder nicht.

Zu diesem Fragenkomplex ist zunächst zu sagen, dass die zeitliche Begrenzung der hierher gehörigen Zeugnisse nicht von der des archivalischen Quellenbestandes, dem sie entnommen sind, bestimmt ist. Der Quellenbestand an sich führt nämlich in den meisten Fällen ein gutes Stück weiter zurück. Wenn sich darin noch kein älterer Beleg gefunden hat, so mag das zwar noch nicht dazu berechtigen, weitergehende Schlüsse ex silentio zu ziehen, aber es deckt sich dieses negative Ergebnis doch mit der Tatsache, dass es auch keine Einsprüche oder auch nur Regelungen vonseiten der mittelalterlichen Kirche und ihrer Konzile und Diözesansynoden gibt, im Gegensatz zu den nicht wenigen Bestimmungen etwa gegen das Fest des Knabenbischofs, gegen Schauspiele in den Kirchen, gegen das Eindringen von Maskenwesen und Tanz in die Gotteshäuser, also gegen Erscheinungen, in denen der Einbruch paganer Überlieferungen offensichtlich ist.[4225]

Man wird also, solange nicht Funde von neuen Beweisstücken eine Korrektur erfordern, annehmen müssen, dass sich das Ritual der Finstermetten zunächst und lange auf das liturgisch geregelte symbolisierende Klopfen an bestimmten Stellen beschränkt hat. Erst später, als die Schülerschaft bei der Feier fungierte, dürfte aus naheliegenden Gründen das Klopfen einen neuen und sehr viel kräftigeren Akzent erhalten haben. Die Hereinnahme der Schüler aber hing mit der Entwicklung des weltlichen städtischen Schulwesens zusammen. Jedenfalls traten sie bei der Begehung der Karwochenfeier jetzt auch sonst stärker in den Vordergrund: Sie sind beim Mandat am Gründonnerstag und den vielfach damit verbundenen Brotspenden beteiligt, sie singen und wachen am Karfreitag am Heiligen Grab. Und die Schüler tragen dann auch später in erster Linie die außerkirchlichen Bräuche des Klapperns und Ratschens und des Judasjagens, von dem noch die Rede sein wird, und ziehen vor und an Ostern singend und heischend durch die Gassen.

Ein drittes Stadium brachte den respondierenden Anteil der großen Menge der Kirchenbesucher. Wenn wir vom heutigen Materialbefund aus für dieses Stadium die zweite Hälfte oder das letzte Drittel des 15. Jahrhunderts ansetzen zu dürfen glauben, so findet diese Annahme eine wesentliche Stütze im Hinblick auf die volkskulturelle Situation dieser Zeitspanne. Es war jene Kulturperiode, in der ein großer Teil kirchlichen Brauchwesens, besonders in den Städten, durch eine heftig gesteigerte religiöse Betätigung des bürgerlichen Laienelements ganz deutliche Um- und Ausformungen erfuhr. Das äußerte sich in der Zunahme geistlicher Stiftungen, im Entstehen und schnellen Wachstum von Bruderschaften, im Aufblühen des Wallfahrtswesens, in geistlichen Spielen der Bürgerschaften und in den gewaltig aufschwellenden und zur Theatralisierung neigenden Figurenprozessionen. Mit dem Drang zu aktivem Mittun war die Tendenz zur drastischen Veranschaulichung der religiösen Vorwürfe und ihrer Symbolik verbunden.

Im Zusammenhang mit dem geistlichen Bürgerspiel kam es in rückläufiger Bewegung auch zum Wiederaufleben kirchlich-liturgischen Spiels. Das lässt sich an zwei Beispielen gut beobachten. Das eine betrifft ein Kirchenspiel von Mariä Verkündigung (worüber gelegentlich ein eigener Aufsatz berichten soll), das andere die halb symbolisch-stilisierte, halb theatralisch-realistische Darstellung des Erscheinens Christi in der Vorhölle als Ausklang der Karwochenfeiern. Da sie eine Parallele zum Ritus der Pumpermetten enthielt, muss sie hier etwas näher ins Auge gefasst werden.

11.17.2.5. Das Klopfen an die Vorhölle

Für Augsburg ist das Jahr der Einführung dieser neuen liturgischen Feier in der commemoratio dominicae resurrectionis bekannt: 1453. Schon Wilhelm Meyer[4226] hat sie (1901) als merkwürdige Rückentwicklung vom geistlichen Schauspiel her gesehen und (nach F. A. Hoeynck)[4227] folgendermaßen kurz beschrieben: „Kurz nach Mitternacht wird in aller Stille der heilige Leib erhoben; dann zieht der Priester in Begleitung durch die Nacht über den Kirchhof an eine Seitentür der Kirche; er klopft an mit dem Fuß oder mit dem Bischofsstab unter dem Gesang Tollite portas, principes, vestras et elevamini, portae aeternales, et introibit rex gloriae! Unter Kettengerassel fragt drin eine Baßstimme [der Teufel]: Quis est iste rex gloriae? Der Geistliche antwortet: Dominus fortis et potens, dominus potens in praelio. Dreimal wird geklopft und dreimal wird die Szene gesungen, dann öffnet sich das Tor.“

Theatralisiert erscheint diese Szene unter den vorreformatorischen Kirchenbräuchen bei St. Michael in Hof:[4228] „An der Spitze einer Schar Schüler zog (am frühen Morgen des Ostersonntags) der Prediger dreimal um die Michaelskirche, die verschlossen war, als wäre sie die Hölle; innen waren andere Schüler als Teufel versammelt; jedesmal, wenn die Prozession vor der Kirche ankam, stieß der Geistliche mit einem Kruzifix an die Türe mit den [vorhin genannten] Worten des 24. Psalmes [...] und die dazu bestellten Teufel in der Kirche antworteten: ‚Quis est iste rex gloriae?‘ Darauf der Geistliche erwiderte: ‚Dominus virtutum, ipse est rex gloriae.‘ Nach dreimaligem Pochen stürmte er dann mit seiner Schar in das Innere der Kirche.“

Von dieser Darstellung überlieferte Enoch Widmann eine zum Schwank zurechtgeformte und in reformatorischer Polemik interpretierte Episode.[4229] 1527 war dem Geistlichen Wolfgang Thech die Messe und Pfründe corporis Christi an der Kirche St. Michael verliehen worden. Als er im gleichen Jahr „am Ostertage früh dem Volke nach päpstlichem Gebrauche das Hallstürmen Christi vorbilden wollte, wurde [ihm] nahend der ganze Bart, und das Haar auf dem Kopfe, oder sein Kranz angezündet, daß er genug zu löschen hatte. Denn nachdem er mit der Prozession dreimal für St. Michaeliskirchen kommen (welche, als wäre es die Halle, versperrt gewesen, darinnen etliche junge Bursche als Teufel versammlet, die Thüre zuhielten) und jedesmal mit einem holzernen Kruzifix, so am Charfreitag ins Grab gelegt worden, einen großen Stoß an die vordere Kirchthüre gethan, mit solchen Worten: machet die Thore weit, und die Thüre in der Welt hoch, daß der König in Ehren einziehe; und ihm die dazu bestellten Teufel in der Kirche allemal geantwortet: wer ist derselb König der Ehren; darauf der Pfaff in der Person Christi gesagt: er ist der Herr Zebaoth, er ist der König der Ehren. Und als Pfaff das dritte Mal für die Kirchen kommen, und die erzählten Wort gesprochen, und sammt seinen Anhang hineingedrungen, die Halle zu stürmen, sind ihm die bösen Buben aus der Kirche mit angezündtem Werg entgegengelaufen, und haben daselbige Werg, als wäre es höllisch Feuer, auf den Pfaffen und seine Rott geworfen, sonderlich aber seines Bartes und Kopfes wahrgenommen; sintemal sie aus der evangelischen Predigt, die sie von M. Caspar Löner gehört, und weil dieses Spectakel ein Jahr oder zwei unterlassen worden, solche und dergleichen Affenspiel nicht mehr achteten, sondern verspotteten und verlachten.“

Ähnlich schildert ein ebenfalls aus der Reformationszeit stammender Bericht diese Feier für Leipzig:[4230] „Die Oster-Nacht brachte man meists in der Kirche mit allerhand Devotion zu, nach deren Endigung kam ein Pfaffe in Gestalt des aufferstandenen Heylandes an die Kirch-Thüren, schlug mit einen Creutz gantz ungestüm an die selbigen und verlangete eingelassen zu werden. Worauff sich in der Kirche ein gressliches Geschrey und Geheule erhub, gleich als ob es die Hölle und in derselben lautter Teufel wären, welche sich für der Ankunfft Christi, als der nunmehre ihr Reich zerstören würde, also fürchteten, biss endlich unter solchen Tumult die Kirchtüre auffgieng, und der eindringende Sieges-Fürst etzliche von den Pforten verjagete, etliche aber in Fesseln schlug, welche dann gresslich schrien, dahingegen die aus der Höllen Gewalt erlöseten Seelen in ihren in weissen Kleide prangenden und auffahrenden Erlöser mit Freuden nachfolgeten.“

Einige Zeugnisse für diesen Kirchenbrauch stammen aus der Schweiz.[4231] Ausführlich schildert ihn die Kirchenordnung von Schwyz aus dem Jahr 1588. Im Freiamt hieß er „im Ostertüfel chlopfe“ und war auf den Palmsonntag gelegt, in Beromünster übte man ihn „am Abend von Karsamstag, wobei den Teufel darstellende Leute in der Kirche mit Ketten lärmten“. In Lunkhofen (Aargau) war er noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich, wobei sich die Frage des Sigristen auf das Klopfen des Pfarrers zur Formel „Mi sex ist sex glori“ abgeschliffen hatte.

Noch mehr humoristisch verfärbt ist der Bericht, den Anton Birlinger für das schwäbische Rottenburg gab.[4232] Dort „ging man am Ostermorgen in aller Früh mit der Prozession dreimal um die Kirche herum. So oft man an das Hauptthor kam, fragte der Priester. Das erste Mal rief er: ‚Wer ist drinnen?‘ Innen rasselte und tobte es; der Teufel, mit seinen Ketten um sich werfend, fragte von Innen heraus: ,Wer da draußen?‘ Der Priester antwortete: ‚Der König der Glorie!‘ der Teufel: ‚Nex König der Glorie, nex König der Glorie‘, und schlug und rasselte noch viel furchtbarer. Das dritte Mal endlich ging die Pforte auf, der Teufel sprang davon und man sah ihn nirgends mehr“.

Archivalisch ist der Brauch wenigstens andeutungsweise in den Kirchenrechnungen des mittelfränkischen Seussling belegt.[4233] 1650 heißt es dort: „1 Pfd. 4 pf. dem gegeben, so in der Ostermetten den Luzifer vorgestellt“, und 1693: „1 Pfd. 2 pf. jenen, welche die Ostermetten den Teufel agirt haben“.

Wie verschmolzen mit der Pumpermette erscheint dieser Akt im niederrheinischen Calcar. Dort machte man in der Nicolai-Pfarrkirche mit den Sitzbrettern der Chorstühle einen Höllenlärm, womit man anlässlich der Höllenfahrt Christi „die Hölle stürmen“ wollte.[4234] Es lässt sich denken, dass der Höllenspektakel dieser Szene dem Pumpern in den Finstermetten Anregung und Nahrung gegeben hat. Im Übrigen lag es auch nahe, dass beide Erscheinungen in der Erinnerung späterer Berichterstatter zusammengeworfen wurden.

Wenn wir vorhin die vermutete untere Zeitgrenze der Pumper- und Rumpelmetten festgelegt haben, so müssen wir nun noch nach ihrer oberen fragen. In den Gebieten, in denen die Reformation sich durchgesetzt hatte, verschwanden sie mit den meisten anderen Kirchenzeremonien in kurzer Zeit. Aber auch in den katholisch verbliebenen Gebieten verloren sie offenbar nur wenige Jahrzehnte danach ihre spätmittelalterliche Ausformung wieder und wurden, wohl in Verbindung mit den Reformtendenzen des Konzils von Trient wieder in strengere kirchliche Zucht genommen und auf gemäßigte Formen zurückgeführt. Ihre Bezeichnungen aber blieben dabei erhalten. Dass das sicherlich sehr populär gewordene Lärmen und Toben der Pumpermetten wieder verschwand, ging, wie es scheint, nicht auf strikte Verbote, sondern darauf zurück, dass die (nicht ganz richtig) als Gegenreformation bezeichnete Periode eine ganze Reihe sehr allgemein durchgeführter Neuerungen im kirchlichen Brauchwesen schuf, die sich rasch durchsetzten, die Akzente verschoben und der in der Zwischenzeit stark verminderten religiösen Aktivität der Laienschaft wieder neue Möglichkeiten boten: die Ausgestaltung der Ölbergandachten, die Bußumgänge am Gründonnerstag, die figurierten Karfreitagsprozessionen mit ihren eingefügten dramatischen Szenen aus dem Leiden Christi, die dann zu einer neuen Blüte des Passionsspiels führten.

11.17.2.6. Lärmbräuche um den Judas

Schon vor dem aber hatte sich das Lärmen und Toben außerhalb der Kirche selbständig gemacht, in den Umzügen der Klapper- und Ratschenbuben, und außerdem war die Symbolgestalt des Verräters Judas, dem das Rumoren in den Finstermetten ja zuvorderst galt,[4235] nun zu einer leibhaftig dargestellten Figur des Volksbrauchs geworden.[4236] Das Umziehen mit Lärmgeräten erscheint zuerst als Aufforderung zum Besuch der Pumpermetten bei Sebastian Franck und Kirchmayer-Waldis, als Ausjagen des Judas bei Enoch Widmann, Fischart[4237] und Gryse.

Die Verbindung des Judasjagens mit den Pumpermetten ist durch Paul Drechsler, z. T. nach einer älteren Quelle, auch für Schlesien bezeugt.[4238] Es ist dort zuerst das Auslöschen der Kerzen geschildert, und dann heißt es, dass „in früheren Zeiten“ auf ein Zeichen des Kirchendieners hin „die zahlreich versammelten Knaben mit Klappern, Schnarren und eigens dazu hergerichteten Schubkarren einen ohrenzerreißenden Lärm begannen, wodurch das Erdbeben beim Tode Christi veranschaulicht werden sollte. Daher war auch der Ausdruck ‚Pumpermetten‘ unter dem Volk gebräuchlich. In noch früheren Zeiten erschien beim Auslöschen der letzten Kerze der Glöckner als Judas mit einer roten Weste bekleidet und wurde von der Jugend unter großem Lärm aus der Kirche getrieben“. Sehr ähnlich war ein langlebiger Brauch, von dem Anton Peter 1845 aus Österreichisch-Schlesien berichtete:[4239] „Noch vor wenigen Jahren wurde in Wagstadt am Mittwoche in der Charwoche der Judas ausgetrieben. Nachdem die Metten in der Kirche beendigt waren, trat der Kirchendiener mit einer großen Klapper in der Hand hinter dem Altare hervor und klapperte dreimal. Vordem schon hatte sich ein Knabe, als Judas mit einer roten Weste bekleidet, nebst den übrigen Schulkindern des Ortes vor der Kirchenthür aufgestellt. Kaum war das Zeichen mit der Klapper gegeben, so lief der Knabe in der rothen Weste eiligst davon. Die versammelten Kinder, mit Klappern und Schnarren, den bekannten hölzernen Lärminstrumenten versehen, verfolgten ihn unter großem Geschrei bis vor die Stadt, wo er in dem sogenannten Ruthengange sich gefangen gab und von den Knaben unbarmherzig geschlagen wurde, weil er den Erlöser verkauft“.

Recht deutliche Anklänge an die Pumpermetten selbst zeigte das Judasjagen im Sauerland nach Friedrich Wilhelm Grimme:[4240] „In einzelnen Ortschaften versammeln sich am Abend vor Ostern die Schulknaben und ‚Schnurrburschen‘ in der Schule, um ‚den Judas zu jagen‘. Sie suchen sich bei Rätseln und Märchen wachzuhalten; wer aber einschläft, den nagelt man mit seinem Kittel oder Rock auf der Schulbank fest. Sobald um 12 Uhr nachts das erste Glockenzeichen der Auferstehung vom Kirchturm erschallt, trampeln alle, die wach geblieben, auf dem Boden, trommeln auf den Bänken, klappern mit den Holzrasseln, die an den Kartagen in Gebrauch sind, und fahren mit Geheul zur Tür hinaus. Die Schläfer springen gleichfalls auf; doch, o weh! sie sitzen fest an der Bank, und Kittel oder Rock geht in Fetzen“. Auch in der Eifel pflegten die Buben, wenn der Priester am Ostermorgen nach dem dreimaligen Umgang in die Kirche eintrat, „ein Gepolter zu erregen, was man das ‚Jaudesjagen‘ nannte“.[4241]

Im ladinischen Vermiglio lebt bis 1863 die „Poltermette“ in folgender Form weiter: „Zu den nachmittägigen Lamentationen am Mittwoch, Gründonnerstag und Karfreitag versammelte sich auch die ganze männliche Schuljugend vor dem Presbyterium der Pfarrkirche, ausgerüstet mit Brettern, Schlegeln und Ratschen. Nachdem der letzte Ton der Klagelieder verklungen und die letzte Kerze verlöscht war, setzten die Buben auf ein vom Lehrer gegebenes Zeichen gleichzeitig ihre in Bereitschaft gehaltenen Lärminstrumente in Tätigkeit und erzeugten einen wahren Höllenlärm. Man nannte dies auch ‚den Juden erschlagen‘“.[4242] Dieser Bezeichnung entspricht (abgesehen davon, dass hier Judas zum Juden schlechthin geworden ist) im Wallis der Ausdruck „tuer le Judas“.[4243]

Einige brauchtümliche Sonderformen, die im rheinpfälzischen unteren Bliestal noch um 1870 lebendig waren, hat Max Ruppert zum Judasjagen am Karmittwochabend (!) mitgeteilt:[4244] „Die Schulbuben, die während der kommenden stillen Tage anstelle des Läutens das Klappern besorgen, stellen sich nach der Abendandacht an der Kirchentüre auf. Alle haben ihre Klappern bei sich, hölzerne Lärminstrumente von dreierlei Art: 1. die ‚Ratsche‘ oder ,Schnurre‘, die an einem Stiel geschwungen wird; 2. die eigentliche Klapper, an der mit einer Drehe 3–4 Hämmer in Bewegung gesetzt werden können, die auf ein waagrechtes Brett aufschlagen und 3. der König der Lärminstrumente und Stolz ihrer Besitzer, der ,Bollerkaschde‘ (Polterkasten), der zur Erhöhung seines Lärmvermögens mit Eisen, Blech und Glasstücken gefüllt ist. Der ,Judas‘ nun, der Anführer der Jungen vom vorigen Jahr, hat seine Klapper am Griff der Kirchentüre aufgehängt. Auf ein gegebenes Zeichen beginnt unter ohrenzersprengendem Geklapper und Geschrei ein wildes Rennen um die Kirche, und zwar der Judas voraus. Gelingt es ihm, nach dreimaligem Umlauf der erste zu bleiben, seine Klapper zu erhaschen und das Kircheninnere zu gewinnen, so ist er Sieger und für die betreffende Karwoche wieder der Judas. Andernfalls wird er abgesetzt und darf während der laufenden Karwoche überhaupt nicht mitklappern.“

In der ehemaligen auslandsdeutschen, von Saarpfälzern begründeten Siedlung Lenauheim im rumänischen Banat wurde derjenige der „Ratscherbuben“, der am Morgen als Letzter kam, „Judas“ genannt.[4245]

Im Jičiner Kreis in Böhmen musste am Karmittwoch, Gründonnerstag und Karfreitag ein rothaariger Knabe den Judas vorstellen; er wurde von den anderen gejagt, mit Schmutz beworfen und, wenn er sich fangen ließ, geschlagen. Die tschechische Bezeichnung dafür bedeutete Judastreiben.[4246]

Den gejagten Judas verfolgten Spottgesänge. In diesen lebte ein Kirchenlied des 14. Jahrhunderts „Ach du armer Judas, was hast du getan?“, das nach der Mondseer Handschrift „in der vinstern Metten“ gesungen worden war, weiter.[4247] Noch den alten Zusammenhang verrät Martin Luther in seinem Sermon von der Betrachtung des heiligen Leidens Christi 1519: „Zum ersten gedenken etliche das Leiden Christi also, daß sie über die Juden zornig werden, singen und schelten über den armen Judas“.[4248] Als Spottlied erscheint es zum ersten Mal 1492, als Kaiser Maximilian es den Ratsherren von Regensburg (nach ihrem Abfall) von seinen Trompetern auf einem Donauschiff blasen ließ,[4249] 1521 wurde es auf Thomas Murner gemünzt,[4250] später auch noch auf andere. 1534 sagt Sebastian Franck von den katholischen Geistlichen: „man schreibet reimen von ynen in die würtzheüser, man singt von ynen, wie über den armen Judas“.[4251] Die schon einmal genannte Leipziger Quelle des 17. Jahrhunderts berichtet:[4252] „Des folgenden Tages (Karsamstag), ehe der Himmel grauete, kamen die Jungen aus allen Häusern herfür, hatten Klappern und Schellen, durchstrichen alle Kirchen und Gassen und schrien mit vollen Hälsen einen dem Verräther Judä zum Spott gemachten Gesang her, biß es wieder begunte Nacht zu werden.“

Im unterfränkischen Eibelstadt[4253] meldet die Bürgermeisterrechnung von 1651: „22 dl. für holz alß mann den Armen Judaß verbrent.“ Von der symbolischen Verbrennung einer Judaspuppe wird gleich noch mehr zu sagen sein. Im gleichen Ort war der Judas auch leibhaftig aufgetreten, nämlich bei der Fußwaschung am Gründonnerstag. Dazu sagen die Bürgermeisterrechnungen von 1661 und einigen Jahren danach: „1/8 [Anm.: Eimer] 6 mas auf den heyligen gruenen donnerstag denen 12 jüngern altem gebrauch nach jdem 1 maas, worunder der Judas doppelt empfangen.“ Karl-S. Kramer hat diese Belege bereits veröffentlicht und richtig kommentiert, auch auf eine von Hoffmann-Krayer gelieferte Parallele in Beromünster hingewiesen, bei der nach der Fußwaschung ein den Judas darstellender Chorknabe Münzen unter das Volk warf.[4254] In diesem Zusammenhang gehört noch eine von A. Birlinger bekannt gemachte Brauchübung von Schwäbisch-Gmünd.[4255] Dort durften am Gründonnerstag die zwölf ärmsten Männer in grauer Kleidung in allen Häusern betteln gehen, wobei einer als Judas mit einer Handbüchse voranging.

Vom „armen Judas“ ist in den Stadtkammerrechnungen von Weilheim,[4256] die schon für 1577 und 1578 ein weltliches, vom Rat mit Holz beliefertes Osterfeuer erwähnen, nach 1700 einige Male die Rede. Unter den Ausgaben für Tagwerker und Zimmerleute nämlich ist auch ihre Arbeit „beim armen Jaudis“ verrechnet; einmal heißt es bei diesem Anlass „um eine Gmains Pruggen“, wohl eine Art Podium für die Zuschauer. 1750 aber steht dafür: „Von der Aufmachung des Jaudis, weill es abgeschafft worden, dazu nihil“, (ebenso 1751 mit dem Zusatz „von höchster Stelle“).

Für das schweizerische Unterwalden ist das alte Lied „Ach du armer Judas ...“ in diesem Zusammenhang noch für den Anfang des 19. Jahrhunderts bezeugt.[4257] Im Ochsenfurter Gau hat sich bis heute der Ruf erhalten: „Judas, was hast du getan? Du hast den Herrn verraten, darum wirst du gebraten am Karsamstag!“[4258] Eine merkwürdige Kontrafaktur hat der Judasspott in Kinsau bei Schongau erfahren.[4259] Das Verbrennen eines Strohmanns ist dort durch einen Pfarrbericht von 1775 bezeugt. 1906 wird als noch lebendiger Brauch angegeben, dass die Dorfbuben zu Fasnacht drei dürre Tannen schlagen durften und diese am Funkensonntag (oder neuerdings am 1. Mai) auf einer Höhe aufrichteten und anzündeten. Sobald sie lichterloh brannten, „wurde eine eigenartige ‚Litanei‘ in das Tal hinabgeschrieen. Alle: Judas, Jaudas, Deos! Rufer: Wo ist das Fleisch? Alle: Die Katze hat es gefressen. Wo ist die Katze? Der Hund hat sie verjagt. Wo ist der Hund? Der Schlegel hat ihn erschlagen. Wo ist der Schlegel? Das Feuer hat ihn verbrannt. Wo ist das Feuer? Das Wasser hat es gelöscht. Wo ist das Wasser? Der Ochs hat es gelabt. Wo ist der Ochs? Der Metzger hat ihn geschlachtet. Wo ist der Metzger? Der Metzger ist nach Mindelheim und kommt sein Lebtag nimma heim. Judas, Jaudas, Deos!“ Es ist ein bemerkenswertes Zeugnis für das Zerspielen und Vermengen verschiedener Brauchformen.

Der Name des Judas blieb da und dort an der Brauchübung der Ratschen- oder Klapperbuben haften, und zwar nicht nur an ihrem Anführer wie in der Rheinpfalz, sondern auch an ihren Lärmgeräten.[4260] In den Kirchenrechnungen von Kleinochsenfurt (1611, 1612, 1613, 1615 und 1617) und von Eibelstadt (1668) sind „Judastafeln“ erwähnt, in denen von Eibelstadt auch noch (1637, 1639, 1653, 1657, 1659, 1667, 1670, 1676, 1677) ein „Judaskarren“, identisch mit der ebendort (1628, 1635, 1638, 1649 [Rumpelkasten], 1663, 1666, 1668, 1671, 1673, 1674, 1681, 1690, 1711), in Frickenhausen 1665 und in Randersacker 1726 vorkommenden Bezeichnung „Rumpelkarren“. Es ist die auf Räder gesetzte Großform der Ratsche.

Das Austreiben und Jagen des Judas war, wie einige der Belege schon zeigten, verbunden mit dem Verbrennen des Judas, d. h. einer Puppe, oder auch nur mit einer Personifizierung des (nichtkirchlichen) Osterfeuers.[4261] In diesen beiden Brauchformen des Jagens und Verbrennens nun liegen einmal eindeutige Umwandlungen alter jahreszeitlich-naturkultischer Bräuche vor, nämlich der des Winter- und Todaustreibens und -verbrennens.

Zu diesem ehedem weitverbreiteten Brauch[4262] seien nur noch einige späte Zeugnisse aus Bayern angeführt. Für das Gebiet des Rentamts München erfolgte im Zuge der zahlreichen brauchfeindlichen Erlasse der Aufklärungszeit am 19. Juli 1749 ein generelles kurfürstliches Verbot,[4263] von dem wir die Weilheimer bereits betroffen fanden. Es lautet: „Demnach Wür in vill weeg ganz glaubwürdig, obwohl zu Unsern höchsten Mißfahlen berichtet seint, wasgestalten besonders die ledige Paurn Pursch mit dem dermahlen an denen mehristen ohrten Unserer Churlandten alliährlich hergekommenen so genannten Judas oder Jaudas feur auf den Heyl. Osterabent bey der Urständt Christi allerhand Superstitiones und ärgerliche Insolentien zu veryeben pflegen, so aber ohne schwere belaidigung der unendlichen Majestätt Gottes, wan auch sonst all ander zeitliches unheill in specie die gemainiglich obschwebente feurs gefahr außer acht gelassen werden wolte, niemahlen ablauffen und Wür ebendarumben aus christlicher fürsorg und tragenten Regierung pflichten keineswegs derley ärgerliches wesen längershin verstatten können. Als[o] ist Unser gnädigister befelch und Wüll hiemit, das diser bisher eingeführt so Seel und Leib verderblicher Gebrauch des bemelten Jaudesfeur sambt all unterloffnen aberglaubischen gewohnheiten in Zuekonfft allerohrten Unserer Churlandten und auf ewige Zeiten bey Vermeydung der in Unserem wider die aberglauben, zauberey, hexerey und andere teufelskünsten erneuerten landtgebott de dato 13. april 1746 bestimbt und gesezten straffen gänzlichen abgethonn und verworffen seyn solle.“

1784 ist auch für das mittelfränkische Neustadt an der Aisch ein vorangegangenes Verbot des „Judasfeuers am Osterabend“ bezeugt.[4264]

Eine Schilderung des Brauches, wie er bis zur polizeilichen Abschaffung um 1800 im oberbayerischen Althenneberg geübt wurde, brachte Friedrich Panzer.[4265] Er erfuhr von dem Brauch auch noch aus der Freisinger und Erdinger Gegend und verwies auf die von Wolf[4266] mitgeteilten Begehungen am Rhein, im Harz, in der Altmark, Braunschweig, Hannover und Westfalen. Bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts erhielt sich der Brauch des „Ostermanns“ oder „Judasbrennens“ auch in der Holledau, darüber hinaus noch in der Forchheimer Gegend.[4267] Eine Schilderung des „Jaudes“ aus dem Jahr 1911 für Eisensdorf (Aichach) brachten die Deutschen Gaue.[4268] Gegenwartsbelege für das „Judasfeuer“ liegen für das Gebiet Dachau–Aichach–Schrobenhausen vor, im unterfränkischen Eibelstadt wird das kirchliche Osterfeuer noch so genannt.

Im Schwäbischen ist der Brauch vom Karsamstag vielfach auf die Mitte der Fastenzeit, auf den Sonntag Lätare, oder noch weiter zurück, auf den Sonntag Invocavit, abgewandert.[4269] Auf Karte 25 des Atlas der Deutschen Volkskunde, welche die Verbreitung der Jahresfeuer um 1930 zeigt, konzentriert sich die Bezeichnung „Judasfeuer“ im Wesentlichen auf die nördliche Hälfte von Bayerisch-Schwaben und dann auf ein zweites, doch minder dicht belegtes Gebiet in Schlesien.

Während sich also die Lärmaufzüge um die Gestalt des Judas, deren Entwicklung hier verfolgt wurde, selbstständig gemacht und in einen alten Komplex des Volksbrauches eingefügt hatten, blieb der Begriff Pumper- und Rumpelmette, auch nachdem der Kirchenbrauch das Element des übersteigerten Lärmens abgegeben hatte und zum symbolischen Ritus zurückgekehrt war, lebendig.

Abraham a Sancta Clara konnte ihn als Vergleichsbild verwenden, wenn er in einer Mahnpredigt über Ehestand und Familienleben (1680) sagt:[4270] „Liebe Eltern / es seynd euch nicht unbekannt die H. Ceremonien / deren sich die Catholische Kirch in der H. Charwochen gebrauchet / unter andern ist auch die H. Metten / welche da wegen großen Getümmel insgemein die Pumper-Metten genennt wird; sagt mir aber / wann pflegt man in derselben zu schlagen? Ihr antwortet: damalen / wann die Leuchter ausgelöscht seyn / dort geht das Schlagen an: Last euch dies ein Lehr seyn / wann die Tugenden in euren Kindern auslöschen / und nicht mehr wollen in guten Sitten leuchten / da schlagt darein / und sparet die Ruten nicht / dann auf solche Weis rettet ihr dero Seelen von der Höll [...]“ Oder bei anderer Gelegenheit, wenn P. Abraham von der Anschauung spricht, dass Sterbende sich durch Klopfen melden:[4271] „Gleich wie auch in der Char-Wochen nach Auslöschung der Kertzen auff dem dreyeckigten Leuchter, pflegt ein Getöß und schlagen zu geschehen, worvon die Metten den Namen schöpffet die Pumper-Metten, also geschichts mehrmahlen, wann unsere Freund und Anverwandten mit Tod abgehen, und gleichsam wie die Kertzen auslöschen, daß nachmals im Hauß ein Tumult zuweilen gespürth wird, welches meistens dahin deutet, daß wir ihnen in jener Welt sollen ein Hülff leisten.“

Der anonyme Regensburgische Übersetzer und Bearbeiter geistlicher Unterhaltungen des italienischen Jesuiten Joannes Stephanus Menochius fügt 1696 die volkstümliche Bezeichnung anachronistisch in eine Verordnung des Papstes Innocenz III. (1198–1216) ein, die den Juden befahl sich in der Karwoche nicht auf den Straßen zu zeigen:[4272] „An denen Tagen der Traur- oder Pumper-Metten und deß Leydens deß Herrns sollen sie (die Juden verstehe) ins offentliche gar nicht herfür gehen [...]“

Bildlich verwendet den Begriff noch 1794 Josef Richter in seinen Eipeldauer Briefen, wenn er in einem Bericht vom Wüten der Französischen Revolution schreibt:[4273] „Es ist halt noch d‘wahre Pumpermetten; nur löschen s’jetzt gleich immer ein Dutzend Lichter auf einmahl aus.“ Literarisch, als historisch-folkloristisches Detail, verwendet ihn der altbayerische Pfarrer und Historiker Anton Nagel (ein väterlicher Gönner Andreas Schmellers) in seinem Schauspiel „Der Bürgeraufruhr in Landshut“[4274] (1807). Das Stück spielt im Jahre 1410, der erste Aufzug am Vorabend des Karfreitags. Bei der Zusammenkunft einiger Bürger hört man laut Regieanweisung „das Klappern und Räthschen der Pumpermetten von der Ferne“. Dann kommen drei Männer aus der Kirche dazu und sprechen von der Mette, nun ganz im Sinne der Aufklärung, wobei auch eine Wendung von Enoch Widmann nachzuklingen scheint. Da sagt ein Schneider: „Stadtschreiber! Du liest die Bibel, Gottes Wort! Was will der dreispitzige Leuchter in der Pumpermetten? Warum löschte der Küster eine Wachskerze nach der andern so sparsam aus und donnerte und hagelte am Ende so grimmig und schrecklich, als ob auch er alle müssigen Pfaffen zum Lande hinausjagen wollte?“ Darauf ein Schmied: „O diese erhalten sich, da an uns allen kneipt und nagt, wie die Dohlen und Fledermäuse auf dem Kirchthurm; heut aber verdienten sie treulich ihren Osterbraten.“ Der Stadtschreiber Fütrer: „Schneider! Sahst du so wenig bey so vielen Wachskerzen? Sie klapperten und papperten Dir’s doch deutsch genug in die Ohren. Dieses Schmettern bedeutet das Leiden unschuldiger Leute und das Zähnklappern der Schurken, wenn sie Gott, wie der Mesner die Lichtputzen, beym Schopf nimmt“. Noch einmal bedient sich Nagel des Begriffes in einem satirischen Gedicht auf die Stolgebühren:[4275] „Wenn die Pumpermetten leirt, Glaubt der Bauer schon, es scheirt [...]“

In der reichen publizistischen Literatur, die sich in der Aufklärungszeit, auch von kirchlicher Seite her gegen die aus dem Barock weiterlebenden Kirchenzeremonien richtete, spielt die Pumpermette bezeichnenderweise keine Rolle. Die „Bildergalerie katholischer Mißbräuche“ von Joseph Obermayr zum Beispiel erwähnt sie mit keinem Wort.[4276] Ebensowenig erscheint sie in dem umfangreichen Aktenmaterial, das aus dem behördlichen Kampf gegen kirchliche und weltliche Bräuche erwachsen ist. Offensichtlich konnte sie, im Gegensatz zu anderen Karwochenbräuchen, den Ölbergandachten, den Heiligen Gräbern, den Büßerumzügen, Karfreitagsprozessionen und Passionsdarstellungen keinen Anlass zur Beanstandung mehr geben. Gehalten aber wurde sie immer noch. In Tagebuchaufzeichnungen eines Salzburger Studenten ist die „Bumpermötten“, die 1747 im Dom zu Salzburg unter Amtierung des Bischofs von Chiemsee begangen wurde, ziemlich genau beschrieben.[4277] Ihr Signum war das Auslöschen der Lichter, vom Lärmen verlautet nichts und da der Berichterstatter sonst vom spöttischen Geist des Aufklärers recht stark berührt war, hätte er das kaum zu erwähnen vergessen. Auch 1755 ist die Pumpermette in einem Salzburger Diarium nochmals genannt.[4278] Desgleichen erscheint sie dann und wann in den Akten der Aufklärungskampagne, jedoch, wie gesagt, nicht als Objekt der Kritik, sondern nur nebenher in Rechenschaftsberichten, die mit der Karfreitagsprozession zusammenhingen. So meldet z. B. 1762 der Geistliche von Pfarrkirchen,[4279] dass am Karfreitag die bisher üblich gewesene Prozession nicht mehr stattfinde, sondern nur noch die Andacht am Grab Christi „und zwar nachmittag nach der Pumpper-Metten“. Ähnlich berichtet der Pfarrer von Rohrdorf am Inn:[4280] „Am Mittwoch abends 4 h war die sogenannte Pumpermetten, d. h. das einfallende Breviergebet wurde gesungen, daran schloß sich ein Umgang auf dem Friedhof und ein Kirchengesang, gewöhnlich mit Judas-Gang bezeichnet“; eine Karfreitagsprozession finde nicht statt.

Es trifft nach alledem nicht zu, was Gugitz meinte, dass die Pumpermette schließlich dem aufgeklärten Rationalismus erlegen sei. Es waren vielmehr doch theologische Bedenken, die schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu einer Reform der Karwochenmetten geführt hatten.

Ergänzend zu bemerken bleibt noch, dass die im eigentlichen Sinn historisch gewordenen Bezeichnungen Pumper- und Rumpelmetten (neben Finster- und Düstermetten) auch in den Glossarien des 18. Jahrhunderts (Haltaus 1758, Scherz 1781, 1704[4281] u. a.), in den Landschafts- und Mundartwörterbüchern des frühen 19. Jahrhunderts (Höfer 1815, Westenrieder 1816[4282] u. a.) und dann in den folgenden großen Ausgaben bewahrt blieben.

11.17.2.7. Pumpermette und Pumpernickel

Zum Schluss kehren wir von den Pumpermetten noch einmal zum Pumpernickel und zu Kurt Rankes Aufsatz zurück. Dort (S. 81) [Anm. Kammerhofer: S. 81 bezieht sich auf den Originaltext, hier siehe den Anfang der Abhandlung] ist einmal eine Verbindung zwischen den beiden Begriffen erwähnt. Im Zusammenhang mit der Redensart „den Pumpernickel singen“ für Schlagen wird aus des „Jucundi Jucundissimi Wunderlicher Lebensbeschreibung“ von 1680 als Umschreibung für eine Prügelei zitiert, dass „der Pumpernickel die Metten singt“. Hieher gehören nun auch noch einige verwandte Redensarten.

Einem „die Pumpermetten auf den Buckel halten“ bei Abraham a Sancta Clara[4283] deckt sich mit einer bisher niederdeutsch bezeugten Wendung „mit einem die (rechte) Polterpassion spielen“,[4284] wozu jetzt auch zwei schwäbische Belege aus Nördlingen (1604 und 1606) zu nennen sind: „den Passion mit einem spielen“.[4285]

Um eine Beziehung zwischen der Redensart „einem den Pumpernickel singen“ mit jener anderen: „Wo man den Pumpernickel in der Kirche singt, muß man mitsingen“ herzustellen, hat F. Woeste folgende Vermutung geäußert:[4286] „Eine rohe Soldateska wird ihn [Anm.: einen Gassenhauer Pumpernickel] zuweilen in Kirchen gesungen und andere Leute durch Prügel zum Mitsingen gezwungen haben. Verallgemeinert mußte nun ‚den Pumpernickel in der Kirche singen‘ bedeuten: sich ganz roh und ungebührlich betragen, wozu nebenbei das Prügeln gehörte.“

Einer solchen Konstruktion bedarf es nicht, wenn es einmal eine Gelegenheit gegeben hat, bei der in der Kirche Singen und Schlagen verbunden war, und das traf bei den Pumpermetten zu. Es ist wohl nicht abwegig, sich vorzustellen, dass die Wendung „den Pumpernickel in der Kirche singen“, gleichgültig ob man dabei an ein Lied oder an das Schlagen denkt, zumal in der Verbindung mit der Redensart „wo es der Brauch ist, da singt man den Pumpernickel in der Kirche“, mit der Ablehnung der Pumpermette in der Reformationszeit zusammenhing und aus ihr entstanden sein konnte. Es ist hier daran zu erinnern, wie Burkard Waldis sich in der Schilderung der Pumpermette entrüstete über die „gottlos und lächerlich Gesäng“ (der Reim darauf „heidnisch und gar unnütz Gepräng“ ließe sich unter evangelischem Gesichtspunkt übrigens geradezu in „Pompa diaboli“ zurückübersetzen) und vollends das ungestüme Schlagen musste einer strengeren Auffassung vom Gottesdienst noch weniger verständlich sein. Wo es jedoch der Brauch war, d. h. in den Kirchen des „Papsttums“, da konnte solches eben geschehen.

In diesen Gedankengang fügt sich nun auch noch eine 1555 der Sammlung „Schimpf und Ernst“ des Johannes Pauli zugefügte Geschichte recht gut ein.[4287] Da wird erzählt, wie ein Schweizer Bub, der bisher nur „auf den hohen Alpen“ das Vieh gehütet hatte und „von Jugend auff in keine Kirche ’kommen war“, zum ersten Mal seine Mutter im Heimatort besuchte und von ihr in eine Karwochenmette mitgenommen wurde. „Wie nun die Mutter mit im in die Kirden kam, da sang ein Pfaff nach dem andern sein Ampt, wie denn inn der Karwochen der Brauch ist. Unnd wenn denn ein Pfaff ausgesungen het, so thet man ein Liecht auß, und hub denn ein anderer an unnd sang, und wenn auch der ausgesungen het, so gieng denn aber ein Liecht auß. Das trieben sie so lang, biß schier alle Liecht außgethan wurden. Nu was der einfeltige Schweitzer vor offt hin und wider geweßt bey Zechen in Wiertßheusern und auch etwan bey Schlägerien und hat gesehen, wenn man die Liechter außthet, das man gewonlich darnach einander schluge. Er stund also unnd sahe zu, wie ein Liecht nach dem andern außging. Er hub an unnd sagt zu seiner Mutter: ‚Es wirt ein Lermen geben. Denn ich habs vor mehr gesehen, wenn man die Liechter außthut, das man einander schlegt.‘ Und griff zu sein Schwerdt unnd wolt von Läder ziehen. Die Mutter sagt: ‚Mein Son, was wilt du machen? Es ist so ein Brauch; es geschieht alles zur Ehr Gottes.‘ Je mehr er zusahe, je mehr Liechter außgingen. Er hub wieder an: ‚Mutter, es wirt bey Gottskürn ein Lermen geben‘. Indem het der letst Pfaff sein Ampt volbracht, unnd man thet das lest Liecht auß. Da hub jedermann an zu pochen unnd klopffen, wie denn inn den Bochselnächten[4288] im Bapsttumb der Brauch geweßt ist. Da der Schweitzer das höret, sprach er: ‚Ich habs lang gesagt, wenn man die Liechter außthut, das es Lermen gibt‘. Und springt hinder sich und zeuhet von Läder und lauft zur Kirchenthür hinauß [...]“

Somit ist von der Pumpermette aus eine Beziehung zu Rankes Sinngruppen C und D ohne Weiteres herzustellen. Berücksichtigt man die Funktion der Schülerbuben, so lässt sich auch zu B und im Hinblick auf eine verbreitete Heischeformel, hier auf das Holzsammeln für das Judasfeuer bezogen, schließlich auch zu E eine einigermaßen ungezwungene Verbindung schaffen. Endlich könnte man hypothetisch sich sogar noch für die als jünger geltende Singruppe A in Bezug auf die (früh und lang bezeugten) Brotspenden am Gründonnerstag, einem der Pumpermetten-Termine, und auf die verschiedentlich mit dem Judasnamen verbundenen Ostergebäcke[4289] einen älteren Zusammenhang denken. Das alles ergäbe ganz plausible Erklärungen, aber vorerst fehlt nur eben das entscheidende, beweisende Zwischenglied, nämlich ein Beleg dafür, dass eine der zahlreichen, besonders oberdeutschen Wortbildungen mit -nickel[4290] sich mit den Pumperbräuchen verbunden hätte. Vielleicht taucht es einmal auf, vielleicht aber muss auch dieser Versuch, Möglichkeiten des Zusammenhanges herzustellen, Konstruktion bleiben.

So mag es vorerst ohne weitere Folgerungen mit diesem Beitrag zur Wortfamilie Pumper und mit dem Aufriss zur Geschichte einer merkwürdigen Erscheinung im Bereich des kirchlichen wie des volkstümlichen Brauchtums genug sein.



[4170] [HartmannA 2001], S. 25 ff.

[4171] [Harvolk 1991b], spez. S. 20.

[4172] [MoserH 1991]. – [Harvolk 1991a]. – [Harvolk 1991b]. – [Harvolk 1999], spez. S. 108.

[4173] [Jeggle 2001], S. 68 f. – [Brednich 2001b], S. 84 f. – [Bimmer 2001], S. 452–456.

[4175] [Ranke 1954], S. 79 ff.

[4176] Zu den von Ranke zusammengestellten Zeugnissen liefert noch einen älteren Beleg der Münchener Augustiner [Ertl 1715], S. 955. Er spricht von der Verschiedenheit der Menschen: „Dieser ist starck, jener schwach; dieser lang von Statur, jener ein kleiner Pumpernickel [...]“ – Von den bei Ranke zu E in Fußnote 7 angegebenen Heischeversen ist für Bayern noch zu nennen: „I bin a kloaner Pumpernickl und bitt euch um a Fünferstückl.“ Vgl. [Schien 1931].

[4177] Die einwandfrei datierten ältesten Belege bei [Ranke 1954], S. 85 f. sind von 1610, 1622 und 1627. Ein erster personeller Pumpernickel in Gestalt eines Soldaten konnte jetzt durch Dr. Karl-S. Kramer im Zeitprotokroll von Gerolzhofen (Staatsarchiv Würzburg Stdb. 642 Bl. 381 v) von 1627 ermittelt werden. Eine Dienstmagd wurde von einer Frau in Lülsfeld beschuldigt, „alß wan sie sich mit einem reütter, der Pomper-Nickhel genantt, welcher vor einem jahr bey Clausen Wittman das quartir gehabtt, in vnzuchtt eingelassen haben sollte.“ In der Erwiderung wird dieser Reiter zweimal „Pumpernickhel“ genannt.

[4178] [Koppmann 1878]. Dazu Einsendungen von W. Crecelius in: Korrespondenzblatt des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung 2 (1878), S. 67 f. und S. 91. – [Haslinghuis 1911]. – [Schmeller/Frommann 1872], Bd. 1, Sp. 391 f. – [GrimmJ/GrimmW 1971], Bd. 7, Sp. 2231 und Bd. 8, Sp. 1488. – [FischerH 1904], Bd. 5, S. 480. – [Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1987], Bd. 7, Sp. 851 f. (P. Sartori).

[4179] [Panzer 1848], Bd. 2, S. 554 f.

[4180] [Franck 1534]. – Vgl. [Mackensen 1938], S. 62.

[4181] [Gugitz 1949], Bd. 1, S. 165 ff.: Pumpermette und Karfreitagsratschen. Unter Berücksichtigung der lückenhaften Vorarbeiten ist dieses zweibändige Werk von Gugitz trotz einiger vorzubringender Einwände die beste neuere Darstellung der Jahreslaufbräuche auf geschichtlicher Grundlage.

[4182] [LechnerJ 1953], S. 147 f. – Vgl. auch [Reischl 1854], S. 13 ff.

[4183] [Gugitz 1949], Bd. 1, S. 167.

[4184] Vgl. [Brockhaus 1952], Bd. 3, S. 392. – [LechnerJ 1953], S. 29 f. und öfter. Von den zahlreichen Frühdrucken des Werkes im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek wurde 4° Inc. c. a. 1088 benützt: f. CCIII vb ff.

[4185] Cgm. 512, f. 155 ra ff.

[4188] Zu den folgenden Zeugnissen: Für 1307 siehe [Rothe 1421]. Vielleicht hängt diese Angabe mit der Überlieferung eines Mordfalles zusammen, der zuerst in der 1421 abgeschlossenen Düringischen Chronik von Johannes Rothe berichtet wird. Im Jahre 1307 hatte ein Markgraf Titzmann die sächsische Stadt Pegau eingenommen, das dortige St. Jakobsmünster verbrannt, Kirchenornat und Heiltümer geraubt und sogar das Sakrament verunehrt. Dafür traf ihn die göttliche Strafe: „darumme von deine gerechtin gerichte Gotis wart her [Anm.: er] in der nehisten zcu der dinstermettin, an deine gudin fritage ging und do man dy lichte, noch der gewonheid der heiligen christinheid, leschete, vnder deine gesange benedictus, so quam eyn knecht by en vnde stach eyn messir in en [...]“ Drei Tage danach starb er in Reue über seine Sünden. Hier nach [Mencken 1728], Bd. 2, Sp. 1769. Es ist ganz deutlich, dass der Anschlag in diesem, dem ersten datierten Zeugnis für die Düster- oder Finstermette, sich nur der günstigen Gelegenheit in der finsteren Kirche bediente und nichts mit einem, auch gar nicht angedeuteten, Pumpermettentumult zu tun hat. – Für 1403 siehe [Ochs 1940], Bd. 2, S. 157. – Für 1431 siehe [Chroniken der deutschen Städte], Bd. 1, S. 379. – Zu Nürnberg siehe auch [Herold 1890], S. 49. Dagegen spricht das [Gümbel 1928], S. 20 nur vom „Tafeln“: „Item on dem gründonderstag zu nacht zu der complet und zu dem ave Maria und on dem karfreitag zu der metten und meß und kümplet und on osterabe(n)t zu der kümplet dafelt man albeg um den kirchof.“

[4189] [Crecelius 1875], hier S. 257 f.

[4190] [SchillingA 1887], hier S. 121 und S. 125.

[4192] [Bilfinger 1903] führt die Bezeichnung auf den bei der erneuerten Festlegung der Fastenzeit überschüssigen, ungeraden Tag zurück. – Bei [GrimmJ/GrimmW 1971], Bd. 5, Sp. 2451 f. als dies nefastus, an dem Christus von Judas verkauft wurde. – [HörmannL 1909], S. 53 nimmt als „richtigere ältere Form Grump-Mittich vom Gerumpe in den Pumpermetten“ an. – Im Böhmischen hieß er nach [Reinsberg-Düringsfeld 1862], S. 118 so, „weil die Richter, die nach dem Evangelium an diesem Tag Christus zum Tode verurteilt, das Recht krümmten“. Eine Mecklenburgische Datierung von 1334 „des middewekens, do de vasten den rugge untwey vel“, sich also krumm fiel, gibt [Koppmann 1877].

[4193] [Herold 1890], S. 49. Dagegen spricht das [Gümbel 1928], S. 20 nur vom „Tafeln“: „Item an dem gründonderstag zu nacht zu der complet und zu dem ave Maria und an dem karfreitag zu der metten und meß und kümplet und an osterabe(n)t zu der kümplet dafelt man albeg um den kirchof“.

[4194] [Gugitz 1949], Bd. 1, S. 168.

[4195] [Schlager 1835], Bd. 2, S. 13 f.

[4196] [Gugitz 1949], Bd. 1, S. 167 f.

[4197] [Boemus 1520]. Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek.

[4198] [Birlinger 1874], Bd. 2, S. 160 f.

[4199] [Naogeorgus 1553], Liber IIII, p. 145 f.

[4200] [Naogeorgus 1560], Buch 4, Kap. 91.

[4201] Schnabelklappern sind sonst nirgends genannt. Vielleicht hat B. Waldis hier an die Schnabelmasken in seinem Kapitel „Von der Faßnacht“ gedacht, wo er neben anderen tierischen Maskierungen auch die anführt: „Gleich einem Storck mit schnabel seltzen“.

[4202] [Hospinianus 1593], Bl. 49 r/v.

[4203] [Andree 1910], hier S. 259.

[4204] [Haslinghuis 1911], S. 291. Bei den dort angegebenen Drucken von 1689 und 1698 muss es sich um spätere Auflagen handeln, da die Übersetzung von Weber schon 1639 erschienen ist.

[4205] Vgl. [Zeh 1916], Bd. 2, S. 300.

[4207] [Fischart 1847], S. 298, die im Text folgende Stelle S. 183.

[4208] [Gryse 1593], Kk iii v.

[4209] [Schmidten 1656], S. 386, S. 372, S. 374.

[4210] Staatsarchiv Landshut R 18 F 1025.

[4211] Staatsarchiv Landshut R 18 F 995.

[4212] Stadtarchiv München, Kammer-Rechnung 1520, f. 84 v. Der sehr knapp geführte Ratsprotokollband dieses Jahres enthält nichts Dazugehöriges, das Gerichtsbuch von 1520 ist leider nicht erhalten.

[4213] Stadtarchiv Laufen.

[4214] [Fehrle 1955], S. 122 f. und Taf. 22,1. – In Glogau wurde eine Tonne durch Knaben in lärmendem Aufzug auf den Kirchhof gebracht und mit Steinen und alten Töpfen solange bombardiert, bis sie in Stücke zersprang. Vgl. [Drechsler 1903], S. 94. – Einen Wortbeleg für Rumpelfass von 1511 bringt [GrimmJ/GrimmW 1971], Bd. 8, Sp. 1487.

[4215] Stadtarchiv Wasserburg.

[4216] Pfarrarchiv Deggendorf.

[4217] Stadtarchiv Forchheim. Der folgende Beleg Randersacker: Staatsarchiv Würzburg, Rechnungen 774 ff. (bearbeitet von Dr. Karl-S. Kramer).

[4218] Staatsarchiv Landshut R 18 F 696.

[4219] Kreisarchiv München A. R. 163.

[4220] Gemeindearchiv Eggenfelden.

[4221] [Mitterwieser 1936], hier S. 215.

[4222] Staatsarchiv Landshut R 18 F 773.

[4223] Staatsarchiv Würzburg, Rechnung 16258 (Dr. Kramer). Die in Kirchenrechnungen ohne Bezug auf die Metten enthaltenen Zeugnisse für Karfreitagsratschen und -klappern sind hier nicht mit aufgenommen.

[4224] Vielleicht hängt diese Angabe mit der Überlieferung eines Mordfalles zusammen, der zuerst in der 1421 abgeschlossenen Düringischen Chronik von Johannes Rothe berichtet wird. Im Jahre 1307 hatte ein Markgraf Titzmann die sächsische Stadt Pegau eingenommen, das dortige St. Jakobsmünster verbrannt, Kirchenornat und Heiltümer geraubt und sogar das Sakrament verunehrt. Dafür traf ihn die göttliche Strafe: „darumme von deine gerechtin gerichte Gotis wart her [er] in der nehisten zcu der dinstermettin, an deine gudin fritage ging und do man dy lichte, noch der gewonheid der heiligen christinheid, leschete, vnder deine gesange benedictus, so quam eyn knecht by en vnde stach eyn messir in en [...]“ Drei Tage danach starb er in Reue über seine Sünden. Hier nach [Mencken 1728], Bd. 2, Sp. 1769. Es ist ganz deutlich, dass der Anschlag in diesem, dem ersten datierten Zeugnis für die Düster- oder Finstermette, sich nur der günstigen Gelegenheit in der finsteren Kirche bediente und nichts mit einem, auch gar nicht angedeuteten, Pumpermettentumult zu tun hat.

[4225] Vgl. [IlgJ 1906]. – [Stumpfl 1930], hier S. 35 ff. – [MoserH 1955], hier S. 97 ff.

[4226] [MeyerW 1901], S. 64 Fußnote. – Vgl. auch [Creizenach 1893], Bd. 1, S. 56.

[4227] [Hoeynck 1889], S. 219 f.

[4228] [Zeh 1916], Bd. 2, S. 302.

[4229] [Wirth 1843], S. 113 f. Die Erzählung ist ein typisches Beispiel für jene aus dem Geist der Reformationszeit entstandenen Anekdotenbildungen um das Volksschauspiel, die [SchmidtL 1954a], S. 22 ff. in ihrem geistesgeschichtlichen Zusammenhang behandelt hat.

[4230] [Gräfe 1839], hier S. 60.

[4232] [Birlinger 1861], Bd. 2, S. 81.

[4233] [HaasN 1819], Theil 2, S. 311.

[4234] [Haslinghuis 1911], S. 290. – Die dort angegebene Veröffentlichung [WolffJ 1880], die vielleicht eine ältere Quelle angibt, war nicht erreichbar. Eine in Erlassen der Diözese Köln von 1644 und 1662 gerügte (und ihrem Bearbeiter unklar gebliebene) Erscheinung „insolens et tumultuarium Judeorum vel daemonum exterminium“ dürfte ebenfalls in diesen Zusammenhang gehören. – Vgl. [Schrörs 1907], S. 156. – Das für Köln 1525 und später bezeugte Verbrennen eines Wergbündels (Prück, Perücke), in der ältesten Quelle als Symbol für die Vergänglichkeit des irdischen Lebens bezeichnet, kann kaum, wie es später geschehen ist, auf Judas bezogen werden. – Vgl. [SteinA 1882] und [Bericht Niederrhein 1882], S. 171 f. – Doch ist um 1840 ein brauchtümliches „Judasliedchen“ in Köln aufgezeichnet worden. Siehe [BöhmeFM 1925], Bd. 3, S. 139. – [WolfJW 1852], Bd. 1, S. 74 sagt dazu: „In Cöln half ich noch das Judasfeuer schüren“, als „der Judas, ein (oft angekleideter) Strohmann, verbrannt“ wurde.

[4235] Zu den schon genannten Belegen auch ein Zeugnis für Italien (ohne genaue Angabe) bei [Terzaghi 1908], hier S. 148: „In der Osterwoche pflegen die Kinder, die zum Kirchsprengel gehören, nach der Abendandacht mit Stöcken auf die Bänke der Kirche zu schlagen. Die sozusagen offizielle Erklärung dafür ist, daß in dieser Weise die Geißelung Christi symbolisiert wird. Aber das Volk sagt, daß man Judas aus dem Tempel verjagen will. Judas ist wie Christi böser Geist, und so ist, für die volkstümliche Meinung, mit dieser Handlung eine Reinigung des Tempels verursacht“. Ein „Judas Iscariot Schlagen“ am Karfreitag in der Kirche Santa Croce in Florenz erwähnt [Taylor 1923], S. 167: „All the boys of the city buy on that morning long willow rods tied with colored ribbons, and take them to church. At a certain point in the service, they loudly beat the benches with them“. Taylor fügt hinzu: „Parallels to this customs will be found in abundance north of the Alps, but I have not noted anything similar to this, where there is no burning of an effigy, in the Mediterranean countries“.

[4236] Siehe [Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1927], Bd. 4, Sp. 800 ff., Absatz 5 und 6.

[4237] Außer den genannten Stellen noch zwei Erwähnungen im Gargantua (1594). Vgl. [GrimmJ/GrimmW 1971], Bd. 4. Abt. 2, Sp. 2351.

[4238] [Drechsler 1903], Bd. 1, S. 77 f. Der als Quelle angegebene Jahrgang der Glatzer Vierteljahrsschrift war nicht zu erlangen.

[4239] [PeterA 1865], Bd. 2, S. 282 f.

[4240] [GrimmeFW 1928], S. 161; danach gekürzt bei in [Sartori 1922], S. 153.

[4241] [Schmitz 1856], Bd. 1, S. 27; danach gekürzt in [Wrede 1922], S. 157.

[4244] [Ruppert 1919], hier S. 113.

[4247] [BöhmeFM 1925], Bd. 3, S. 670 f. Reiches Material bringt [Taylor 1920].

[4248] Vgl. [Bronner 1908], S. 131.

[4249] [MoserHJ 1935], S. 216 f.

[4250] Vgl. [BergerAE 1933], S. 52 und S. 117.

[4253] Vgl. [KramerKS 1954], hier S. 158.

[4254] [Hoffmann-Krayer 1913], S. 144. – [Curti 1947], S. 50 f. mit einer Aufnahme des Judas von Beromünster (Abb. 15).

[4255] [Birlinger 1861], Bd. 2, S. 77.

[4256] Stadtarchiv Weilheim. Abweichende Formulierungen: 1712 haben Tagwerker „bei den Gmains Pruggen am Jaudis und wegen der Charfreyteglichen Proceßion am Theatro“ gearbeitet; 1738 wurden „dem Pfendter wegen Aufmachung des Jaudis“ 15 kr bezahlt.

[4257] [MoserHJ 1926], Bd. 1, S. 323.

[4260] Die folgenden Belege aus den Rechnungsbeständen des Staatsarchivs Würzburgs verdanke ich Herrn Dr. Karl-S. Kramer. Sie bieten einige Ergänzungen zu [KramerKS 1954].

[4261] Für das Osterfeuer (außerhalb der kirchlichen Feuerweihen), das vielfach als hauptsächlich niederdeutsche Braucherscheinung angesehen wird, ließen sich auch aus bayerischen Archivquellen nicht wenige Belege finden. – Geschichtliches Material bringt [Plath 1938] Darin u. a. ein Bericht aus dem Amt Lauenstein für die Zeit um 1700, in dem es heißt, dass an drei Orten die Teilnehmer mit weißen Stäben zum Feuer gingen, „und wenn bei dem Singen man an das Halleluja kommen, haben ihrer zwei oder vier Personen mit den Stäben oder Stöckern, gegen einander überstehend, aneinander geschlagen und ein Geklapper gemacht [...]“ Entgegen der Vermutung Plaths, dass hier eine „Abart eines alten Keulen- oder Schwerttanzes“ vorliege, dürfte auch hier an den Zusammenhang mit den Klapperbräuchen um die Gestalt des Judas zu denken sein.

[4262] Vgl. [Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1927], Bd. 4, Sp. 800 ff., Absatz 5 und 6. – [Freudenthal 1931], S. 274 f.

[4263] Kreisarchiv München G. R. 1206 Nr. 1.

[4265] [Panzer 1848], Bd. 1, S. 212 f. und Bd. 2, S. 530.

[4266] [WolfJW 1852], Bd. 1, S. 74 f.

[4267] [Bavaria 1860], Bd. 1, S. 1002 f. und Bd. 3, S. 357.

[4268] [Deutsche Gaue], Bd. 15 (1914), S. 125.

[4269] Nach [ReiserKA 1895], Bd. 2, S. 99 hieß das Funkenfeuer „Jaudasbrennen“ in Bernbeuren, Burggen, Altenstadt und Umgegend. – [Eberl 1934]. – Das Abbrennen des Judas am Sonntag Invocavit „noch vor einigen Jahren“ bei Schongau nach [HofmannS 1953]. – Vgl. [Panzer 1848], Bd. 1, S. 212 f. und Bd. 2, S. 530.

[4271] [Abraham 1710], Bd. IV, S. 223. Freundlicher Hinweis von Herrn Insp. Robert Böck.

[4272] [Menochio 1696], Bd. 1, S. 5.

[4273] [RichterJ 1917], Bd. 1, S. 179.

[4274] [Nagel 1807], hier S. 15 f.

[4275] [Blümml 1912], hier S. 285. – Zu scheirnschauern, hageln siehe [Schmeller/Frommann 1872], Bd. 2, Sp. 450.

[4276] In [Obermayr 1913] wird die Pumpermette nicht genannt.

[4277] [MartinF 1937], hier S. 37.

[4278] [MartinF 1938], hier S. 135.

[4279] Stadtarchiv Pfarrkirchen Nr. 681.

[4281] [Scherz 1781], Bd. 1, Sp. 393 und Bd. 2, Sp. 1247 und Sp. 1333. – Vgl. [Gugitz 1933], hier S. 68.

[4283] Vgl. [GrimmJ/GrimmW 1971], Bd. 7, Sp. 2231.

[4284] [GrimmJ/GrimmW 1971], Bd. 7, Sp. 1993.

[4285] Stadtarchiv Nördlingen, Urfehdebuch 1601–1608, Bl. 1401 und 2440, bearbeitet von Dr. Karl-S. Kramer.

[4287] [PauliJ 1924], Bd. 2, S. 89 f. – Diese Geschichte, die noch eine Fortsetzung hat, in der am nächsten Tag der einfältige Schweizerbub den vor dem Altar liegenden Kruzifixus für einen im Tumult Erschlagenen hält, und dann bei einer Belehrung durch einen Geistlichen sich darüber wundert, dass man sich des Todes Christi nach 1500 Jahren noch erinnere, während der Soldatentod seines Vaters vor 40 Jahren schon von der ganzen Eidgenossenschaft vergessen sei, gab Hermann Gülfferich seiner Umarbeitung von „Schimpf und Ernst“, Frankfurt 1565, bei. – Vgl. [PauliJ 1924], Bd. 2, S. 20 f. – Eine ähnliche Geschichte von einem Schweizer Alpbuben, der auf den ihm unbekannten Palmesel trifft, findet sich schon 1509 bei Bebel. – Vgl. [Bebel 1907], Bd. 1, S. 81. Ebenfalls bei [Bebel 1907], Bd. 1, S. 80 ist das Kruzifix-Motiv noch in folgenden, unmittelbar zu unserem Thema gehörigen Schwank hineinverarbeitet: „Ein Schweizer, der sich der Viehweide halber allweg im Gebirge aufhielt und drum gar selten in die Kirche kame, ging einmal in der heiligen Wochen, überredt von seinen Nachbarn, in die Metten. Wie dann auf einmal die Lichter ausgelöscht wurden, und sich ein Grumpel und Gepolter erhebet, was denn gedichter Weis gehalten wird, anzuzeigen, wie Christus von den Juden sei gefangen worden, zoge der Bauer sein Schwert heraus, stund in ein Ecken und forcht sich übel. Als man aber die Lichter wieder angezündet hätt, rief er sein Nachbarn mit Geschrei und fraget ihn, ob er nicht verwundet wäre. In dem ersah er die Pfaffen das Bild des Gekreuzigten tragen, da er das Bildnis nicht kennet, saget er: ‚Ich dacht wol, ein solch Getümmel wird nicht hingehn ohne Todschlag.‘“ Diese Fassung ist mit der vorangesetzten (gekürzten) Palmesel-Geschichte eingegangen in die von Christian Egenolff unter weitgehender Verwendung von Pauli 1545 herausgegebenen Schwanksammlung ([PauliJ 1924], Bd. 2, S. 48). Das Mittelstück lautet: „Darnach am grünen Donnerstag ließ er sich bereden, daß er beichtet unnd des Abents inn die finster Metten gieng. Wie man nun aber eyn Liecht, wie der Brauch, nach dem anderen außthet, griff er zu seinem Schwerdt, gieng zur Kirchen auß, sprach überlaut: ‚Da wil ich nit bei sein‘. Wie er hinaußkam, hebt sich das Geböch und Judasschelten in der Kirchen an. Sprach er: ‚Das hab ich wol dacht; bin mehr dabei gsin, wann die Liechter außgiengen, daß es Kappen gab.‘“ Danach noch kurz die Kruzifixgeschichte.

[4288] Die schweizerischen Bochselnächte sind sonst die Klöpfelsnächte vor den Donnerstagen im Advent. Doch kommt statt der in der Schweiz üblichen Bezeichnung Rumpelmette in Rüti (St. Gallen) boxlen für pumpern vor und im Wallis heißt die Pumpermetten Bollmetti. Vgl. [Hoffmann-Krayer 1940], S. 132.

[4289] Vgl. [Höfler 1906], S. 11 und S. 19. – Auf S. 32 wird das oberfränkische Osterbrot mit dem Pumpernickel in Verbindung gebracht.

[4290] [Schmeller/Frommann 1872], Bd. 1, Sp. 1722. – Vgl. auch [Birlinger 1875], hier S. 263 f. – Dazu noch „Fosnachtnigl“ in Mittelfranken, siehe [Rühl 1952], hier S. 92. – „Thomasnigl“ im oberösterreichischen Mühlviertel und niederösterreichischen Waldviertel, siehe [SchmidtL 1954b]. – „Komißnickl“ (für Soldatenbrot) in Tirol, siehe [Andresen 1919], S. 332. – Weitere -nickel/-nigl-Zusammensetzungen bei [Höfler 1899], S. 447 f.

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