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3.9. Wetterschießen und Wetterläuten (Andrea Bleyer)

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3.9.1. Wetterbräuche zum Schutz und zur Abwehr

Von der Vergangenheit bis heute beeinflusste das Wetter das Leben der Menschen – es war damals wie heute allgegenwärtig. In einer Zeit, in der das Wissen über Wetter Beobachtungswissen war und noch wenig mit physikalischem und meteorologischem Wissen zu tun hatte, war das Wetter mit seinen verschiedenen Begleiterscheinungen noch bedrohlicher als heute. Es hatte für das Überleben einer vorwiegend von der Landwirtschaft abhängigen Gesellschaft große Bedeutung. Eine durch Hagel zerstörte Ernte konnte den Untergang bedeuten. Soziale Netze, die heute das Überleben sichern, fehlten.

Vor allem Hagel- oder Schauerwetter waren sehr gefürchtet. Um sich vor Wetterschäden zu schützen, praktizierten die Menschen verschiedenste Maßnahmen zum Schutz und zur Abwehr. Auf diese Weise entstanden viele Bräuche, in denen sich Aberglaube und Glaube mischen. Lärm galt als effektives Mittel, das Wetter zu beeinflussen. Metallenen Gegenständen schrieb man dabei eine besondere Wirkung zu. Bereits im Mittelalter wurden bei aufziehendem Gewitter oder Hagelschauer die Kirchenglocken geläutet, um das Unheil abzuwenden. Es handelte sich dabei nicht um ungezügeltes Geläute, sondern es gab einen geregelten Ablauf, der in den obrigkeitlichen Verordnungen festgehalten wurde.

3.9.2. Das Wetterläuten

Wettersegen und Wetterläuten gehörten schon im 8. Jahrhundert zu den Praktiken der katholischen Kirche. In unserem Raum zählt das Wetterläuten in Tegernsee von 1505 zu den frühesten Zeugnissen. Obwohl sich das Wetterläuten bis heute erhalten hat, gab es schon früh Bedenken dagegen. Ein eindeutiges „Für“ oder „Wider“ gab es bis zur Aufklärung nicht. Erst die „wissenschaftlichen“ Erkenntnisse der Aufklärung führten zu den umfangreichen Einschränkungen und Verboten: Der Lärm einer Glocke wäre niemals in der Lage Wolken zu zerteilen, weiters würde das Glockengeläute die Gewitter und Blitze anziehen, anstatt abzuwehren. Berichte über verletzte und getötete Mesner und beschädigte Kirchtürme schienen das zu bestätigen. Die Verbote griffen jedoch kaum, die Bauern machten sie für die Unwetterschäden verantwortlich.

In Salzburg schränkten die Verordnungen der Jahre 1783 und 1784 unter Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo (1772–1803/12) das Wetterläuten ein. Seelsorgern, Predigern und Pflegern wurde aufgetragen, das Volk im Sinne der Verordnungen zu belehren. Die Abschaffung des Wetterläutens war in Bayern und Österreich bereits 1783 durchgeführt worden, dies versuchte man nun, auch in Salzburg durchzusetzen. Doch Widerstand kam sowohl von zahlreichen Gemeinden als auch von einigen geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, die aufgrund des „guten Nutzens“ für eine Fortsetzung des Läutens eintraten. Im 19. Jahrhundert entdeckte man, dass die hohen Kirchtürme Schuld an den Blitzeinschlägen trugen und nicht das „Metall erhitzende“ Geläute der Glocken. Es gab somit keinen Grund mehr, das Läuten zu verbieten. Bis ins 20. Jahrhundert wurde in manchen Gegenden das Wetterläuten praktiziert. In einigen Gemeinden wird nach wie vor Wetter geläutet nach dem Motto: „Wenn’s nicht hilft, schadet’s auch nicht“ und „weil’s den Menschen gefällt“.

3.9.3. Das Wetterschießen

Das Wetterschießen beruhte ursprünglich auf der Annahme, dass man die für die Unwetter verantwortlichen Dämonen durch Schießen und Lärmen vom Himmel holen konnte. Doch neben diesen abergläubischen Gründen, die während der Aufklärung verschwanden, führte man auch physikalische Gründe für die positive Wirkung des Wetterschießens an: Der Lärm zerteile die Wolken. Es gab jedoch auch die Ansicht, dass Wetterschießen und Wetterläuten das Unwetter nur zu den benachbarten Gemeinden treiben und keineswegs auflösen würden. Streitereien zwischen benachbarten Gemeinden belegen das.

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts erlebte das Wetterschießen eine Blütezeit. Doch ebenso wie das Wetterläuten wurde das Schießen seit den 1760er-Jahren wiederholt verboten. Die Bevölkerung konnte sich mit diesen Verboten nicht recht anfreunden und versuchte immer wieder, Ausnahmegenehmigungen zu erreichen. Der Sinn der Verbote war den Menschen nicht einsichtig, sie waren sogar der Meinung, dass diese ihnen schaden würden. Die Obrigkeit schien mit dem Anliegen, von der Nutzlosigkeit des Schießens überzeugen zu wollen, auf verlorenem Posten zu stehen. Unter Erzbischof Colloredo folgten weitere Bestätigungen und Verstärkungen der Verbote, die im Generalmandat vom 1. Februar 1785 gipfelten. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts finden sich zum Wetterschießen Verbote und Ansuchen um Genehmigungen in den Archivbeständen.

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