Startseite: Bräuche im Salzburger LandFolge 1: Im Winter und zur WeihnachtszeitFolge 3: In Familie und Gesellschaft (in Arbeit)Begleitheft (in Arbeit)ZitierempfehlungVolltextsucheHilfe

3.11. Bruderschaften in Tamsweg (Anton Heitzmann)

Tipp

HIER gelangen Sie zur Langtext-Version dieses Beitrags.

3.11.1. Die Leonhards-Bruderschaft

Im Lauf der Geschichte gab es in Tamsweg mehrere Bruderschaften; die bedeutendsten darunter sind die Leonhards-Bruderschaft und die Skapulierbruderschaft. Bruderschaften sind an einer Kirche rechtsförmlich errichtete katholische Vereinigungen von katholischen Laien und Geistlichen zur Förderung der Frömmigkeit und des Glaubens. Die Erzbruderschaft an der Wallfahrtskirche St. Leonhard zu Tamsweg geht auf eine 1434 erstmals genannte „Bruderschaft der Kramer zu St. Leonhart“ zurück, die sich der Betreuung der Wallfahrer widmete. Seit 1460 scheint diese Bruderschaft als Corporis Christi und St. Leonhards-Bruderschaft auf. Zwischen 1465 bis 1498 und 1508 erlebte die Corporis Christi und St. Leonhards-Bruderschaft ihre Blütezeit; das Bruderschaftsbuch dieser Zeit weist 4.766 eingetragene Mitglieder auf.

Am 28. Mai 1636 erfolgte durch die Kapuziner die Wiedererrichtung der Bruderschaft, die aufgrund der Reformation der Vergessenheit anheimgefallen war. Zum Zweck der Rekatholisierung der Bevölkerung veranstaltete die Bruderschaft zwei große Prozessionen: eine am Karfreitag, die andere am Leonhardstag (6. November). Im 19. Jahrhundert kontrollierten – als Folge der Säkularisation („Verweltlichung“ des öffentlichen und privaten Lebens) – die Behörden die Bruderschaften streng und sahen in ihnen ein Instrument der Seelsorge. Da ab 1918 keine neuen Mitglieder eingeschrieben wurden, trat die Leonhards-Bruderschaft nicht mehr in Erscheinung. Auf Initiative von Dr. Peter Unkelbach konnte 1989 die Erzbruderschaft an der Wallfahrtskirche St. Leonhard zu Tamsweg wiederbelebt werden; 1990 wurde das Gründungsdekret überreicht.

3.11.2. Die Skapulierbruderschaft

Nach 1680 begannen die Lienzer Karmeliter, bekannt durch ihre Marienverehrung, Lungauer in ihre Bruderschaft einzuschreiben. So entwickelte sich in Tamsweg eine Skapulierbruderschaft, die schließlich am 19. Februar 1717 errichtet wurde. Zu den gewöhnlichen Gottesdiensten kamen zwei Jahresmessstiftungen von 1719 und 1722: erstere von Andrä Ferner, Thorwärtel zu Moosham. Sowohl die Leonhards-Bruderschaft als auch die Skapulierbruderschaft dürften zur Zeit der Gegenreformation eine wichtige Rolle gespielt haben. Beide Bruderschaften haben zur Zeit des Ersten Weltkrieges ihr Ende gefunden.

Die greifbaren Zeichen, Gürtel und Skapuliere, von den Mitgliedern am Leib getragen, sollten stets an die Verbindung zum Orden und dessen Privilegien (z. B. Ablassgnaden) erinnern. Skapuliere sind kleine, an Bändern über Brust und Rücken getragene Abzeichen, die den Überwürfen einiger Ordenstrachten nachempfunden sind. Heute erinnern der Skapulieraltar in der Pfarrkirche sowie die Bruderschaftsfahne, die von Lasaberger Bauern bei Prozessionen getragen wird, an die Existenz der Skapulierbruderschaft in Tamsweg.

3.11.3. Die Vereinigten zu Tamsweg

Die „Vereinigten zu Tamsweg“ sind keine Bruderschaft im engeren Sinn, da sie den Zünften entspringen. Etliche Salzburger Handwerke bezeichneten – nach mittelalterlicher Sprachregelung – ihre „Zechen“ als „Bruderschaften“, da sie auch Totenkultgemeinschaften waren. Es gehörte zum Stolz der Zunftmeister, sich am Tag des Zunftheiligen oder an einem Tag des Jahresfestbrauches unter dem Zeichen der Zunft zu versammeln oder sich bei den großen Prozessionen mit der Zunftfahne zu präsentieren. 1737 fanden sich Meister dreier Gewerbe zusammen und holten die Erlaubnis zur gemeinsamen Abhaltung eines Jahrtages ein. Sie erhielten daraufhin von der Obrigkeit das Recht, in der neu erbauten Pfarrkirche von Tamsweg einen eigenen Jahrtag abhalten zu dürfen. Dieser Jahrtag sollte von den Gewerbetreibenden, die keiner Tamsweger Handwerkerinnung angehörten, gestaltet werden.

Im Lauf der Zeit, besonders nach Einführung der Gewerbefreiheit (1859), traten die übrigen Zünfte den Vereinigten bei. „Der Vereinigte“ entwickelte sich zu einem wichtigen gesellschaftlichen Faktor im Markt. Die „Vereinigtenoktav“ (Festwoche) verläuft vom „Andingen“ bis zum „Geldbeutelwaschen“ nach einem vorgegebenen Plan. Alle drei Jahre, zur Kommissärswahl, wird sie besonders feierlich gestaltet. Wie einst bei der „Bruderschaftsprang“ der Leonhards-Bruderschaft die Handwerkszünfte ihre Wagen gestaltet haben, so halten die Berufsgruppen mit ihren Festwagen zur Huldigung des neuen Kommissärs einen Festumzug. Mit 870 Mitgliedern ist „der Vereinigte“ heute der größte Verein des Marktes Tamsweg.

This document was generated 2021-11-29 17:45:49 | © 2021 Forum Salzburger Volkskultur | Impressum