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3.26. Pongauer Prangstangen (Ernestine Hutter)[126]

Tipp

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3.26.1. Die Besonderheit der Prangstangen im Lungau

Obwohl es neben Bischofshofen auch in weiteren vier Orten des Pongaues Brauch ist, Prangstangen zu Fronleichnam zu tragen, ist ihr Bekanntheitsgrad wesentlich geringer als jener der Lungauer Prangstangen, die ob ihres seit jeher üblichen frischen Blumenschmuckes – gegenüber den mit farbiger Wolle, Litze und Filz umwundenen Stangen des Pongaues – die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken vermochten.

Palmweihe, Fronleichnam und Erntedank stellen jene kirchlichen Feste in Bischofshofen dar, die besonders feierlich und unter reger Beteiligung der Bevölkerung mit einer Feldmesse im Kastenhof beziehungsweise einer Prozession durch den Ort begangen werden.

In der Regel sind es sieben Prangstangen, die für die Fronleichnamsprozession von den sieben Rotten der Gemeinde Bischofshofen beigestellt werden. Jeder Träger hat einen zweiten mit dabei, um beim Aufrichten der mindestens sechs Meter langen Stangen zu helfen. Verwendet werden sogenannte „Blitzbäume“ (vom Blitz getroffene Bäume), die von selbst dürr werden. Als Besonderheit der Bischofshofner Prangstangen ist die Spitze zu nennen, die nach unten gebogen und durch eine Querverspannung mittels Draht („’s Spangerl“) zu einem Bogen („d’Ruatn“) fixiert wird.

3.26.2. Schmuck und Zierde der Prangstangen

Das Schmücken der Prangstangen ist in Bischofshofen Aufgabe der Frauen. Bevor man sich am Dienstag vor Fronleichnam zum „Kranzlbinden“ trifft, geht es am Vormittag des Vortages zum Blumenpflücken. Für den Schmuck der Prangstangen sind bestimmte Arten notwendig, die unter Naturschutz stehen. In der Verordnung der Salzburger Landesregierung vom 29. Jänner 2001 über den Schutz bestimmter wild wachsender Pflanzen in der freien Natur und den Schutz frei lebender Tierarten (Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung/LGBl. Nr. 18/2001) steht unter § 5 Abs. 1c geschrieben, dass „die Entnahme von Pflanzen für Zwecke der besonderen charakteristischen örtlichen Brauchtumspflege“ erlaubt ist.

In der Regel sind es fünf Kränze, die angefertigt werden, um die Stange in buntem Blumenschmuck erstrahlen zu lassen. Für das „gelbe Band“ (Kranz) werden das „Frauenschuchei“ (Frauenschuh) beziehungsweise der „gelbe Klee“ (gemeiner Hornklee) verarbeitet, für das „weiße Band“ wird allgemein die Margerite verwendet, das „rote Band“ setzt sich in der Regel aus den Blüten des roten Klees zusammen, für das „blaue Band“ sammelt man die „Almglocken“ (Enzian), und für das „grüne Band“ werden in erster Linie Buchs oder „s’Frauenmantei“ (Frauenmantel) herangezogen. Je schräger die Stange gewickelt ist und je schlanker sie in ihrem Gesamtbild erscheint, desto „rarer“ (aufsehenerregender) ist sie.

3.26.3. Prangstangen: Aufstellen, Einsatz und Ursprung

Am Mittwochabend vor dem Fronleichnamsfest werden die Prangstangen von allen Rotten in die Pfarrkirche von Bischofshofen gebracht. Von dort holen sie die Träger früh am Morgen, um sich als Erste in die Prozession einzureihen. Unverändert wie in den 1920er-Jahren werden sie nach dem Fronleichnamstag in der Pfarrkirche rechts und links des Mittelganges aufgestellt, wo sie bis zum Erntedankfest verbleiben.

Über den Ursprung der Bischofshofner Prangstangen bestehen verschiedene Meinungen. Nach Überlieferung der Haidberger Bauern „geht dieser Brauch auf einen Schneefall im Sommer zurück, der die Ernte vernichtete“. Dabei wurden viele Bäume abgebrochen, diese wurden bei der Fronleichnamsprozession vorangetragen, um an den Ernteschaden zu erinnern. Karl Adrian (Heimatforscher, 1861–1949) ordnet, heute überholt, den Brauch unter „Abwehr- und Opferkult“ ein.

Mitte der 1960er-Jahre reduzierte sich die Anzahl der Prangstangen auf nur noch drei Stück, was auf einen verunglückten Bauern zu Flachenberg 1966 zurückzuführen ist. In den 1980er-Jahren gab es einen Wiederbeginn, alle Stangen der sieben Rotten von Bischofshofen werden seither mit frischem Blumenschmuck umwickelt.



[126] Kurzfassung von Ilona Lindenbauer, Langtext-Version HIER.

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