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12.19. Manfred Sampl: Bräuche im Lungau

LAbg. Ing. Manfred Sampl (Obmann des Gauverbandes der Lungauer Heimat- und Brauchtumsvereinigungen 1999–2004, Bankmanager, Abgeordneter zum Salzburger Landtag seit 2004, Bürgermeister in St. Michael seit 2009) übermittelte am 30. September 2002 ein schriftliches Statement an Lucia Luidold.

Der Stellenwert der Prangtage im Lungau ist hoch. Wie werden die Prangtage gefeiert?

Die Prangtage haben im Lungau schon immer einen großen Stellenwert gehabt. Durch den wesentlichen Anteil der bäuerlichen Bevölkerung im Lungau sind sie schon lange ein wichtiger Höhepunkt im Brauchtumsjahr. Bei uns werden vor allem die Kinder stark eingebunden und für viele ist ein Prangtag einer der ersten Kontakte mit unseren Bräuchen außerhalb der Familienfeiern. Viele Trachtenfrauen nehmen in der Gruppe schon Kindergartenkinder in Tracht mit. Die Prozessionen verlaufen nicht immer gleich. Sie gehen nach Kirchzeit immer von der Kirche aus, jedoch bei jeder Prozession in einen anderen Ortsteil und wieder zurück zum Gotteshaus. Entlang des Weges sind meist Äste und Blumen als Schmuck aufgelegt. Natürlich rücken alle wichtigen Vereine (Musik, Schützen, Trachtenverein, Kameradschaft, Rettung, Feuerwehr, Landjugend, ...) in Uniform aus. Im Herbst werden bei uns im Lungau die „Danksagungen“ sehr oft mit einem anschließenden Marktfest oder Bauernherbstfest verbunden. Nach der Prozession findet in vielen Gemeinden ein Konzert der Musikkapelle oder ein Samsonumzug statt. Somit bleiben die Leute im Ort und verbringen noch gemeinsam so mach gesellige Stunde bzw. Nacht.

Besondere Lungauer Bräuche sind der Samson und die Prangstangen. Wie sind diese Bräuche im Bewusstsein der Lungauer verankert?

Die zwei angesprochenen Bräuche sind eigentlich die „Paradebräuche“ im Lungau. Sie sind weit über unsere Grenzen hinaus bekannt. Dies ist den Lungauern auch bewusst. Noch vor einigen Jahren ging der Trend stark zur Vermarktung dieser „Attraktionen“ hin. Heute ist jedoch in den Gruppen wieder der eigentliche Sinn eingekehrt und sie versuchen sich gegenseitig zu übertreffen. Es wird nicht mehr gegen Bezahlung ausgerückt. Auch kann der Fremdenverkehrsverband keine Samsonumzüge beordern. Sehr schön ist es und stolz sind wir, dass diese Bräuche ausschließlich von jungen Leuten hochgehalten werden – das heißt ca. 150 junge Leute nur in den Samsongruppen und bei den Prangstangenträgern.

Der Lungau ist der sonnigste, südlichste Bezirk des Landes. Was macht den Lungau so besonders liebenswert?

Unser Bezirk ist eine geographische Besonderheit. Wir haben eine wunderschöne Landschaft, die Berge zum Wandern und Schifahren sind vor der Tür und die Kärntner Seen (zum Beispiel der Millstättersee) liegen uns zu Füßen und sind in ca. 20 bis 30 Minuten mit dem Auto erreichbar. Die Leute sind noch von der Abgeschiedenheit durch die uns eingrenzenden Berge geprägt. Wir sind nur knapp 22.000 Leute im Lungau – das heißt sehr viele kennen sich gegenseitig und es gibt keine Anonymität. Auf den Straßen wird gegrüßt und wir haben gelernt, nach außen hin gemeinsam und stark aufzutreten, weil wir sonst aufgrund unserer geringen Größe (wenig Einwohner und kleiner Gau) gerne übersehen werden. Dieses Zusammenstehen nach außen prägt auch das Zusammenleben innerhalb des Bezirkes. Es ist nicht leicht, ein Lungauer zu werden (zum Beispiel durch Heirat), weil wir manchmal etwas verschlossen sind. Es ist einfach schön, durch unseren Bezirk fahren zu können und in jeder Ortschaft einen Freund oder Bekannten zu treffen (besonders bei den Festen im Sommer). Bei uns ist es der Brauch, dem Nachbarn, dem Freund und Bekannten zu helfen. Wenn es zum Beispiel brennt, hilft normalerweise der ganze Ort mit Handschichten und Spenden, um das Übel möglichst schnell wieder beseitigen zu können. Einfach beschrieben: Wer bei uns zu Hause ist, fühlt sich sicher und geborgen und kann sich auf jeden neuen Tag freuen.

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