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4.7. Alm- und Wildschützenlieder in Salzburg (Thomas Hochradner)

Tipp

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4.7.1. Das Almlied: mit einem Hauch von Nostalgie

Wenn heutzutage ein Almlied erklingt, werden Gedanken an Freizeit, an Innehalten und Erholung, an Heimat wach. Das historische Almlied, wie es um 1800 in Aufzeichnungen greifbar wird, verfügt aber über zahlreiche Bezüge zur Lebenswelt und thematisiert neben glücklichen Momenten den Alltag der Almarbeit sowie Beziehungen zwischen Sennerin und Wildschütz, seltener dem Jäger. Innerhalb einer von Symbolen durchsetzten Sprache, die z. B. mit Farben, Wetter, Naturerscheinungen, dem Tages- und Jahreslauf operiert, wird mit erotischen Andeutungen nicht gespart.

Fast immer dreht sich der Text des Almliedes um die Liebe. Die Sennerinnen sind jung und hübsch, die Burschen mutig und stark, das Leben ist frei und unbeschwert. In der Realität verhielt es sich freilich anders. Es gab zahlreiche ältere Sennerinnen, außerdem gelegentlich Sennen, die im Almlied generell nicht erwähnt werden, und im Tagwerk waren beschwerliche Tätigkeiten zu verrichten.

Dennoch schildern bereits die ältesten überlieferten Lieder das Almleben als beglückendes, erstrebenswertes Dasein, setzen die Mühsal des Tagwerkes im Tal dagegen. Im Lauf des 19. Jahrhunderts gewinnt darüber hinaus eine idyllisierende Zeichnung Oberhand, die im Almsommer nicht mehr willkommenen Freiraum, sondern ein paradiesisches Ambiente erkennt und schließlich die Darstellung der Sennerin in ein romantisches Klischee zwingt.

4.7.2. Das Wildschützenlied: von Rebellen und Helden

Wildschützenlieder zählen zu den beliebtesten Gattungen des Volksliedes, werden aber selten in ihrem historischen Kontext betrachtet. Noch im 18. Jahrhundert – aus dem die frühesten Liedüberlieferungen stammen – war der Wildschütz ein Rebell gegen die staatliche Obrigkeit, der das Recht auf die Jagd wider aller gesetzlichen Bestimmungen behauptete. Das Wildschützenlied von dazumal reflektiert diese Haltung, wenn es den Wildschütz über den Jäger triumphieren lässt, der vergeblich die Einhaltung der Gesetze zu wahren sucht.

Im 19. Jahrhundert, als das Wildern nicht mehr Ausdruck des Protestes, sondern beinahe zu einer Art „Alpensport“ geworden war, wechseln die Wildschützenlieder ihr Gesicht. Nun rücken oft einzelne Wildschützen, als Helden in den Liedern besungen, in das Zentrum einer mehr oder weniger fantasievoll ausgeschmückten Ballade. Unterschwellig bleiben jedoch Merkmale des früheren Wildschützenliedes erhalten. Selbst dann noch bilden Alm- und Wildschützenlied zwei Seiten einer Münze, nämlich des autonomen Lebens in weitläufiger Natur.

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