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4.5. Die „Salzburger Volksmusiklandschaft“ (Thomas Hochradner)

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4.5.1. Die Bedeutung der Volksmusik im 18. und 19. Jahrhundert

Im späten 18. Jahrhundert mehren sich in landeskundlichen Schriften Notizen zu volkskundlichen Belangen, zu Bräuchen, zur Mundart und auch zur Volksmusik. Obwohl diese Nachrichten zunächst punktuell gehalten sind und selten konkrete Hinweise auf Lied- und Spielgut geben, lässt sich daraus doch ein ungefähres Bild über die Bedeutung der Volksmusik im damaligen gesellschaftlichen Leben gewinnen.

Für Salzburg ergibt sich eine besonders günstige Ausgangslage, da in der Spätphase des selbstständigen geistlichen Fürstentums unter der Regentschaft von Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo (1772–1803/12) das empirische Interesse der Aufklärung in zahlreichen Schriften Ausdruck fand, die immer wieder auch Themen der Landeskunde aufgreifen. Lorenz Hübner (1751–1807) legte – in mehreren Bänden – ausführliche Beschreibungen von Stadt und Land Salzburg vor, Franz Michael Vierthaler (1758–1827) trat mit naturkundlichen Betrachtungen, Carl Maria Ehrenbert Freiherr von Moll (1760–1838) mit naturwissenschaftlichen Studien hervor.

Daran konnten spätere Autoren wie Friedrich Graf Spaur (1756–1821) in „Briefen“ an einen fiktiven „vertrauten Freund“, Ignaz von Kürsinger (1727–1799) oder Matthias Koch anknüpfen, die im Gegensatz zur vielerorts bestehenden Praxis kaum vorhandene Äußerungen wiederholten, sondern sich bemühten neue Details zu notieren, freilich nur vereinzelt und nie im Rahmen einer geschlossenen Darstellung. So bieten ihre gelegentlichen Notizen über das Jodeln, einen Gasslreim oder die Tanzpraxis wertvolle Aufschlüsse zur musikalischen Volkskultur.

4.5.2. Frühe landeskundliche Schriften

Für Salzburg liegen ab dem späten 18. Jahrhundert landeskundliche Studien vor, aus denen sich die Bedeutung der Volksmusik im damaligen gesellschaftlichen Leben nachzeichnen lässt. An die unter der Regentschaft von Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo entstandenen Schriften knüpften spätere Autoren an. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts greift mit Benedikt Pillwein (1779–1847) erstmals ein Autor stark auf eine frühere Publikation zurück. Pillwein zitiert ohne Angabe der Quelle aus Lorenz Hübners ca. 40 Jahre zuvor veröffentlichter, für die damalige Zeit grundlegender dreibändiger statistisch-topografischer Darstellung des Landes Salzburg. Dies zeigt zwar, wie sehr Hübner für Jahrzehnte den Zugang zu Thema und Material geprägt hatte, macht aber auch deutlich, dass seine Nachfolger zuweilen auf eigene Recherchen verzichteten.

Die mehr oder weniger wissenschaftliche Tendenz der frühen landeskundlichen Schriften färbte gelegentlich sogar auf die Reiseliteratur ab. Häufiger wird aber diese Literatur im 19. Jahrhundert durch romantische Vorstellungen „überschönt“, idealisiert und oft idyllisiert. Daneben beginnen manche Autoren Bücher zu veröffentlichen, die reinen Unterhaltungswert besitzen und volksmusikalische Beobachtungen in diesem Sinn funktionalisieren. Die Nähe zum Folklorismus ist hier offenkundig. Auch musikalische Veranstaltungen nutzten die Tendenz zur Schaustellung. Die Berchtesgadener Familie Graßl, ein Bauer mit seinen Kindern, konnte sich mit Konzerten erfolgreich im biedermeierlichen Musikleben etablieren.

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