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4.6. Der Fopper (Thomas Hochradner)

Tipp

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4.6.1. Vom „Fensterln“ und „Gasslgehen“

Während im Volksmund die Ausdrücke „Fensterln“ und „Gasslgehen“ nebeneinander und häufig synonym gebraucht wurden, spricht die wissenschaftliche Forschung von zwei unterschiedlichen Brauchformen: dem intimen, individuellen Fensterln des Burschen bei seinem geliebten Dirndl und dem kollektiven Gasslgehen, bei dem sich eine Partie Burschen zusammenfand, um ebenfalls nächtens, aber mit allerhand Aufwand vor dem Fenster der „Menscherkammer“ ein Gespräch, eventuell den Einlass, herbeizuführen.

Dabei wurden vor allem die sogenannten Gasslreime vorgetragen, umfängliche Reimdichtungen, die bestimmten Modellen folgten und mit zahlreichen Geräuschen (Fingerschnackeln, Zungenschnalzen etc.) untermalt waren. Je länger ein solcher Gasslreim dauerte, je fantasievoller er sich entspann, umso mehr Bewunderung fiel dem Interpreten zu. Über Jahrhunderte lassen sich das „Fensterln“ und das „Gasslgehen“ im Land Salzburg belegen; erst nach dem Zweiten Weltkrieg gingen diese Bräuche nach und nach verloren.

4.6.2. Der „Fopper“: ein Schwindler und Prahlhans

Im „Fopper“ begegnet ein vielfach im Gasslreim verwendetes Modell. Sein Vortrag beschreibt einen von weit herkommenden, selbstbewusst auftretenden Brautwerber, der zur Beseitigung der Misswirtschaft am heimatlichen Hof eine tüchtige Bäuerin sucht. Im Titel klingt die ältere Wortbedeutung von „foppen“ – schwindeln (engl. „to fob“ – betrügen) an, die erst später von „foppen“ – necken, ärgern überlagert wurde.

Der Fopper macht demnach den LauscherInnen etwas vor, das aber infolge der Einleitung, worin sich der Vortragende nicht namentlich zu erkennen gibt, ja sogar seine Stimme verstellt, um eine Identifizierung vorerst zu verhindern, und aufgrund des Sujets sogleich als gestellt erkannt wird – und er gibt damit ein Beispiel dafür, dass auch dort, wo die Realität der bäuerlichen Lebenswelt verlassen wurde, ihre prinzipielle Ordnung und ihr geistiger Horizont aufrechterhalten blieben.

4.6.3. Von der „thematischen Wanderschaft“

Aus dem ursprünglichen Gasslreim, der 1796 in Lorenz Hübners „Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstenthums Salzburg in Hinsicht auf Topographie und Statistik“ das erste Mal überliefert ist, lösten sich im Laufe der Zeit Lieder des Bauernstandes, Ansingelieder und Volkspoesie heraus, womit das Modell des „Foppers“ für diverse Kleinformen genutzt wird. Zwar erscheint das Spektrum der im Gasslreim enthaltenen Momente reduziert, doch vor allem anhand seines typischen Anfangs und durch den aufschneidenden Ton im Vortrag bleibt der „Fopper“ im Hintergrund wirksam.

Da es sich dabei um ein Textmodell handelt, konnte zu den jeweiligen Liedern eine eigenständige Melodie geschaffen bzw. übernommen und diese dann ebenso wie der Text erneut variiert werden. So entstand eine Vielzahl von Transformationen, wie sie sich in der Tradition lebendiger Volkskultur grundsätzlich ergeben hat.

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