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Kapitel 1. Bräuche und Identität

Inhaltsverzeichnis

1.1. Zwischen Heimat und Welt (Klaus Guth)
1.2. Brauch (Konrad Köstlin)
1.3. Religion, Kultus und Brauch (Walter Hartinger)
1.4. Bräuche (Manfred Seifert)
1.5. Alpen-Heimat (Bernhard Tschofen)

1.1. Zwischen Heimat und Welt (Klaus Guth)[1]

Tipp

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1.1.1. Lebenswelten, Volk und Bevölkerung

Die Kernaufgabe volkskundlichen Arbeitens ist, sowohl vergangene wie auch gegenwärtige Lebenswelten der Menschen, im Großen wie im Kleinen, ganzheitlich zu erfassen und sie einzeln zu analysieren. Lebenswelten entstehen dort, wo sich Vertrautheit im Kennenlernen aus der Nähe bildet – wo aus Gründen der Liebe zu Familie und Umfeld Kultur entsteht. Dabei richtet sich der interessierte Blick auf die eigene wie die fremde Welt, auf das Diesseits und das Jenseits der Kultur.

Volkskunde als analytisch vorgehende Kulturwissenschaft erfasst den Menschen in seinen materiellen Objektivationen ebenso wie in den geistigen Äußerungen. Das Fach Volkskunde / Europäische Ethnologie hat seit seiner Entstehung den Menschen als Mitte jeder Kultur und dessen Handlung im Blick. „Volk“ fungiert in der Wissenschaftsgeschichte des Faches stets als Träger und Erfinder kultureller Phänomene und Tätigkeiten, die vom Fest- und Brauchleben bis zum Wohnen, Arbeiten, Verehren und Schmücken reichen.

Der Alltag ist das menschliche Leben selbst, deshalb bestimmt gerade die Kategorie „Alltagskultur“ knapp und klar den funktionalen Bereich materieller Kultur. So umgreift die Formel „alltägliche Lebenswelt“ alle Schichten der Bevölkerung und erfasst ganzheitlich deren „Lebenswelt“.

1.1.2. Methoden und Verfahrensweisen

Die Volkskunde beschreibt und analysiert mithilfe der sozialwissenschaftlichen Methode die Sozialstrukturen arbeitsausübender Schichten – die der Handwerker/innen, der Angestellten und Arbeiter/innen oder die der Mitglieder in kulturellen Gruppierungen, Vereinen und Verbänden. Das Ziel ist, die historische oder gegenwärtige Volkskultur einer Region, eines Landes oder einer Sondergruppe zu erfassen, zu analysieren (meist Mikroanalyse) und darzustellen.

Mithilfe der Kombination von Verfahrensweisen aus unterschiedlichen Fächern der Kulturwissenschaft nähert sich die Volkskunde / Europäische Ethnologie im Einzelbereich dem gestellten Thema (Methodenpluralismus).

Die gegenwärtige Volkskunde benutzt für ihre Forschungen unterschiedliche Schlüsselbegriffe. Neben den Kategorien Heimat, Lebenswelt, Lebensform, Volkskultur und Alltagskultur stehen so unterschiedliche Zugriffe wie Ethnie, Identität, Schicht, Geschlecht, Tradition, Prozess, Ritual, Übergang, Transformation und viele andere mehr (Methodenvielfalt).

1.1.3. Forschungsfelder der Volkskunde / Europäischen Ethnologie

Besonderes Interesse der Forschung zog stets die Gemeinde auf dem Land auf sich. Die kleine Lebenswelt „Dorf“ zeigt wie ein feiner Seismograf die sozialen Veränderungen der großen Einheit Land und Stadt an.

Auch die Migration bzw. Auswandererforschung ist ein wichtiger Bereich, der besonders die Kombination unterschiedlicher Vorgehensweisen voraussetzt, denn die Identität einer Siedlungsgruppe äußert sich im Erhalt der Muttersprache, der Lieder und der Erzählüberlieferung, im Feiern der Feste, im gemeinsamen Kirchgang, in den Bräuchen, im Familienleben, in der Schule und Selbstverwaltung.

Weiters zu erforschen gilt es die Wallfahrtskultur in unterschiedlichen europäischen Ländern und Orten – dies ist ein altes und wieder modernes Anliegen der Volkskunde / Europäischen Ethnologie. Die Wallfahrt charakterisiert Höhepunkte konfessioneller Kultur einer Epoche und „verortet“ an großen und kleinen Wallfahrtszentren die Einheit einer universalen Religion und Kultur.



[1] Kurzfassung von Ilona Lindenbauer, Langtextversion HIER.

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