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Interviews

Salzburger Bräuche und Vereinskultur (Hans Berner)

Hans Berner, Obmann des Gauverbandes der Flachgauer Heimatvereinigungen, pensionierter Industriekaufmann, gab Marina Wimmer am 13. Juni 2003 im Referat Volkskultur ein Interview.

Als Obmann des Gauverbandes der Flachgauer Heimatvereinigungen stehen Sie einem sehr vielseitigen Verband vor – worin sehen Sie die wichtigsten Aufgaben des Gauverbandes?

Der Gauverband Flachgau der Heimatvereinigungen hat derzeit 66 Vereine als Mitglieder, die sich teilen in Trachtenvereine, Heimatvereine, Brauchtumsgruppen, in Kopftuch-, Goldhaubengruppen und Trachtenfrauengruppen, Volksliedsingkreise und in Aperschnalzer im Raum Salzburg und in der Umgebung – und auch zwei Laientheatergruppen sind Mitglieder sowie ein paar ländliche Reitervereine. Also ein sehr gemischtes Publikum und eine sehr gemischte Vereinskultur. Wir stehen in erster Linie als Servicestelle den Vereinen vor, wir unterstützen sie bei ihren Aktivitäten, aber unsere Aufgabe ist auch die Vertretung nach außen hin.

Was sind Ihnen die wichtigsten Anliegen, um die Salzburger Bräuche den Menschen nahe zu bringen?

Unsere Salzburger Bräuche sollten immer und überall echt und in bester Weise dargeboten werden. Es muss Zeit, Ort und der Raum stimmen und passen, nur so können unsere Sitten und Bräuche angenommen werden und sich auch über längere Zeit erhalten. Es ist so, dass wir ganz bestimmte Kriterien an die Bräuche setzen, aber es kann vorsichtig und mit Gefühl auch weiterentwickelt werden – wir wollen kein Museum sein, sondern ein lebendiges Brauchtum vermitteln und weiterbringen.

Sie haben sich als langjähriger Obmann der Bindertanzgruppe um diesen Handwerksbrauch angenommen. Bitte zeichnen Sie die historische Entwicklung des Brauchs in Salzburg nach.

Der Bindertanz in Salzburg geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Legende nach entstand er in der Pestzeit um 1516/17 und man sagt den Bindern – die auch Schäffler oder Küfer genannt werden – nach, dass sie aus Freude über das Ausklingen der Seuche auf die Straße gingen und mit ihren Pechkübeln die Wohnungen der Menschen ausräucherten. Der Spruch, den es noch heute gibt, „mit Pechen und Brennen der Pest nachrennen“, zeigt in diese Richtung. Der Bindertanz wurde in siebenjährigen Intervallen bis 1830 in Salzburg aufgeführt, dann gab es eine längere Pause von 94 Jahren und erst 1924 wurde er anlässlich der Wiedergründung der Dult in Salzburg wieder gegründet. Seither wird er in unregelmäßiger Folge, zu ganz großen Festen oder richtigen großen Ereignissen von Stadt oder Land Salzburg aufgeführt.

Der Bindertanz wird oder wurde seinerzeit von der „Alpinia“ hauptsächlich getragen und gepflegt, es waren da sehr wichtige Persönlichkeiten maßgebend dabei – der seinerzeitige Obmann der „Alpinia“, der frühere Direktor einer großen Salzburger Brauerei und Schulrat Karl Adrian – waren maßgebende Leute für die Dult, die sich aber auch für die Gründung des Bindertanzes eingesetzt haben. Später dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, kümmerte sich die Brauchtumsgruppe „Jung Alpenland“ um diesen Brauchtumstanz und es sind heute noch sehr viele junge Menschen aus dieser Gruppe auch bei den Bindertänzern tätig. Die Binder gibt es beruflich ja fast nicht mehr, die großen Erwerbszweige – wie Salzfässer machen, Bierfässer machen – sind heute überholt und der Beruf wird eigentlich nicht mehr gelehrt, aber die Bindertanzgruppe Salzburg pflegt nach wie vor diesen schönen Alt-Salzburger Bindertanz und die Brauchtumsgruppe „Jung Alpenland“ ist hier sehr verdienstvoll tätig, dass das heute erhalten bleibt.

Früher haben die Binder ein umfangreiches Betätigungsfeld gehabt, die waren sehr vielfältig tätig – haben nicht nur Fässer gemacht, sondern auch Zuber und Melkkannen, alles Mögliche haben die Binder machen können, was mit der Zeit durch die Industrialisierung und Modernisierung alles weggefallen ist. Es gibt zum Beispiel fast keine Räder mehr, die der Wagnermeister früher gemacht hat, es wird alles mit Kunststoff oder mit Gummi oder mit Metall hergestellt. Es gibt heute einfach fast keine Holzfässer mehr, womit der Beruf der Binder fast ausgestorben ist.

Was wird mit dem Bindertanz heute symbolisiert?

Der Bindertanz besteht aus zwölf Figuren, mit Auftanz. Der Höhepunkt der Figuren ist die Krone, eine wunderschöne Figur. Der Bindertanz symbolisiert das Leben, er geht immer wieder von Kreisen aus, es werden immer wieder Kreise gezeigt und bis zur nächsten Figur wieder eingebunden. Es wird aber auch mit den Schlägen das handwerkliche Können der Binder symbolisiert, dabei wird zumeist in der Mitte ein Fass aufgestellt und vier Bindertänzer schlagen im Takt die Reifen auf. Sehr geschickte Bindertänzer stellen sich im Kreis auf, stellen ein Glas Wein in die Mitte hinein, es wird dann in kunstvoller Form geschwungen, was die Geschicklichkeit der Binder darstellen soll.

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